Birkhuhnschutz wirft Fragen bei Erzgebirgern auf

Um Balzplätze für die bedrohten Tiere zu schaffen, könnte Wald am Kamm abgeholzt werden, wird vermutet. Sachsens Umweltministerium äußert sich dazu vage.

Neuhausen/Dresden.

Lediglich 50 Birkhühner soll es im sächsischen Erzgebirge noch geben. Verloren gegangene Heidelandschaften und Freiflächen in Wäldern haben die Lebensräume der Raufußhühner immer weiter verdrängt. Das Birkhuhn ist vom Aussterben bedroht und in Deutschland streng geschützt. Auf Drängen von Umweltschutzvereinen wurde in Sachsen ein Artenschutzprogramm für die Tiere aufgelegt.

Es sieht vor, dass Brutplätze erhalten oder gestaltet werden müssen. Dafür seien kleine Lichtungen zu schaffen und zu erhalten. Zudem werde regelmäßig geprüft, ob durch Schneebruch oder Schädlingsbefall Freiflächen entstanden sind, die einen Lebensraum bieten könnten.

Solche Freiflächen sollen laut Neuhausens Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) offenbar am Klugehübel nun durch das Abholzen von Waldflächen geschaffen werden. Haustein, selbst Mitglied der regionalen Arbeitsgruppe für das Birkhuhnaufkommen, zeigt sich entsetzt und hat an Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) geschrieben.

Haustein habe als junger Mensch erleben müssen, so heißt es im Brief, wie der Erzgebirgswald durch schädliche Umwelteinflüsse aus Tschechien nahezu zerstört worden ist. Mit großen Anstrengungen habe es die Forstwirtschaft geschafft, den Kamm wieder aufzuforsten. Durch den aktuell angestrebten Waldumbau entstehe ein beständiger Mischwald. Zudem trage die aktuell prekäre Situation durch Borkenkäfer, Windbruch und Trockenheit dazu bei, dass der Wald gefährdet sei.

"Umso verwerflicher ist es, dass heute aus meiner Sicht aus reinem Lobbyismus ganze Waldgebiete abgeholzt werden sollen, um künstlich Birkhühner zu verwalten", schreibt der Bürgermeister. Der Forst habe bereits am Klugehübel nahe dem Göhrener Tor Blaufichten gefällt.

Haustein meint, es seien ausreichend Freiflächen und Ruhebereiche für das Birkwild vorhanden. "Seine Anzahl hat sich dennoch nicht erhöht", sagt er. Am 8. Mai hat es eine Zählung der Wildart gegeben. Daran waren Naturschützer und Ornithologen beteiligt. "Fünf Birkhühner wurden nachgewiesen", sagt Haustein.

Alarm schlagen angesichts der Kahlschlagpläne auch Neuhausens Touristiker. Sie haben sich an das Umweltzentrum Europe direct in Dresden gewandt. "Der Tourismus hat gerade bei uns am Erzgebirgskamm ohnehin schon mit vielen Problemen zu kämpfen. Unsere Infrastruktur ist dringend verbesserungswürdig. Die Eisenbahnlinie, wurde eingestellt, das Linienbusnetz ist erschreckend ausgedünnt. Unsere Brücken sind marode, das Straßennetz veraltet. Straßenbegleitende Radwege, die in anderen Regionen selbstverständlich sind, fehlen bei uns komplett", lautet es im Schreiben. All das erschwere es, die Schwartenberggemeinde als Urlaubsort zu etablieren. "Gerade deshalb legen wir so großen Wert auf unseren Wald, unsere Landschaft, die der Ruhe und Entschleunigung dient", schreibt der Vorstand des Tourismusvereins.

Ein Sprecher des sächsischen Umweltministeriums erklärt auf Nachfrage, dass die konkreten Maßnahmen in den Waldflächen derzeit durch die örtliche Arbeitsgruppe geplant werden. "Sie sollen im vierten Quartal umgesetzt werden", so der Sprecher. Die betroffene Fläche nennt er jedoch nicht. Laut Ministerium sind die von Birkhühnern benötigten Balzplätze vorhanden und könnten bei Bedarf abgerundet werden. Bei allen anderen Maßnahmen handele es sich um Pflegeeingriffe in die Waldbestände, "die die Waldeigenschaft nicht in Frage stellen". Ziel seien effektive und effiziente Maßnahmen auf möglichst begrenzter Fläche unter Wahrung der Waldeigenschaft, heißt es.

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