Diakonien rücken zusammen

Nachdem schon Annaberg und Stollberg gemeinsame Wege gehen, wird die Verschmelzung mit Aue-Schwarzenberg ins Auge gefasst. Mit Marienberg gibt es dagegen keine Gespräche. Und das hat einen Grund.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Nachdem aus den Diakonischen Werken Annaberg und Stollberg eines geworden ist, schauen die Verantwortlichen in Richtung Westen. Mit Ruben Meyer ist ein Mann in die Doppelspitze des hauptamtlichen Vorstands gerückt, der gleichzeitig im Vorstand des Diakonischen Werks Aue-Schwarzenberg sitzt. Das ist kein Zufall, denn langfristiges Ziel sei ein Diakonisches Werk Erzgebirge.

Wann es dazu kommt, ist offen. "Es gibt noch keinen Fahrplan", sagt Ruben Meyer. Zwar haben bereits die Aufsichtsgremien von Annaberg-Stollberg und Aue-Schwarzenberg einen Grundsatzbeschluss gefasst, am Ende entscheiden aber die Vereinsmitglieder. Mit der Diakonie in Marienberg gebe es noch keine Gespräche, da diese gemäß des Kirchenbezirks auch in der Region Flöha tätig ist. Ruben Meyer betont aber, dass alle Diakonischen Werke im Erzgebirge bereits eng zusammenarbeiten. "Wir treffen uns monatlich."

Der 44-Jährige Jurist sitzt seit 2008 im Vorstand der Diakonie in Aue-Schwarzenberg. Im Werk Annaberg-Stollberg rückt Ruben Meyer für Marc Schwan nach. Den anderen Vorstandsposten hat Danilo Panian inne, der seit fünf Jahren die Stollberger Diakonie leitet.

Die Diakonischen Werke wollen mit der Verschmelzung ihr Angebot erweitern. "Ziel ist es, dass wir Menschen jeden Alters in allen Lebenslagen helfen können." Damit soll vermieden werden, sie zu einem anderen Träger schicken zu müssen. "So ist Aue-Schwarzenberg in der stationären Behindertenhilfe stark, Annaberg-Stollberg eher in der ambulanten", sagt Meyer.

Ergänzung lautet auch das Motto in der Verwaltung. "Wir wollen in einigen Bereichen professioneller arbeiten, etwa bei der Öffentlichkeitsarbeit und vor allem bei der Personalentwicklung." Stellenabbau sei nicht zu befürchten, so Meyer. "Wir brauchen unsere Mitarbeiter in der Verwaltung." Vor allem aber Pflegekräfte zu finden, bezeichnet er als "die größte Herausforderung". So zahlt die Diakonie für das Heim in Sehmatal bereits eine Einstiegsprämie von 2000 Euro brutto.

Auch am Lohnverhältnis der Mitarbeiter werde sich nichts ändern, da alle unter den Bedingungen der Diakonie Sachsen arbeiten. In den Geschäftsstellen in Annaberg und Stollberg arbeiten derzeit 18 Menschen. Insgesamt hat diese Diakonie 500 Mitarbeiter, das Werk Aue-Schwarzenberg gar 850. Damit sind die Werke ein Schwergewicht in der Region. Allein die Diakonie Annaberg-Stollberg betreut in Seniorenheimen, Tagespflegen, Sozialstationen, Kitas, Tagesgruppen, Kinder- und Jugendheimen, ambulant betreutem Wohnen und Wohnstätten 1150 Menschen. Dazu kommen zum Beispiel jährlich 1000 Fälle in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung sowie der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. In der Schuldner- und Insolvenz- beratung sind es im Schnitt 650 Fälle.

Und wie beurteilt die Gewerkschaft das? Aufgrund der geringen Mitgliederquote bleibt Verdi zwar nur die Zuschauerrolle. Dennoch sagt Gewerkschaftssekretär André Urmann: "Die Arbeitsbedingungen bei der Diakonie können sich im Vergleich zu echten Tarifverträgen sehen lassen. So lange das so bleibt, haben wir keine Bedenken."


Kommentar: Rennen um die guten Leute

Zehn Jahre nach Entstehung des Erzgebirgskreises ist es keine große Überraschung, dass die Diakonischen Werke sich vereinen wollen. Schließlich hat zum Beispiel der Mitarbeiter in Bad Schlema, der schwer erziehbare Jugendliche betreut, unter Umständen den gleichen Ansprechpartner im Landratsamt wie jener in Stollberg. Doch dieser Schritt zeigt noch etwas: Der Kampf um Fachkräfte ist in vollem Gange. Wer gute Leute haben will, setzt sich mit höheren Löhnen vielleicht ein Stück weit ab. Ein Arbeitgeber zu sein, der Karrieremöglichkeiten bietet, könnte am Ende aber entscheidend sein.

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