Eine 111 Jahre alte Karte und ihr Weg vom Erzgebirge in die USA und zurück

Andreas Beckert will das Rätsel um ein altes Schriftstück lösen. Abgeschickt hatte es einst der Rübenauer Schüler Rudie Schimmer an seinen Vater in den Staaten. Doch wie kam die Karte nach Deutschland zurück?

Rübenau.

Heutzutage stellen Ansichtskarten eine Seltenheit dar. Doch sind sie alt, sind sie auch Zeitzeugen und umso wertvoller, wenn sie wieder an ihren Ursprungsort gelangen. Einen außergewöhnlichen Weg unter außergewöhnlichen Umständen hat eine Karte hinter sich, die dem Dresdner Andreas Beckert, einem Sammler historischer Postkarten, im Oktober vergangenen Jahres bei einer Ansichtskarten-Börse in Marienberg in die Hände fiel. Sie wurde im Jahr 1908 von Rudie Schimmer verfasst, einem Jungen aus Rübenau, der zu diesem Zeitpunkt etwa zehn Jahre alt gewesen sein muss. Der Adressat war sein Vater R. Schimmer im US-amerikanischen St. Louis im Bundesstaat Montana.

Nun, 111 Jahre später, erwarb jenes Zeitzeugnis der 71-jährige gebürtige Rübenauer. Sein Archiv umfasst rund 300 historische Postkarten von seinem Geburtsort. Doch jenes Sammlerstück kommt für Andreas Beckert beinahe einem Sechser im Lotto gleich. "Ich sammle seit über 30 Jahren und besitze allerhand Karten. Aber so etwas wie diese, die einst hier abgeschickt wurde und in dieser Gegend wieder landete, ist mir noch nicht untergekommen."

Die Geschichte der Familie, die hinter den Grüßen aus Rübenau steckt, berührt den Sammler und lässt ihn seither nicht mehr los. Er recherchierte bereits: "In Rübenau habe ich zwei Adressen, unter denen die Familie Schimmer gelebt haben soll: einmal der Kammweg und dann die Olbernhauer Straße. Ich schätze Rudie auf zehn bis zwölf Jahre. Offensichtlich ist, dass er auch auf Englisch mit seinem Vater kommunizierte, den er kurz zuvor in den USA mit dem Dampfschiff besucht haben muss. Dabei hatte es ihm der Hund Jeffy angetan. Im Text geht es um diesen Hund, den er bei seiner Heimfahrt nach Deutschland am liebsten mitgenommen hätte." Der 71-Jährige erklärt sich die Umstände der Rübenauer Familie Schimmer, deren Vater in den USA lebte, so: "Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch immer viele Einwanderer in Amerika. Überliefert ist, dass auch viele Rübenauer zu dieser Zeit aus wirtschaftlichen Gründen in die Staaten auswanderten."

Andreas Beckert hofft, dass jemand die Nachfahren des Jungen Rudie kennt, der die Postkarte am 29. Mai des Jahres 1908 im Postamt von Rübenau aufgab, dabei sehnlichst die baldige Antwort seines Vaters erwartend, wie er schrieb. "Der Junge machte sich auch über das Wohlergehen des Hundes Gedanken", weiß Andreas Beckert. Wie genau die Karte nun wieder herübergekommen ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht gab oder gibt es in der Region noch Verwandte, die den Nachlass nach Deutschland geholt und an einen Händler verkauft hat. Der Poststempel des Postamtes Rübenau trägt die Daten: "29. 5. 08 3+4 N" und wurde demnach am 29. Mai 1908 zwischen 15 und 16 Uhr abgestempelt und auf die Reise nach St. Louis Missouri, USA, geschickt.

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