Besuch im vergessenen Dorf

Wegen Corona musste das 15. Heimattreffen in Böhmisch Reizenhain im Juni ausfallen. Doch nun wird es nachgeholt, zumal sich ein düsteres Kapitel jährt.

Reitzenhain.

Einstige Bewohner und ihre Nachkommen begeben sich am morgigen Sonntag wieder auf eine Reise in die Vergangenheit. Das 15. Heimattreffen in Böhmisch Reizenhain steht an - und damit ein Besuch in einem Dorf, das die meisten Menschen schon vergessen haben.

Günter Marx versucht, an Böhmisch Reizenhain zu erinnern. Gemeinsam mit Walter und Manfred Schmidt organisiert der Reitzenhainer seit 1992 im Zwei-Jahres-Rhythmus ein Heimattreffen. Jedermann sei eingeladen, an der Wanderung teilzunehmen, die 9 Uhr am ehemaligen Grenzübergang beginnt. Sie führt in den Ort, der von der Landkarte verschwunden ist. Einst lebten etwa 200 Einwohner in Böhmisch Reizenhain. Die Wanderung führt zum ehemaligen Malzhaus, weiter zur Schmiede und Schule bis zum wieder hergerichteten Kriegerdenkmal sowie zum Anton-Günther-Stein.

Ursprünglich sollte das diesjährige Treffen im Juni stattfinden, musste coronabedingt verschoben werden. Zudem jährt sich ein düsteres Kapitel: die Vertreibung der Deutschen aus Böhmisch Reizenhain nach Kriegsende vor 75 Jahren. "Dessen wollen wir gedenken", sagt Günter Marx. Mit der Befreiung von den Nationalsozialisten kam es in Tschechien zu schwersten Ausschreitungen gegen die deutsche Bevölkerung, sagt Marx, dessen Ehefrau Monika aus Böhmisch Reizenhain stammt. Es folgte die Vertreibung, dabei gab es Tote. Marx will seinen Beitrag dazu leisten, dass das dunkle Kapitel, aber auch das ehemalige Nachbardorf von Reitzenhain nicht in Vergessenheit geraten.

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