Ein Dilettant zeigt seine Werke

Bisher hat Matthias Kolditz seine Arbeiten als nicht ausstellungswürdig empfunden. Deshalb ist die Schau im Zschopauer Tor ein Wagnis für ihn.

Marienberg.

Als Dilettant wird jemand abwertend bezeichnet, der eine Tätigkeit unsachgemäß oder auch oberflächlich ausführt. Dilettant wird aber auch eine Person genannt, die sich auf einem bestimmten Gebiet nur als Laie betätigt. Der Marienberger Matthias Kolditz bezeichnet sich selbst als Dilettant und bezieht sich dabei auf sein künstlerisches Schaffen, in welches er jetzt erstmalig im Rahmen einer Ausstellung Einblick gewährt. Im Zschopauer Tor zeigt er bildhauerisch gefertigte Holzfiguren und Objekte, in deren Zentrum der Mensch und die Sichtbarmachung seiner Emotionen, seiner Psyche und seiner inneren Erfahrungen steht.

"Bisher habe ich meine Arbeiten immer als nicht ausstellungswürdig empfunden. Diese Schau ist für mich ein Wagnis", sagt der 69-Jährige. "Kunst hat für mich nichts mit Kunst machen zu tun. Kunst entsteht dann, wenn etwas, was außen ist, vom Menschen nach innen verlegt wird und sich im Prozess einer dort stattfindenden Wandlung zu Kunst erst weitet."

Geboren in einen Pfarrhaushalt im thüringischen Schmölln, unternahm Kolditz nach der Schulzeit und einem Studium der Physik in den 1970er-Jahren erste Schnitzversuche und skulpturale Arbeiten in Ton und Gips. Erst in den 1980er-Jahren - er hatte seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile nach Marienberg verlegt - beschäftigte er sich intensiver mit holzbildhauerischem Gestalten. "Noch etwas später habe ich die Naturkunst für mich entdeckt", erinnert sich Kolditz.

Für ihn bedeutete das, das er Fundstücke, die von der Natur geformt, verändert oder gebildet wurden, auf sehr feinfühlige Art und Weise aufnimmt und diese behutsam - gelegentlich mit nur minimalem Aufwand und doch sehr wirkungsvoll - zu künstlerischen Unikaten gestaltet. "Es sind sehr persönliche Skulpturen, vom Zufall gezeichnet. Anderes Schnitzen ist mir nicht möglich", erklärt Kolditz seine Arbeiten, die allesamt Stille und Ernsthaftigkeit ausstrahlen und dadurch meditativ wirken.

"Einen gewissen Einfluss hat das religiöse Umfeld, in das ich hineingeboren wurde und in dem ich aufgewachsen bin", ergänzt Matthias Kolditz auch im Hinblick darauf, dass er Gesichter, Hände und Füße seiner Plastiken ausdrucksstark gestaltet. Als schicksalhaft bezeichnet der Künstler ein Ereignis im Jahr 2003, das ihn bewegte und in dessen Folge mehrere große Skulpturen entstanden, die in der jetzigen Ausstellung zu sehen sind. "Anfang Februar 2003 legte sich eine der Linden am Marienberger Lindenhäuschen, vom Sturm geworfen, millimetergenau neben das kleine Haus, ohne es zu beschädigen. Von diesem Baum konnte ich Holz erwerben, dessen schnitzerische Verarbeitung für mich bis heute schicksalhaft ist", sagt Kolditz, der sich weiterhin bildhauerisch an großen Themen versuchen will. "Ich scheitere zwar immer wieder an der Unfähigkeit meiner handwerklichen und gestalterischen Möglichkeiten, aber ich mache weiter, als fröhlicher Dilettant."

Die Ausstellung "Ansichten eines Dilettanten" mit Fundstücken und Holzbildhauerei von Matthias Kolditz ist bis 14. September im Zschopauer Tor in Marienberg zu sehen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 17 Uhr.


"Das Zschopauer Tor ist Symbol, Namensgeber, Inspiration und Domizil in einem"

Uta Lerche fungiert als Vorsitzende vom Tor Kunstverein Marienberg. Kristian Hahn sprach mit ihr über Ausstellungen und das Zschopauer Tor.

"Freie Presse": Welchen Stellenwert hat das Zschopauer Tor für Ihren Verein?

Uta Lerche: Das Tor ist Symbol, Namensgeber, Inspiration und Domizil in einem. 2005 war das Gründungsjahr des Vereins, 2006 wurde das Tor erstmals nach der Schließung des Heimatmuseums wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Seitdem führt der Verein hier Workshops, Ausstellungen und Musikveranstaltungen durch.

Worauf legen Sie bei Ausstellungen besonderen Wert?

Wir laden immer Künstler aus der Region zu uns ein und setzen dabei auf eine hohe Bandbreite. So standen schon Arbeiten in Holz oder Metall im Mittelpunkt, Keramiken, Textiles, Malerei und Grafik sowie auch Fotografien. Die von Matthias Kolditz ist die insgesamt 15. Ausstellung.

Zumeist ist jährlich nur eine Ausstellung zu sehen und auch nur für kurze Zeit. Warum?

Zurzeit hat unser Verein nur elf Mitglieder, die nicht alle im näheren Umfeld wohnen. Daher ist es aktuell nicht möglich, mehr Ausstellungen zu organisieren. Längere Öffnungszeiten sind daher personell einfach nicht umsetzbar.

Gibt es neue Ideen, die Sie umsetzen wollen?

Regionalen Künstlern wollen wir auch weiterhin eine Plattform bieten, sich und ihre Arbeiten zu präsentieren. Gern würden wir tschechische Künstler bei uns begrüßen. Um die Räume im Zschopauer Tor intensiver zu nutzen, könnten hier zudem Vorträge zu verschiedensten Themen, auch außerhalb der Kunst, stattfinden.

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