Bücher im Herbst: Freiheit, Holz und eine Zauberfeder

Ferienzeit ist Lesezeit. "Freie Presse" hat in Bibliotheken und einem Buchladen nachgefragt: Zu welcher Lektüre raten die Experten? Sie stellen je ein Buch für Junge und eines für Erwachsene vor.

Zschopau/Marienberg/Wolkenstein.

Das Leben scheint perfekt. Weder Kriminalität noch Geldsorgen belasten Deutschlands Bürger. So zeichnet zumindest Bijan Moini in seinem Roman "Der Würfel" die nahe Zukunft der Republik. Das scheinbar gute Dasein hat seinen Preis: absolute Transparenz vor einer Künstlichen Intelligenz.

Silke Dost, Leiterin der Stadtbibliothek Zschopau, findet: "Wir sind dem Thema sehr nahe." Daher empfiehlt sie, den 28-jährigen Taso, Protagonist der Geschichte, zu begleiten. Er lehnt die kontrollierte Welt ab, rebelliert. Doch dann trifft er Dalia und verliebt sich in die junge Frau. Sie ist aus einer rückständigen Sekte geflohen, sehnt sich nach dem Leben in einer sicheren, gesteuerten Welt. Wo verläuft also die Grenze zwischen Freiheit und Kontrolle?

Silke Dosts Kollegin Elke Böhm rät jüngeren Lesern zum Buch "Wortwächter" von Akram El-Bahay. Darin entdeckt Tom im Keller seines Onkels eine Buchseite, auf der Worte wie aus dem Nichts erscheinen. Sie berichten, was Tom gerade sieht, denkt oder tut -und sie warnen ihn. Im selben Moment tauchen Fremde auf und entführen Toms Onkel. Der Junge gerät in ein Abenteuer, das er mit der lesehungrigen Joséphine bestreitet. Sie jagen nach vier Teilen einer mächtigen Zauberfeder, um damit böse Mächte zu stoppen und natürlich Toms Onkel zu retten. Elke Böhm: "Besonders am Buch ist, dass nebenbei Klassiker der Literatur auftauchen - und der Schreibstil ist mitreißend."

Manuela Neubert von My Bookstore in Marienberg schlägt das neue Werk von Autor und Schauspieler Christian Berkel vor. Im Nachkriegsdeutschland kehrt die junge Ada mit ihrer Mutter aus Argentinien nach Berlin zurück. Dort trifft sie ihren lange ersehnten Vater Otto. Doch von Familienglück kann keine Rede sein. In der noch immer konservativen und autoritären Welt wächst Adas Wunsch nach Freiheit. Sie sucht danach zwischen Wirtschaftswunder, Mauerbau und 68er-Bewegung - und prallt immer wieder gegen das laute Schweigen der Elterngeneration. "Eine großartige Lesegeschichte", findet Manuela Neubert.

Auch für die ganz jungen Leser hat Neubert einen Tipp: "Wim Wiesel und der große Sturm". Darin baut sich Wim während eines heftigen Unwetters ein Haus, denn er fürchtet sich davor. Lange harrt Wim aus, bis er einen Maulwurf kennenlernt. Der hingegen liebt Unwetter. "Zwei Figuren mit unterschiedlichen Sichtweisen treffen sich, tauschen sich aus und werden Freunde", so Manuela Neubert. Das sei das Schöne am Werk von Ciara Gavin und Tim Warnes. Neubert weiter: "Zur Lektüre passt natürlich das herbstliche Wetter."

Die Geschichte, die Uta Liebing von der Wolkensteiner Bibliothek empfiehlt, spielt sich auf zwei Ebenen ab. In "Die Fremde" rekonstruiert der belgische Autor Stefan Hertmans das Schicksal einer Frau, auf die er im Provence-Dorf Monieux gestoßen ist. Er besitzt dort ein Ferienhaus. Vor über 1000 Jahren töteten Kreuzritter weite Teile der jüdischen Gemeinde Monieuxs. Hertmans zeichnet die Spuren der jüdischen Konvertitin nach, die auf der Suche nach ihren verschleppten Kindern nach Jerusalem aufbricht. Zudem skizziert der Autor seine eigene Reise in die Vergangenheit. Nicht nur der authentische Kern des Buches reizt Uta Liebing. "Es gibt auch Parallelen zur heutigen Zeit."

Zu guter Letzt hat Liebing noch einen Geheimtipp: die Geschichte von "Jakobus Nimmersatt". Im kleinen Dorf Poggenbüttel wollen die Bauern reich werden und beschließen, dafür ihren Wald abzuholzen. Der Rabe Nimmersatt versteht die Menschensprache und ist vom Plan schockiert. Gemeinsam mit anderen Tieren bläst er zur Gegenwehr. "Es geht in der Geschichte darum, dass Geld allein nicht glücklich macht", so Liebing. "Und darum, für seine Ideale zu kämpfen." Neu ist das Buch nicht mehr zu bekommen, aber gebraucht ist es noch leicht zu finden. Etwa in der Bibliothek.

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