"Ehre den Gemordeten - Mahnung den Lebenden"

Mit Kranzniederlegungen ist am Montag der Opfer des Holocausts gedacht worden. Im kleinen Dittersbach, einem Ortsteil von Neuhausen, gingen die Gedanken zurück an einen Todesmarsch.

Neuhausen/Dittersbach.

Etwa 80 Teilnehmer schreiten am Montagvormittag langsamen Schrittes durch das Tor des Ehrenhaines am Rande des Neuhausener Ortsteils Dittersbach. Viele von ihnen tragen Blumengebinde. Ihr Ziel ist die Gedenkstätte mit den zwei Steinsäulen, zwischen denen "Ehre den Gemordeten - Mahnung den Lebenden" zu lesen ist. Still ist es, als die Blumen niedergelegt werden. Gedacht wird einer heute immer noch unfassbaren Episode, geschehen in einer an schrecklichen Geschehnissen überreichen Zeit.

Im April 1945 zog ein Todesmarsch durch die Region. In Oberdittersbach wurden die 450 vorwiegend französischen Häftlinge von der SS in einer Scheune bewacht, 24 von ihnen überlebten den Aufenthalt nicht, wurden entweder ermordet oder starben an Hunger und Krankheit. 20 von ihnen ruhen im Ehrenhain. Unter Lebensgefahr hatten Dittersbacher und Neuhausener Einwohner die Gefangenen heimlich versorgt. An die Opfer und das damalige Geschehen erinnert die Gedenkstätte.

Zum bundesweiten Holocaust-Gedenktag kam man deshalb auch im kleinen Ort Dittersbach zusammen. Neuhausens Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) freute sich sehr über die rege Teilnahme. Erstmals war eine 9. Klasse der Oberschule Sayda dabei. "Wir haben sofort zugesagt, als wir gefragt wurden", sagt Schulleiter Steffen Hänel. "Weil solch ein Gedenken wichtig ist." Auch Zehntklässler aus Rechenberg-Bienenmühle reihten sich ein. "Wir sind das siebente Mal dabei", so Klassenlehrer Ralph Casper. "Die Hälfte der Schüler kommt aus Clausnitz, wo damals auch zwei Gefangene erschossen wurden." Ein Drittel der weiteren Gäste kamen zudem aus dem Erzgebirgskreis.

Die Gedenkrede hielt die Landtagsabgeordnete Antje Feiks (Die Linke). Sie lenkte den Blick unter anderem auf das Erstarken des Nationalismus in der Gegenwart. Die Schuld der Vorfahren lasse die heute Lebenden nicht los, sagte sie.

Peter Haustein erinnerte daran, dass, bevor der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz für das Gedenken einführte, stets am 1. September am Ehrenhain der Opfer gedacht worden ist. Hans Joachim Gruve aus Seiffen sprach seine Worte sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch. Sichtlich bewegt gingen Jung und Alt wieder von dem Gelände.


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