Blutmond zeigt sich an der Sternwarte Drebach nur zögerlich

Ein Wolkenband machte den Himmelsguckern einen Strich durch die Rechnung. Die Enttäuschung hielt sich jedoch in Grenzen.

Drebach.

Erwartungsvolle Stimmung hat am Freitagabend in Drebach geherrscht. Bereits gegen 20 Uhr fanden sich erste Himmelsgucker an der Volkssternwarte ein. "Es ist noch ausreichend Zeit, erst nach 21 Uhr ist mit dem Erscheinen des Mondes zu rechnen", sagte Jens Kandler zu seinen Gästen.

Der Leiter der Sternwarte konnte die Ungeduld gut verstehen: "Eine totale Mondfinsternis über eine Dauer von mehr als hundert Minuten ist schlichtweg das astronomische Ereignis in unserem Jahrhundert." Die Bedenken wegen des bedeckten Himmels über dem Gelände der Sternwarte wehrte er ab und lud seine Gäste zu einem Rundgang durch die Einrichtung ein.

Vor der vier Meter großen Kuppel mit dem 50-Zentimeter-Cassegrain-Spiegelteleskop standen für die genaue Beobachtung des Ereignisses die drei festinstallierten Linsen- und Spiegelteleskope sowie mobile Fernrohre bereit. Im Zeiss-Planetarium erklärte per Video-Übertragung der Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch die totale Mondfinsternis, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Ebenfalls interessant: Die seltene Konstellation mit dem Mars.

Beeindruckt ließ sich die neunjährige Stella von Fördervereinsmitglied Thomas Hunger die Beobachtungstechnik erklären. Mit ihren Eltern machte sie zwei Wochen Urlaub im Erzgebirge. "Wir waren letzte Woche schon hier und haben uns natürlich den Abend vorgemerkt", erklärte das Mädchen aus Dresden und hoffte, die Mondscheibe kupferrot leuchtend zu sehen.

Auf der ansteigenden Wiese zwischen den beiden Beobachtungsstationen packten erste Fotografen ihre Stative aus. Doch ihr Blick zum Horizont ließ keine Freude aufkommen. Ein Wolkenband, das sich von Süden nach Norden erstreckte, bedeckte hartnäckig genau den Himmelsabschnitt, wo der Mond für das Jahrhundertereignis sorgen sollte. Auf fast 200 Neugierige war der Besucherstrom gegen 21.30 Uhr angewachsen. Zu diesem Zeitpunkt hätte auch in der Krokusgemeinde der verfinsterte Himmelskörper hinter dem bergigen Horizont erscheinen müssen. Doch Fehlanzeige. Erst 30 Minuten später zeigte sich der Mond in Abständen für wenige Minuten hinter einer schwächer werdenden Wolkendecke - jedoch nicht orangerot, sondern nur mit schwach verdunkelter Oberfläche. "Vielleicht klappt's beim nächsten Mal in 105 Jahren", scherzte einer der Hobbyfotografen.

Auch der Besucherstrom löste sich gegen 23 Uhr langsam auf. Die Enttäuschung der Himmelsbeobachter hielt sich in Grenzen. Ein Blick auf das Smartphone entschädigte mit Aufnahmen aus Italien, Namibia oder Tel Aviv. Auch in ihrer Heimatstadt Dresden hätte Stella mehr Erfolg gehabt.

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