Baustelle verursacht Ärger in der Stadt

Seit Montag ist in Pockau die Olbernhauer Straße komplett gesperrt. Darüber wussten weder Anwohner noch Gewerbetreibende rechtzeitig Bescheid. Doch wer ist für die Information eigentlich zuständig?

Pockau.

Baustellen, Straßensperrungen und Umleitungen sind für Anwohner und Autofahrer gleichermaßen ein Ärgernis. Das ist aktuell in Pockau nicht anders. Doch dort verursacht derzeit weniger der Bau an sich Unmut, sondern vielmehr die Tatsache, dass scheinbar nicht darüber informiert wurde.

Seit Montag ist die Olbernhauer Straße ab der Feuerwehr bis zum Abzweig An der Pockau voll gesperrt. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz) lässt in dem Bereich Energiekabel verlegen und Oberleitungen zurückbauen. Bis einschließlich 31. August dauert die Sperrung. Zwar ist die Baustelle lediglich rund 150 Meter lang. Doch die offizielle Umleitung hat es in sich. Der Umweg über Rittersberg und Olbernhau beträgt 30 Kilometer.

"Ich habe Verständnis dafür, dass gebaut werden muss", betont Gerd Glöckner, der für die Linken im Pockau-Lengefelder Stadtrat sitzt. Er kritisiert aber, dass die Bürger nicht rechtzeitig über die Sperrung in Kenntnis gesetzt wurden. "Mehrere Anwohner haben sich bei mir beschwert", sagt der Volksvertreter, der selbst nahe der Baustelle wohnt. Die Bürger hätten ein Recht darauf, im Voraus angemessen informiert zu werden. "Mich ärgert, dass es scheinbar niemanden etwas angeht."

Christine Frölich bestätigt den fehlenden Informationsfluss. Sie leitet in unmittelbarer Nähe einen ambulanten Pflegedienst. Über die Sperrung habe sie erst am Freitag - also drei Tage vor Baustart - aus der "Freien Presse" erfahren. "Meine Kollegen haben am Montag sofort beim Ordnungsamt angerufen. Dort wurde uns zum Glück zugesagt, einen Privatweg nutzen zu dürfen. Müssten wir die Umleitung fahren, wäre das gravierend", sagt die Pflegedienstleiterin.

Weniger Glück hat Andreas Glöckner. Er betreibt einen Modellbahnladen - wenige Hundert Meter nach der Vollsperrung in Richtung Olbernhau: "Meine Kundschaft kommt aber aus genau der anderen Richtung. Die bricht mir weg. Die Umleitung ist nicht zumutbar." Er behauptet: "Ich habe gar keine Info bekommen. Dabei muss Gewerbetreibenden 14 Tage vorher Bescheid gegeben werden. Die Behörden sollten sich an die Spielregeln halten."

Doch wer ist eigentlich dafür zuständig, im Vorfeld über das Bauvorhaben zu informieren? "Die Informationspflicht ist Bestandteil der verkehrsrechtlichen Anordnung", erklärt Peter Ludwig von der Abteilung Straßen und Verkehr im Landratsamt. Demnach sei allein der ausführende Baubetrieb verantwortlich, Anlieger und Gewerbetreibende rechtzeitig zu unterrichten. Was rechtzeitig bedeutet, ist im Gesetz nicht klar formuliert. Die Arbeiter auf der Baustelle beteuern, die betroffenen Haushalte im Vorfeld mit Handzetteln informiert zu haben. Das Landratsamt wiederum veröffentlicht zusätzlich Sperrungen von Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Erzgebirgskreis auf seiner Internetseite. Für die Baustelle in Pockau sei das am vergangenen Donnerstag erfolgt, ergänzt Ludwig.

Auch die Marienberger Verwaltung gibt freiwillig Mitteilungen über Bauvorhaben in der Stadt und ihren Ortsteilen bekannt, um Ärger zu vermeiden, sagt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer. Das wünscht sich Gerd Glöckner auch für Pockau-Lengefeld. "Die Stadtverwaltung ist Dienstleister und hat sich für die Bürger einzusetzen", sagt der Kommunalpolitiker. Zumal im Rathaus das Vorhaben an der Olbernhauer Straße bereits seit Anfang August bekannt gewesen sei. Glöckners Vorwurf weist Bürgermeister Ingolf Wappler (CDU) zurück: "Ich habe erst zwei Tage vor Baubeginn davon erfahren. Die Verwaltung wusste es auch nicht viel eher." Die Stadt handhabt es bislang so, auf ihrer Homepage lediglich auf das Baustelleninformationssystem des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr zu verweisen. Doch Wappler gesteht: Die Olbernhauer Straße sei selbst am Montag nach Baustart noch nicht eingetragen gewesen. "Wir haben das zum Anlass genommen, künftig Sperrungen im Ort und Umgebung extra online bekannt zu geben."

Allerdings sei die aktuelle Baustelle relativ kurzfristig zustande gekommen, da die Vollsperrung nicht länger dauern darf, sagt Mitnetz-Sprecherin Evelyn Zaruba: "Wir bitten dies zu entschuldigen." Die Arbeiten seien notwendig für die anschließenden Arbeiten der Landestalsperrenverwaltung (LTV) zum Hochwasserschutz. Das bestätigt Sprecherin Britta Andreas. Die LTV will bis 2022 rund elf Millionen Euro für einen besseren Hochwasserschutz an der Schwarzen Pockau investieren. Der erste Bauabschnitt soll im kommenden Monat beginnen. Die LTV werde zuvor entsprechend über das Vorhaben informieren.

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