Corona-Virus: Öffentliches Leben im Erzgebirge kommt am Montag weiter zum Erliegen

Eine Region fährt runter: Immer mehr Kommunen im Erzgebirge schließen ihre Kultur- und Sportstätten. Der Schülerverkehr im Erzgebirgskreis rollt trotz unterrichtsfreier Zeit aber vorerst weiter.

Zschopau/Marienberg.

Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Corona-Virus wird das öffentliche Leben im Kreis zunehmend auf Sparflamme gefahren. Ein CDU-Politiker sagt alle Vereins- und Firmenbesuche ab, Museen schließen. Und währenddessen steigt die Anzahl der bestätigten Infektionen - ein Überblick.

Hier geht's zum Beitrag: Die Lage im Erzgebirge am Dienstag

Im Erzgebirgskreis ist am Samstag ein zweiter Corona-Fall offiziell bestätigt worden. Es handelt sich um eine Frau aus Annaberg-Buchholz, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Sie hatte laut Landratsamt Kontakt zu einer anderen infizierten Person außerhalb des Kreises und befand sich schon vor dem Testergebnis in häuslicher Isolation. Dennoch sucht das Gesundheitsamt nach weiteren Kontaktpersonen, die ebenfalls vorsorglich zu Hause isoliert werden. Am Freitag hatte es den ersten bestätigten Fall im Kreis gegeben. Ein Mann aus der Gemeinde Raschau-Markersbach war positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Er war am vergangenen Wochenende aus dem Skiurlaub aus Österreich zurückgekehrt. Drei weitere Personen im Erzgebirgskreis sind am Sonntag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte das Landratsamt am Sonntagabend mit. Dabei handelt es sich um eine Frau aus der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema sowie um zwei Männer, von denen einer aus der Stadt Lugau und einer aus der Großen Kreisstadt Schwarzenberg stammt. Das Gesundheitsamt des Erzgebirgskreises ermittelt derzeit mögliche Kontaktpersonen zu diesen Personen. Diese werden ebenfalls vorsorglich in häusliche Isolation versetzt.

Update Sonntag, 22.29 Uhr: Die Stadt Aue-Bad Schlema informierte am Abend bezüglich der Kita Kinderland in der Kreisstadt:

 

 

Beim Schülerverkehr am Montag gibt es keine Abstriche. Das bestätigte RVE-Geschäftsführer Roland Richter. Zwar gebe es mit Wochenbeginn in Sachsen keine Schulpflicht mehr, doch rechnet Richter damit, dass noch viele Schüler in die Schuleinrichtungen fahren werden. Aktuell sei beim Fahrpersonal kein erhöhter Krankenstand zu verzeichnen. Um die RVE-Mitarbeiter zu schützen, werden die Fahrzeuge in erhöhter Frequenz intensiv gereinigt. Auch werde überall Wasser und Seife sowie Desinfektionsmittel vorgehalten. Roland Richter appelliert zugleich an die Fahrgäste, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Für den Fall, dass der Corona-Virus beim Personal Lücken reißen sollte, sei ein Notfallplan erarbeitet worden. "Wir bewerten die Lage täglich neu", so Richter. Das landkreiseigene Unternehmen bedient mit 640 Mitarbeitern und gut 250 Bussen auf einem Streckennetz von 2900 Kilometern 139 Linien.

Nach einer Krisensitzung haben die Diakonischen Werke Annaberg-Stollberg und Aue-Schwarzenberg am späten Freitagabend entschieden, den Besuchsverkehr in allen stationären Einrichtungen stark zu beschränken. Ab sofort sei ein Besuch in den Häusern der Diakonie nur im Ausnahmefall und nach vorheriger Absprache mit den Einrichtungsleitern möglich, erklärt Sprecher Silvio Namsler. "Auch wenn wir wissen, dass soziale Kontakte für unsere Bewohner sehr wichtig sind, ist dieser Schritt notwendig. Gerade ältere Menschen können bei Ansteckung in Lebensgefahr geraten."

Die Sitzungen von Kreistag und Stadträten in der Region könnten wegen der Ausbreitung des Erregers in den kommenden Tagen vorsorglich ausfallen. Die Stadt Chemnitz entschied sich schon dafür, die nächste Stadtratssitzung abzusetzen. Wegen der "beispiellosen Situation" empfiehlt das nun auch die AfD im Erzgebirge für die Kreistagssitzung am 25. März. Es sei nicht sinnvoll, sagte Fraktionschef Thomas Dietz am Sonntag, gut 100 Personen zusammenkommen zu lassen. "Aufgrund der langen Inkubationszeit könnten längst Infizierte unter uns sein." Stattdessen schlägt er eine "Strategieberatung" nur mit den Fraktionschefs, der Spitze der Kreisverwaltung und Vertretern des Gesundheitsamtes vor.

Landrat Frank Vogel (CDU) hatte die Fraktionen laut Dietz angeschrieben und gebeten, die Lage einzuschätzen. Darin heißt es, dass die Sitzung nicht zwingend notwendig sei. Aber Vogel erklärt auch: "Andererseits bin ich persönlich der Auffassung, wir sollten, auch in der gegenwärtig recht schwierigen Situation, so gut es geht ein Stück ,Normalität' walten lassen."

Der Reiseveranstalter Lang in Schwarzenberg hat am Wochenende alle Reisen bis einschließlich Ostern abgesagt. Reisen nach Italien sind bis Abreisedatum 18. April betroffen. Der Schritt sei in der 30-jährigen Unternehmensgeschichte einmalig, sagt Geschäftsführer René Lang. "Wir kommen damit unserer gesellschaftlichen Verantwortung nach, die Verbreitung des Corona-Virus nicht aktiv durch unsere eigentlich normale Geschäftstätigkeit des Reisens zu verstärken." Die gut 1400 betroffenen Kunden würden nun informiert, was allerdings einige Zeit dauern könnte. Von Nachfragen bittet der Veranstalter derzeit abzusehen, um ein geordnetes Arbeiten zu ermöglichen. Ziel sei es, erklärt René Lang, die Reisen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Das öffentliche Leben kommt ab Montag weiter zum Erliegen. Die Stadt Olbernhau hat am Wochenende mitgeteilt, die städtischen Museen und Freizeiteinrichtungen vorerst bis 14. April zu schließen, darunter auch die Touristinfo. Die Mitarbeiter seien aber telefonisch erreichbar, heißt es. Alle Veranstaltungen in den Einrichtungen sind zudem bis Mitte April abgesagt. Auch Seiffen schließt ab sofort alle Museen für Besucher; das Bergwerk in Deutschneudorf hat geöffnet. Weitere Schritte ergreift auch die Stadt Annaberg-Buchholz. Ab Montag bleiben die städtischen Museen, die Stadtbibliothek und die Tourist-Info geschlossen. Freizeitangebote und Veranstaltungen, die in Regie der Stadt laufen, werden abgesagt. Im Kulturzentrum Erzhammer werden laut Stadtverwaltung nur Veranstaltungen Dritter realisiert, soweit diese die notwendigen Kriterien erfüllen. Marco Wanderwitz, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Chemnitzer Umland/Erzgebirgskreis II und Ost-Beauftragter, hat vorsorglich alle Firmen- und Vereinsbesuche sowie Sprechstunden abgesagt. Außerdem schickt er seine Mitarbeiter in Berlin und im Wahlkreis ins Homeoffice. Wanderwitz dazu: "Jeder Sozialkontakt, der unterbunden werden kann, ist gut für die gesamte Bevölkerung." (alu/juef)


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