Bürgermeister sorgt sich um Stadtmauer

Wolfram Liebing will hunderte Meter Baugeschichte in Wolkenstein retten -und hat zeitgleich große Pläne.

Wolkenstein.

Wenn Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) vom Schloss Wolkenstein hinab die Zschopau, den Bahnhof und das Umland blickt, ist ihm der Stolz anzusehen. "Hier kann die Erzgebirgsbahn halten und den Gästen richtigen Erholungswert bieten", ist er überzeugt. Der Tourismus, so Liebing, sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das gesamte Erzgebirge. "Ich sehe es als Gemeinschaftsaufgabe aller Orte hier, attraktiver und schöner zu werden." So erhöhe sich die Verweildauer von Gästen.

Noch läuft die Renovierung des Schlosses Wolkenstein, die Sanierung des Kurboulevards in Warmbad soll noch diesen Herbst beginnen. Doch Liebing und sein Bauamtsleiter Jens Voigt haben schon Pläne, was als nächstes in Angriff genommen werden soll: die Stadtmauer um Wolkenstein.

Gemeinsam kämpfen sich Liebing und Voigt, der mit kurzem Haar und akkurat rasierten Bartkanten wie das Gegenteil seines langhaarigen Chefs aussieht, durch Gestrüpp zum südlichen Teil von Wolkensteins Stadtmauer. Voigt zeigt auf das alte Bauwerk. "Sehen sie, wie bauchig die Wand hier schon geworden ist?" Tatsächlich ist sie an dieser Stelle in schlechtem Zustand. Steine fallen heraus, Bäumchen, Moos und Erde haben sich in den Lücken des Verteidigungswalls festgesetzt. Der Bürgermeister warnt, dass die Sanierung bald angegangen werden müsse, sonst fielen weitere Teile heraus: "Wir wollen keine Mauer errichten, wir wollen eine Mauer erhalten."

Ein konkreter Plan steht bereits. Von den einst 900 Metern Mauer, die Wolkenstein vermutlich seit dem 14. Jahrhundert umgeben, sind nach Liebings Schätzung noch etwa 60 Prozent erhalten. Wo sie noch steht, soll sie von der Firma, die bereits am Schloss Renovierungsarbeiten geleistet hat, mit einem Spezialverfahren saniert werden. Dabei wird Beton hinter die historische Struktur gespritzt und hält die Wand. Die alte Bausubstanz dient dann noch als eine Art Fassade und ist weniger Belastungen ausgesetzt. Doch die Pläne gehen weiter. Liebing und Voigt schwebt ein Rundweg um die Mauer vor. Besucher in Wolkenstein könnten ihn entlangspazieren, Blick aufs Tal inklusive. Geschätzter Kostenpunkt für das gesamte Projekt: vier Millionen Euro.

Sorge, dass es Widerstand in der Bevölkerung gegen das Vorhaben geben könnte, haben die Verantwortlichen nicht. Als in Marienberg vor einigen Jahren die Stadtmauer renoviert wurde, kam es zu Unmut bei Anwohnern. Diese mussten Gärten aufgeben, Garagen wurden abgerissen. Liebing verspricht hingegen: "Wir wollen nur die Mauer wieder herrichten, nicht mehr und nicht weniger."

Und wann soll das Projekt in Angriff genommen werden? Der Plan zur Renovierung wurde bereits vor Jahren über das Programm für Städtebaulichen Denkmalschutz eingereicht. Da dem Bürgermeister der Zustand der Mauer zunehmend Sorge bereitet, will er nun nachfassen und ist guter Dinge. "Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir Fördergelder gut einsetzen, siehe unser Schloss", so Liebing. Auf Fördergelder wäre die Stadt auch angewiesen. Aus eigener Tasche kann sie die anfallenden Kosten nämlich nicht stemmen.

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