Einbrecher zeigt vor Gericht Reue

Ein 29-jähriger Tscheche hat im Vorjahr in und um Olbernhau zwölf Straftaten begangen. Da er unter Drogen stand und vor Gericht Einsicht zeigte, kam das Gericht zu einem relativ milden Urteil.

Chemnitz/Olbernhau.

Obwohl sich am gestrigen Donnerstag acht Menschen im Sitzungssaal 006 des Amtsgerichts Chemnitz aufhielten, war es mucksmäuschenstill. 12.30 Uhr sollte das Urteil verkündet werden, doch die Richterin und ihre beiden Schöffen waren noch nicht soweit. Dagegen sind die drei Stunden zuvor fast wie im Flug vergangen, denn der 29-jährige Tscheche, dem 13 Straftaten in Olbernhau und Deutschneudorf zur Last gelegt wurden, zeigte sich geständig. Fünf der elf geladenen Zeugen mussten gar nicht erst angehört werden. Der vorsichtshalber angesetzte zweite Verhandlungstag ist damit hinfällig. Doch was ihm Reue, Einsicht und die vielen Entschuldigungen bringen werden, weiß der Angeklagte in diesem Moment noch nicht.

"Ich war damals drogenabhängig, sonst hätte ich mich nicht so verhalten", ließ er während der Verhandlung mit Hilfe einer Übersetzerin verlauten. Gemeint sind die 13 Taten, die sich zwischen dem 21. Juli und dem 19. August 2019 abgespielt haben. Diebstahl, Hausfriedensbruch, Unterschlagung, Einbruch und versuchte gefährliche Körperverletzung warf der Staatsanwalt dem Mann vor. Er war in Häuser und Geschäfte eingebrochen. Bei seiner Festnahme hatte er 1,88Gramm Crystal bei sich.

Bei dem Diebesgut handelt es beispielsweise um ein Basecap und eine Jacke. "Weil mir damals kalt war", sagte der Angeklagte, der außerdem zwei Hosen aus einem Einkaufsmarkt mitgehen ließ - im Wert von 21 Euro. Andernorts soll er einen Schlüssel entwendet haben, was letztlich als Unterschlagung eingestuft wird, weil nicht zu klären ist, ob der Schlüssel gefunden oder aus einem Schloss gezogen wurde. Fallen gelassen wurde der 13. Anklagepunkt, weil der Beschuldigte bei einem vermeintlichen Garageneinbruch "vom Versuch freiwillig zurückgetreten ist", wie der Staatsanwalt selbst einräumte. Soll heißen: Er hatte nur die Hand am Türöffner, lief dann aber davon.

Den Vorwurf des Hausfriedensbruchs versuchte der Verteidiger zu entkräften. Schließlich habe sich das Partyzelt, in dem sein Mandant übernachtete, nicht in einem abgesperrten Bereich befunden: "In Tschechien sieht man das rechtlich womöglich etwas anders." Nichts zu deuteln gab es laut Gericht dagegen am Einbruch. Über das Dach ist der Tscheche in ein Haus eingestiegen, bei dessen Eigentümer er sich im Gerichtssaal entschuldigte. "Angenommen, es ist ja nichts weggekommen", erwidert der Rentner aus Deutschneudorf. Fernseher, Router und Boxen ließ der Täter stehen, nur eine Bundeswehr-Erkennungsmarke nahm er mit.

Beim Diebstahl zweier Fahrräder ging es um wertvollere Dinge. Eins davon hat der Angeklagte selbst genutzt. Als das Rad einen platten Reifen hatte, wollte er sich im Keller eines Olbernhauer Mehrfamilienhauses ein Vorderrad als Ersatz beschaffen. Genau das von ihm gestohlene Rad warf er dann in Richtung eines Rentners, der den Mann auf frischer Tat ertappt und angesprochen hatte sowie ankündigte, die Polizei zu alarmieren. Die kam auch und stellte den Täter, der die Beamten bespuckte und trat. Während dieser Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte Bestand hatte, wertete die Richterin den Wurf des Rades nicht als schwerwiegende Tat: "Es wurde aus Wut und in diese Richtung geworfen, ohne Verletzungsabsicht."

Das Gericht zeigte sich milde, als es den Saal nach einer knappen Stunde Beratungszeit wieder betrat. Mit einer zweijährigen Haftstrafe, die zu einer dreijährigen Bewährungszeit ausgesetzt wurde, blieb das Urteil unter der Forderung des Staatsanwalts. Die Handschellen, mit denen der 29-Jährige aus der Untersuchungshaft hereingeführt worden war, ist er nun los.

Die fünfmonatige Haft in Dresden habe nach Ansicht des Gerichts den Angeklagten geläutert. So falle die Kriminalprognose positiv aus für den Tschechen, der um eine letzte Chance gebeten hatte: "Von den Drogen bin ich weg. Ich werde sie und meine Familie nicht enttäuschen." Jedoch drohen ihm in seinem Heimatland weitere Probleme, denn dort steht er bereits unter Bewährung.


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