Die Bilanz eines "grausamen Sommers"

Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters hat bei drei Viertel aller Vorstellungen an den Greifensteinen mit dem Wetter zu kämpfen

Der Regen war bei den Festspielen auf der Freilichtbühne regelmäßiger Begleiter in diesem Jahr. Neun Vorstellungen konnten ebenso wie zwei Konzerte gar nicht stattfinden, zwei Aufführungen mussten abgebrochen werden. Intendant Ingolf Huhn konnte im Gespräch mit Antje Flath dennoch einen Besucherrekord vermelden.

"Freie Presse": Der Sommer hat in diesem Jahr seinem Namen kaum zur Ehre gereicht. Wie fällt die Bilanz für die Greifenstein-Festspiele aus?

Ingolf Huhn: Der Sommer war grausam, so muss man es leider sagen. Wir haben bei drei Viertel aller Vorstellungen mit dem Wetter gekämpft. Vor allem dann, wenn wir zwar gespielt haben, es aber vorher die ganze Zeit geregnet hat oder wenn Regen zu erwarten war. Dann wird ja kaum jemand ermutigt, auf die Freilichtbühne zu gehen. Dass es dann doch so viele waren und wir immer wieder Publikum hatten, das selbst bei Regen gekommen ist, sich im Regen hingesetzt hat und bereit war, die Vorstellung unter Regen anzusehen, war toll. Neun Vorstellungen und zwei Konzerte mussten ausfallen, zwei Vorstellungen sind abgebrochen worden, und bei einer Reihe von Vorstellungen haben wir - kürzer oder länger - unter Regen gespielt. Auch die Generalprobe der Operette "Sissy" musste komplett im Regen stattfinden.

Wie fällt die Besucherzahl aus?

Wir haben auf den Greifensteinen dennoch wieder rund 32.000 Zuschauer gehabt - fast so viele wie im vorigen Jahr. Dazu kommen noch Konzertgäste und 1150 Besucher bei den "Jedermann"-Vorstellungen. Zu unserer großen Freude haben wir am 1. September an der Annenkirche einen Besucherrekord registriert mit 420 Zuschauern.

Wie sieht die Gesamtbilanz für die 123. Spielzeit aus?

Die fällt insgesamt gut aus. Es gibt Inszenierungen, an denen wir viel Freude hatten, aber auch ein oder zwei, die nicht so geworden sind, wie wir es uns erhofft hatten. Insgesamt aber überwiegt die Freude.

Kommt bei derart unberechenbarem Wetter und angesichts der ohnehin stets angespannten finanziellen Situation des Theaters der Gedanke auf, die Sommerspielzeit auf den Greifensteinen aus dem Spielplan zu streichen?

Auf keinen Fall. Die Greifensteine gehören zum Erzgebirge, und sie gehören zu unserem Theater.

Der Spielplan für die nächste Saison wurde durch den Entzug der Aufführungsrechte für "Mein Freund Wickie" noch einmal durcheinander gewirbelt. Steht mittlerweile fest, was es 2017 auf der "schönsten Felsenbühne Europas" zu sehen geben wird?

Wir haben durch das "Wickie"-Ende die Planungen noch einmal umbauen müssen: Neu produzieren wir als Kinderstück "Ronja Räubertochter" und in der Reihe "Oper unter Sternen" Georges Bizets "Carmen". Als Wiederaufnahmen gibt es "Sommer-Traum-Nacht", "Elfenfeuer", "Winnetou", "Sissy", den "Klei- nen Muck" und "Räuber Hotzenplotz".

Die Philharmoniker sind seit Jahren bereits im Sommer regelmäßig im Erzgebirge unterwegs, nun zunehmend auch das Ensemble des Hauses. Unter anderem ist der "Jedermann" in Wolkenstein und Zschopau zu sehen gewesen. Wie war die Resonanz? Sollen diese Gastspiele weiter ausgebaut werden?

Wir gastieren seit vielen Jahren regelmäßig in Schwarzenberg auf der Waldbühne und nächstes Jahr zum dritten Mal auf der Seebühne Kriebstein, dann mit dem "Kleinen Muck". Unsere "Jedermann"-Gastspiele in Wolkenstein und Zschopau waren sehr erfolgreich und haben uns viel Freude gemacht. Wir werden das ausbauen, wenn wir die geeigneten Inszenierungen dafür haben. Es gibt auch schon neue Anfragen für den "Jedermann". Aber vielleicht ist auch unser neues "Luther"-Stück gastierfähig, das wir im nächsten Sommer an der Sankt Annenkirche herausbringen werden.


Personalien

Stefanie Braune und Benjamin Muth haben nach zwei Jahren im Schauspielensemble das Theater wieder verlassen. Beide gehen an die Landesbühne Niedersachsen in Wilhemshaven - Stefanie Braune für die gesamte, Benjamin Muth für einen Teil der Spielzeit. Er wird so als Gast auch weiterhin auf der Annaberger Theaterbühne zu erleben sein.

Asia Schreiter wechselt als Theaterwissenschaftlerin auf eigenen Wunsch vom Regie- ins Dramaturgiefach. Aber auch in ihrem angestammten Metier bleibt sie als Theaterpädagogin aktiv.

Mark Schönwasser-Görke hat in seiner Zeit am Theater viele Funktionen übernommen. Unter anderem war er Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros und hat Orchestermanager Michael Eccarius vertreten. Als Orchestermanager geht er nun nach Görlitz.

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