Den Akku im Grünen aufladen

Aus einer Fabrikruine in Herold ist ein Ort der Erholung geworden. Und der wartet mit einigen Besonderheiten auf.

Herold.

Streng geografisch genommen verbietet es sich, das, was da in Herold entstanden ist, als neue Ortsmitte zu bezeichnen. Doch im übertragenen Sinn hat der kleine Park am Ende der Dorfstraße durchaus das Zeug dazu, zu einem dörflichen Zentrum zu werden. Pavillon mit Tisch, Sitzgelegenheiten, Grillplatz, Ladesäule, Klettergerät, Beleuchtung, Mini-Fußballtore, ein Übergang zur Straße "Am Graben" und viel Grün: Aus einer Industriebrache ist ein Platz zum Verweilen und Erholen entstanden, der nun für alle nutzbar ist. "Wir haben dabei auch Anregungen aus der Bevölkerung mit eingearbeitet", sagt Thums Bauamtsleiter Carsten Schubert, der als Beispiel zusätzliche Straßenlaternen nennt. Und obwohl mehr realisiert wurde, als die ursprünglichen Planungen vorsahen, ist das Projekt am Ende sogar um 50.000 Euro billiger geworden, an Eigenmitteln spart Thum 10.000 Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 560.000 Euro, 80 Prozent stammen aus Fördermitteln der EU. Die Ersparnis ist auf günstige Ausschreibungsergebnisse bei der Entsorgung zurückzuführen. Das betraf in erster Linie Überbleibsel des Ensembles der einstigen Strumpffabrik "August Harzer & Söhne".

Die Geschichte der Bebauung, die auch auf einer Informationstafel vor Ort nachlesbar ist, reicht bis ins Jahr 1817 zurück, als dort ein Eisenhammerwerk entstand. Später diente das Areal als Baumwollspinnerei, Strumpffabrik, Feinzwirnerei und Feinspinnerei, und schließlich wurde es von der Firma Hit Energietechnik genutzt. Ein Mühlstein, der von der Industriegeschichte kündet, wurde in den Park integriert.

Auffallend viele Bäume hat man gepflanzt, laut Schubert mehr als 30, sowie viele Sträucher. Das habe mit dem Förderprogramm zu tun, das bei der Brachflächenentwicklung auf eine positive CO-Bilanz abzielt. So stehen am Bachufer Weiden, die als sogenannte Kopfweiden geschnitten werden und ein stimmungsvolles Bild abgeben sollen. "Das hat man früher in den Kulturlandschaften häufiger gesehen, was aber stark zurückgegangen ist", bedauert Schubert.

Die Parkeinweihung soll im kommenden Jahr nachgeholt werden. Unterdessen kann man dort kostenlos den Akku seines E-Bikes oder Smartphones an den Steckdosen der Ladesäule auffüllen, wenn man ein Kabel dabei hat. Die Stromkosten trägt die Stadt - denn das Anschaffen eines Bezahlsystems wäre wohl teurer gekommen.

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