Dresdnerin schafft mit Schere und Papier facettenreiche Werke

Anni Rändler stellt derzeit in Wolkenstein ihre Bilder aus. Die bezeichnet die 89-Jährige schon mal als "Schnippelei".

Wolkenstein.

Eigentlich braucht es nicht viel, um die Arbeiten zu erstellen, die in der neuen Ausstellung im Schloss Wolkenstein zu sehen sind. In einer Vitrine werden die Arbeitsmittel dafür gezeigt: Scheren und Bleistift, Radiergummi und Zirkel und ein Lineal - mehr benötigt Anni Rändler nicht. Damit ist es aber nicht getan. Hinzu kommen noch Talent und Geschick, der Blick für das Kleine im großen Ganzen, eine unendliche Geduld, dazu genügend Fantasie, sich auch das Große im Kleinen vorstellen zu können. Nicht zu vergessen das Vermögen, abstrakt das wieder zugeben, was in Wahrheit facettenreich ist.

In Schloss Wolkenstein ist eine Ausstellung zu sehen, die all diese Facetten umfasst. "Impressionen in Papier geschnitten" heißt die Schau, die eine Vorgeschichte hat. Anni Rändler hatte die Ausstellung "Für Gott, Kaiser und Vaterland. Aus dem Nachlass eines Gefallenen" im vergangenen Jahr im Schloss Wolkenstein besucht, die sich mit der Geschichte Fritz Goldmanns beschäftigte. Fritz Goldmann war der Onkel Anni Rändlers, und sie äußerte zur Ausstellungseröffnung den Wunsch, auch ihre Arbeiten präsentieren zu dürfen. Uta Liebing, Leiterin des Museums im Schloss, ließ sich diese Chance nicht entgehen, und die Scherenschnitte der Dresdnerin Anni Rändler können jetzt bestaunt werden.

Anni Rändler ist Geburtsjahr 1930, sie bezeichnet ihre Arbeiten als "Schnippelei", und sie kokettiert etwas mit ihrem Alter. "Die Augen machen nicht mehr so mit wie noch vor Jahren, und die Arbeit geht nicht mehr so schnell von der Hand", sagt die 89-Jährige. Aber natürlich fertige sie immer noch Scherenschnitte an. Anni Rändler wurde in Rabenstein bei Chemnitz geboren, ihre Eltern stammen aber aus Großrückerswalde. Die Verbindung ins Erzgebirge war und ist eng, vor 1945 durch Ferienaufenthalte, danach durch viele Besuche. 1944 kam sie mit Scherenschnitten in Berührung, ihre ersten Arbeiten stammen aus dem Jahr 1945. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, und bei dieser Tätigkeit kamen ihr die Fähigkeiten zum Scherenschnitt zugute.

Der Scherenschnittzirkel von Johanne Müller und Christa Bachmann, dessen Mitglied sie wurde, bot ihr viele Anregungen und führte zu einer intensiven Schaffensperiode, die bis heute anhält. Sie stellte ihre Arbeiten aus, erst in Gemeinschaft, dann einzeln. Die Orte waren unter anderem Hohenstein-Ernstthal, Stollberg und Marienberg. An den Scherenschnitten Anni Ränd-lers begeistern Schlichtheit auf der einen Seite und überbordender Detailreichtum auf der anderen Seite. Beispiele dafür sind die Arbeiten "Das Lindenhäusel in Marienberg" und "Barockschrank". Lea Goldmann, die Nichte Anni Rändlers, hatte maßgeblichen Anteil an der Erstellung dieser facettenreichen Ausstellung.

Der erste Teil der Ausstellung "Impressionen in Papier geschnitten" mit Arbeiten von Anni Rändler ist bis 24. November im Schloss Wolkenstein zu sehen, der zweite Teil bis zum 2. Februar 2020. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.

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