Drogendealer packt aus - und belastet eigenen Cousin

Ein Annaberger soll mit mehreren Kilo Marihuana gehandelt haben. Auch zur zweiten Verhandlung am Amtsgericht fiel kein Urteil. Das lag diesmal aber nicht an der Technik.

Marienberg.

Gefährliche Körperverletzung, Betrug, Diebstahl, unerlaubter Handel und Beihilfe zum Erwerb von Betäubungsmitteln - die Liste der Vorstrafen zeigt: Der Mann aus Annaberg-Buchholz ist kein unbeschriebenes Blatt. Nun hat sich der Erzgebirger erneut vor dem Amtsgericht Marienberg wegen unerlaubtem Handeltreiben, Herstellen, Abgeben oder Besitz von Drogen in nicht geringer Menge verantworten müssen. Ausgerechnet sein Cousin belastet den Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, zwischen Januar und Dezember 2017 in drei Fällen mit mehreren Kilogramm Marihuana gehandelt zu haben. Da der Angeklagte schweigt, beruft sie sich nur auf die Zeugenaussagen des ermittelnden Polizisten und eines Drogendealers - dem Cousin des Angeklagten. Bei ihm waren bei einer Hausdurchsuchung etwa 500 Gramm Marihuana gefunden worden. Bei der anschließenden polizeilichen Vernehmung hatte der mittlerweile verurteilte Mann umfänglich ausgepackt, Komplizen und Käufer verraten - darunter auch seinen Cousin.


Der soll Kontakt zu einem Drogenhändler aus Freiberg hergestellt, die Gespräche geführt, die Übergaben in einem Annaberger Parkhaus organisiert und sich um das Finanzielle gekümmert haben. Beim ersten Geschäft habe der Zeuge schließlich eine Tasche mit einem Kilo Marihuana überreicht bekommen. Beim zweiten und dritten seien es jeweils eineinhalb Kilo gewesen. Bei seinem Geständnis hatte er gegenüber der Polizei angegeben, dass sein Cousin ebenfalls stets eine Tasche mit der gleichen Menge erhalten habe. Diese entscheidende Aussage relativiert er nun vor Gericht. Er habe das Parkhaus stets allein verlassen, seinen Cousin nie mit einer Tasche fortgehen sehen. Auch was drin war, wisse er nicht. Richter Steffen Müller glaubt dem Zeugen nicht: "Ich finde es merkwürdig."

Es war schon der zweite Verhandlungstag in diesem Fall vor dem Amtsgericht Marienberg. Bereits Anfang Mai musste der Annaberger auf der Anklagebank Platz nehmen. Doch Richter Müller unterbrach das Hauptverfahren und setzte den Prozess gegen den mutmaßlichen Drogendealer neu an. Grund: Ein Problem am Hauptrechner hatte die Technik im Amtsgericht lahmgelegt. Die Protokollführerin konnte nicht weiterarbeiten.

Auch bei der erneuten Verhandlung ist kein Urteil gefallen. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen Drogenhandels zwei Jahre und neun Monate Gefängnis sowie 18.000 Euro Geldstrafe. Der Verteidiger hingegen plädiert auf Beihilfe und sechs Monate auf Bewährung. Sein Mandant habe kein eigenes Geschäft gemacht, sondern nur seinem Verwandten helfen wollen. Zudem sei die Anklage ein anderer Tatbestand als gemeinschaftlicher Drogenhandel. Letzterem folgt Richter Müller. Aufgrund der relativierten Zeugenaussage und des damit geänderten Umstands unterbricht er die Verhandlung und setzt sie neu an. Ob es nun Beihilfe oder gemeinschaftlicher Drogenhandel war, soll Anfang Juli entschieden werden.

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