Ein Schulabschluss unter ganz besonderen Bedingungen

Tausende Schüler bekommen am heutigen Freitag Zeugnisse. In Großrückerswalde haben 15 junge Leute ihren Abschluss geschafft, denen es früher wohl kaum jemand zugetraut hätte.

Großrückerswalde.

Eric ist 18 und kommt aus dem Vogtland. Am heutigen Freitag wird er es schriftlich bestätigt bekommen: Er hat seinen Qualifizierenden Hauptschulabschluss geschafft. Dabei ist er in den vergangenen Jahren gar nicht mehr zur Schule gegangen. Eric lebte auf der Straße und nahm Drogen.

Am Institut für Bildung und Gesundheit (IGB) in Großrückerswalde bekam er die Chance, sich sechs Monate lang auf sein Leben ohne Drogenkonsum und auf die Prüfungen vorzubereiten. Hart und anstrengend ist das gewesen. Dennoch ist der Vogtländer dafür sehr dankbar. "Der Unterricht ist hier ein untrennbarer Teil der Therapie", konstatiert Sandra Kersten. Die Ehrenfriedersdorferin leitet seit zwei Jahren die Schule im IGB. Ihrer Meinung nach sind alle 15 Absolventen über sich hinausgewachsen. "Der Tag ist sehr strukturiert. Unsere Klienten gehen nicht nur in die Schule. Sie müssen in erster Linie verschiedene Therapiephasen absolvieren und anderen Verpflichtungen nachkommen", erklärt sie. Als Ausgleich hält das IGB ein breites Freizeitangebot bereit, vor allem zahlreiche sportliche Aktivitäten.


In Großrückerswalde gibt es weder einen Schuljahresbeginn noch ein Schuljahresende und schon gar keine Ferien. "Die Klienten kommen zu uns, wenn die bürokratischen Rahmenbedingungen dafür erfüllt sind", erläutert Sandra Kersten. Die Prüfungen legen die jungen Leute an ganz normalen Schulen ab. Das IGB arbeitet dabei mit den Oberschulen in Marienberg und Olbernhau zusammen, die den Klienten immer offen gegenüberstehen. Allerdings finden die Schulfremdenprüfungen in Sachsen nur einmal im Jahr statt. Das bedeutet, ein Teil der jungen Frauen und Männer nimmt zwar das schulische Rüstzeug mit, muss sich aber um die Prüfung selber kümmern. Schließlich sind sie in der Regel nur sechs Monate in der Therapieeinrichtung. Unterrichtet werden sie in den zentralen Prüfungsfächern, die der sächsische Lehrplan vorschreibt.

Übergeben werden die Zeugnisse am Freitag im Beisein der Eltern und anderer Angehörigen, der Lehrer und Therapeuten. Im Anschluss findet ein gemeinsames Grillfest statt.

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