Ein Jahr Erzgebirge: Eine Afrikanerin blickt zurück

Über ein Austauschprogramm hat Raheli Mosha einen Marienberger Kindergarten unterstützt. Nun freut sie sich auf ihre Heimat, weiß aber schon jetzt: Einige Dinge werden ihr fehlen.

Marienberg.

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Darüber sind sich die Erzieherinnen und vor allem die Kinder der evangelischen Kita St. Marien einig. Auch für Raheli Mosha sind die Monate wie im Fluge vergangen. Am 23. März fliegt sie zurück in ihre Heimat Tansania.

Voriges Jahr kam sie im Austauschprogramm der Kirchenbezirke Marienberg und Kilimandscharo-Mitte mit Unterstützung des Leipziger Missionswerkes ins Erzgebirge. Rasch hatte sie sich in das Team der Einrichtung eingefügt. "Ich habe hier sehr viel gelernt", sagte die 29-Jährige auf Deutsch.

Vor allem methodisch ist der Marienberger Kindergarten vielseitiger als der in ihrem Heimatort Soweto am Fuß des Kilimandscharo. Die Kinder lernen spielerischer, mit allen Sinnen, vor allem voneinander und viel von ganz alleine. Geradezu entzückt sah sie den Kindern beim Spiel biblischer Szenen während der Andachten zu. In Soweto, schlüpfen die Erzieherinnen dann in die Erzählerinnen-Rolle. Raheli Moshas Alltag in Afrika ist von mehr Frontalunterricht und direkten Anweisungen an die Kinder geprägt. Künftig will sie das zu Hause mehr mit ihren neuen Erfahrungen mischen. Dass das nicht einfach wird, ist ihr bewusst. Schließlich muss sie in Soweto 70 Kinder betreuen, ein Vielfaches vom Gruppenschlüssel im Erzgebirge. Recht komfortabel konnte sie in Marienberg bei der Betreuung verschiedene Materialien einsetzen. Dafür reicht das Budget in ihrer Heimateinrichtung nicht aus.

"Wir haben von ihr auch sehr viel gelernt", betonte die Leiterin der evangelischen Kita, Evelyn Glöß. So habe die ruhige Ausstrahlung der Afrikanerin abgefärbt. Raheli Mosha habe die Gabe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Wir schauen zu oft auf die Uhr und verlieren dadurch ein bisschen die Ruhe", so die Chefin. Besonders wertvoll bezeichnete sie das Aufeinandertreffen zweier ganz verschiedener Kulturen. Allein die Tatsache, dass Raheli schwarz ist, faszinierte und wunderte die Kinder zugleich. "Sie haben versucht, mir das Schwarze von der Haut zu rubbeln. Das war richtig süß", berichtete die Afrikanerin.

Sie hat sich auch für die Kirchgemeinde engagiert, gekocht und von ihrer Heimat erzählt. Sogar einzelne Familien besuchte sie, um für Begegnungen zu sorgen. Ressentiments oder gar Anfeindungen sind ihr dabei nie begegnet. Im Gegenteil. Sie betonte, in Sachsen sehr offenherzig und mit sehr viel Liebe aufgenommen worden zu sein.

Sie verlässt das Gastgeberland mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite freut sie sich auf ihre Familie, ihre Muttersprache, die Schönheit der Natur, das einheimische Essen - und vor allem auf die Sonne. Auch wenn sie heute nicht mehr so schnell fröstelt, findet sie das erzgebirgische Klima doch sehr kalt. Reis und Bohnen wird es gleich nach ihrer Rückkehr geben, da ist sie sich sicher. Auf der anderen Seite werden ihr die Kinder, Kollegen und Familien fehlen, mit denen sie im vergangenen Jahr zu tun hatte. Unvergesslich wird für sie die erzgebirgische Weihnachtzeit bleiben. "Bei uns gibt es nicht so viele Lichter und erst recht nicht so viele Geschenke. Das war wunderbar", betonte sie. Außerdem hat sie im Erzgebirge ihr erstes Silvesterfeuerwerk erlebt.

Lange verzichten muss sie auf die Marienberger nicht. Schon bald werden Monique Glöß und Felix Krumbiegel über das Austauschprogramm nach Tansania reisen. Außerdem plant das Erzieherinnen-Team zu Ostern einen Besuch in Raheli Moshas Heimat.

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