Bestatter richtet Abschiedsräume mit Rund-um-die-Uhr-Zugang ein

Der Zugang erfolgt per Chipkarte: Trauernde können in Olbernhau so viel Zeit beim Verstorbenen verbringen, wie sie für den Abschied benötigen.

Olbernhau.

Die Welt wird immer schnelllebiger, alles soll rund um die Uhr verfügbar sein: Längst ist diese Entwicklung auch bei den Bestattern angekommen. So hat nun Tobias Wenzel in seinem Olbernhauer Standort zwei Abschiedsräume eingerichtet, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche per Chipkarte zugänglich sind. Das Angebot sei im Erzgebirge einzigartig, sagt der Bestatter, der zugleich Vorsitzender der sächsischen Landesinnung ist. Deutschlandweit lassen sich solche Abschiedsräume im Zuge der sich ändernden Lebensgewohnheiten inzwischen häufiger antreffen, wie der Bundesverband Deutscher Bestatter mitteilte.

Tobias Wenzel ist bereits seit fast 30 Jahren als Bestatter tätig. In dieser Zeit habe sich bei der Bestattungskultur vieles geändert. "Wir müssen uns darauf einstellen", sagt er. Während einer umfangreichen Renovierung seines Olbernhauer Firmensitzes, die laut Tobias Wenzel eher einem Neubau glich, hat der Bestatter jetzt neben einem Raum für Trauerfeiern auch zwei Abschiedsräume geschaffen. Der Zugang erfolgt mit einer Chipkarte. So können sich die Angehörigen dann von dem Verstorbenen verabschieden, wann sie es möchten. Wobei die Gründe ganz unterschiedlich sein können: Arbeitet der eine in Schichten und hat tagsüber kaum Zeit, ist es dem anderen wichtig, immer dann zum Verstorbenen gehen zu können, wann er sich danach fühlt.


"Ich bin als ehrenamtlicher Auditor bundesweit unterwegs und zertifiziere andere Bestattungsunternehmen. Dabei tausche ich mich mit meinen Berufskollegen aus", erklärt Tobias Wenzel. So kam er auf die Idee, in der Region Abschiedsräume mit einem Rund-um-die-Uhr-Zugang einzurichten. "Der Tod eines nahen Angehörigen ist für Menschen eine Situation, die sie oftmals einen Gefühlssturm erleben lässt", erklärt Wenzel. Obwohl vieles zu tun sei, gelte es eines zu vermeiden: Hektik. Zeit für Abschied, Gefühle und Gebete sei für die Bewältigung der Trauerarbeit wichtig, betont der Bestatter: "Bisher wurde für die Abschiednahme mit den Angehörigen ein Termin vereinbart, an dem sie den in einem Raum auf dem Friedhof aufgebahrten Verstorbenen letztmalig sehen konnten." Das Problem: Oft sei die Zeit zu knapp.

Tobias Wenzel, der zudem Standorte in Marienberg, Pockau, Thum und Sayda hat, sagt über seine beiden neuen Abschiedsräume: "Wir geben den Trauernden hier die Zeit und die Ruhe, die sie brauchen. Der Verstorbene ist im offenen Sarg aufgebahrt. Beide Räume sind mit Kühlanlagen ausgerüstet, sodass der Verstorbene auch tagelang aufgebahrt bleiben kann."

Elke Herrnberger, Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, erklärt, dass sich deutschlandweit solche Angebote zunehmend antreffen lassen. Zahlen für Sachsen kann sie nicht nennen. Elke Herrnberger bestätigt: Der Bedarf sei vorhanden. Sie sieht den Grund in geänderten Lebensgewohnheiten. In Zeiten des Internets sei vieles stets verfügbar. Diese Entwicklung gehe an den Bestattern nicht vorbei. (mit geom)

Am kommenden Sonntag steht die umgestaltete Olbernhauer Niederlassung am Steinbruchweg 2 in der Zeit von 10 bis 15 Uhr für Interessierte offen. Ab 11 Uhr spielt das Musikkorps der Stadt Olbernhau auf. Aus Anlass seines 30-jährigen Betriebsbestehens im kommenden Jahr überreicht Tobias Wenzel dem Orchester eine Spende. Mit dieser wird Musikern die Teilnahme an der Steuben-Parade im Jahr 2021 in New York ermöglicht.

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