Bei 40 Grad machen auch die Strickmaschinen schlapp

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Strickerin Annette Koch.

Dittersdorf.

Einen kühlen Platz zwischen den Strickmaschinen in der Dittersdorfer Strumpffabrik Breitex hat man in den vergangenen Tagen vergeblich gesucht. "Bei den hohen Temperaturen ist die Arbeit eine Herausforderung für Mensch und Maschine", sagt Annette Koch. Um die 40 Grad Celsius sei es zwischen den Strickmaschinen heiß, die die 54-Jährige im Drei-Schicht-System zusammen mit ihren Kolleginnen betreut. "Ich trinke im Moment doppelt so viel Wasser wie sonst. Bei der Hitze brauche ich zwischendurch mal einen Kaffee, ein kühles Glas Cola oder auch Vitamine in Form von Obst. In der Pause esse ich gern ein Eis", berichtet die Strickerin.

Jeweils zwei Frauen betreuen pro Schicht die 35 Strickmaschinen. Aufgrund der vielen Designs und Extraanfertigungen für Kleinaufträge gebe es einen ständigen Wechsel der Artikel an den Maschinen. Immer wieder werden Garne abgenommen, neues ausgesucht, angesteckt und eingefädelt. "Bei so vielen Maschinen lege ich schon bis zu fünf Kilometer am Tag zurück", schildert Annette Koch. Die Getränkeflaschen in greifbarer Nähe werden deshalb gern genutzt, wenn die Strickerinnen die Gänge zwischen den Maschinen wechseln. Auch der Gratis-Kaffee vom Chef, den jede seiner 32 Mitarbeiterinnen ganzjährig bekommt, findet großen Anklang.

Ein Abluftsystem, das verbrauchte Luft hinausleitet und frische Luft von draußen ansaugt, arbeitet zwar ständig, "aber wenn es draußen weit über 30 Grad sind, kann uns die Anlage auch keine kühlere Luft in den Stricksaal blasen", erklärt die Strickerin. Hinzu käme noch die Eigenwärme der Maschinen. Am heißesten sei es zwischen 13 und 18 Uhr. Auch ihre Kolleginnen in der Formerei, der Kettlerei und der Beschichtung schwitzen bei dem Wetter, zumal die dortigen Maschinen teilweise auf bis zu 110 Grad Celsius erhitzt werden, um die Beschichtung trocknen zu lassen.

"Bei Temperaturen um die 30 Grad fängt die Elektronik der Strickmaschinen oft an zu spinnen, die Maschinen fallen dann ganz aus oder produzieren zweite Wahl", sagt Betriebsinhaber Johannes Breitfeld. Wenn das passiert, seien die Mechaniker gefragt, die sich um die Reparatur kümmern.

Um Maschinen und Mitarbeiter zu schonen, hat der 64-Jährige bei besonders heißem Wetter auch schon das eine oder andere Mal den Großteil seiner Technik ausschalten lassen und die Fertigung reduziert. "Wir haben dann nur noch wenige Maschinen laufen lassen, um beispielsweise Strickwaren herzustellen, bei denen der Auslieferungstermin unbedingt eingehalten werden musste", sagt Johannes Breitfeld. Dadurch wäre erheblicher Lieferrückstand entstanden. Man könne durchaus von 2500 Strumpfhosen sprechen, die in dieser Zeit nicht hergestellt werden konnten und jetzt schnellstens nachproduziert werden müssten. "Einige Kunden drängeln, es gibt aber auch viel Verständnis", so der Betriebsinhaber. Bei dem sehr warmen Wetter hielte sich auch der Strumpfhosenkauf im Einzelhandel momentan in Grenzen. Würde es jetzt schlagartig richtig kalt, könnten gar nicht alle so viele Strumpfhosen wie benötigt nachproduziert werden.

Trotzdem und gerade weil es nach dem Brand im Vorjahr in seiner Firma zu erheblichen Lieferrückständen kam, macht sich Johannes Breitfeld Gedanken: "Die wirtschaftliche Auswirkungen der Hitze spüren wir erst später. Ob die Kunden im Herbst neu bestellen, kann ich jetzt noch nicht beantworten."

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