Einstiger Schlettauer gibt Macho-Hippie

Benjamin Oeser aus dem Erzgebirge hat schon an vielen Theatern des Landes Bühnenluft geschnuppert

Schlettau.

Benjamin Oeser hat in Annaberg-Buchholz das Licht der Welt erblickt, 17 Jahre seiner Kindheit und Jugend in Schlettau verbracht. Derzeit ist der Schauspieler auf der Felsenbühne mitten in der Sächsischen Schweiz in der Hauptrolle des Musicals "Hair" zu sehen und zu hören. Doch schon bald geht es weiter nach Salzburg. Antje Flath hat mit ihm über die Anfänge seiner Schauspielleidenschaft, aktuelle Projekte und seine alte Heimat gesprochen.

"Freie Presse": Herr Oeser, Sie stammen aus Annaberg-Buchholz beziehungsweise Schlettau, haben damit das Eduard-vonWinterstein-Theater quasi vor der Haustür. Hat sich ein Engagement dort bisher noch nicht ergeben oder wollten Sie ganz bewusst erst einmal Bühnenluft anderswo schnuppern?


Benjamin Oeser: Lustigerweise war ich mit 16 Jahren kurz im Theater-Jugendklub des Eduard-von-Winterstein-Theaters. Dann wurde ich aber an der Schauspielschule angenommen und musste den Klub leider aus Zeitgründen verlassen. Ich hätte 2007 auch als Jünger in dem Musical "Jesus Christ Superstar" mitspielen sollen. Das hat sich dann aber auch alles zerschlagen, da ich durch die Schauspielschule in Regensburg überhaupt keine Zeit mehr für Proben und Aufführungen hatte. Ich wollte aber auch gern erst mal raus aus dem Erzgebirge und die Theaterwelt kennenlernen.

Ihre ersten Erfahrungen mit der Schauspielerei haben Sie nach eigenem Bekunden in der Arbeitsgemeinschaft Schultheater gemacht. Wo und wann - und welche Erfahrungen waren das?

Ich habe die Jenaplanschule in Markersbach besucht. Dort hatten wir ein musisch-künstlerisches Profil. Wir durften da viel Theater spielen, singen und uns künstlerisch einfach austoben. Ich habe damals als erste prägende Rolle den König Drosselbart in dem gleichnamigen Märchen gespielt. Der Zeitraum müsste so im Jahr 2000 gewesen sein. Es waren durchweg positive Erfahrungen und Berührungen mit dem Theater. Ich habe damals viel Zuspruch von Lehrern und Schülern erhalten. Das waren, glaube ich, die ersten Wegweiser für meinen jetzigen Beruf.

Wo haben Sie Schauspiel und Musical bisher hingeführt? In welchen Rollen hat Sie das Publikum schon erlebt?

Schon an viele Häuser im In- und Ausland. Vor "Hair" habe ich zum Beispiel am Staatstheater am Gärtnerplatz in München den Pumuckl in "Pumuckl" gespielt. Dort ein Jahr zuvor auch den Peter in "Jesus Christ Superstar". Dann war ich am Theater Sankt Gallen in der Schweiz engagiert. Dort war ich in der großen Musicaluraufführung "Matterhorn" Antoine Carrel. Vor drei Jahren hatte mich die Oper Leipzig für die "West Side Story" engagiert. Am Musik-theater im Revier Gelsenkirchen habe ich den Bambi in "Linie 1" gegeben. Momentan spielen wir da auch noch das Musical "Big Fish". Da stehe ich als Edward Bloom auf der Bühne. Dann war ich im Zeltpalast in Merzig im Saarland engagiert und habe dort den Sir Lancelot in "Spamalot" gespielt. "Luther", das Musical, stand im niedersächsischen Lingen auf dem Spielplan. Das sind nur einige Sachen von vielen, die ich bisher gemacht habe.

Im Sommer singen Sie auf der Felsenbühne in Rathen die Hauptrolle in "Hair". Was ist das Reizvolle an dieser Rolle? Und was die größte Herausforderung dabei?

Meine Rolle im Stück ist der George Berger - ein ziemlicher Macho-Freigeist, der in den Tag hinein lebt. Er ist sehr aufbrausend, nimmt sich das, was er braucht und pfeift auf Konventionen und Traditionen. Er lebt im Hier und Jetzt, müht sich nicht um die Zukunft und kann manchmal ziemlich anstrengend, egoistisch und arschig sein. Jedoch ist er im Kern seiner Person ein guter Mensch, der eigentlich nur auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens ist. Das Reizvolle ist, dass man all die schlechten Eigenschaften, die diese Rolle hat, im Stück ausleben darf. Sprich: Es ist manchmal echt schön und befreiend, der Arsch der Hippietruppe zu sein. Das kann man natürlich nicht im Alltag tun. Weil ich, Gott sei Dank, auch nicht so bin wie Berger. Die Herausforderungen sind zum einen die langen Haare, da die beim Sprechen und Singen immer in den Mund fliegen. Wir haben so viele Szenen, in denen wir schnelle Choreografien tanzen und uns sehr viel bewegen müssen. Das kann dann schon mal sehr unangenehm sein, wenn man so ein kleines Büschel verschluckt. Zum anderen ist es die gesangliche Komponente. Die Rolle ist nicht einfach zu singen und bedarf stimmlich immer einer guten Vorbereitung, Flexibilität und Übung.

Was macht für Sie generell den Reiz Ihres Berufes aus?

Dass ich Menschen mit einer Rolle berühre, zum Mitfühlen und Nachdenken bringe. Das ist das größte und schönste Kompliment für mich.

Welche Projekte stehen nach dem Sommer in der Sächsischen Schweiz auf Ihrem Plan?

Im August geht es ab nach Österreich an das Landestheater Salzburg. Ich werde dort in der "Rocky Horror Show" den Dr. Frank N. Furter spielen.

Und was macht Benjamin Oeser, wenn er gerade nicht auf der Bühne steht?

Ich mache gern Sport, gehe ins Fitnessstudio und versuche, mich fit zu halten. Dazu bin ich leidenschaftlicher Fußballfan, bin Sympathisant von RB Leipzig und dem FC Bayern. Außerdem spiele ich gern Videospielkonsole und jongliere ab und zu. Ich mache also überwiegend Dinge, die nicht so viel mit Theater und Musical zu tun haben.

Zum Schluss noch einmal in die alte Heimat: Gibt es dorthin noch Kontakte? Und können Sie sich perspektivisch vielleicht doch ein Engagement im heimischen Theater vorstellen?

Bis Juli wohne ich noch im wunderschönen Leipzig. Dann ziehen meine Freundin und ich nach Graz in Österreich. Sie hat an der dortigen Oper ein Festengagement bekommen. Wir haben uns daher dazu entschlossen, gemeinsam auszuwandern. Und da ich dann auch bald in Österreich spielen werde, war die Entscheidung zu gehen relativ einfach für mich. Das heißt allerdings im Umkehrschluss, dass ich wohl erst mal nicht so schnell nach Annaberg beziehungsweise Deutschland zurückkommen werde. Aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen. Kontakt gibt es nach wie vor ins Erzgebirge. Auch, wenn es durch den Job nicht immer so einfach ist. Meine Oma und mein Opa wohnen immer noch in Schlettau, wo ich 17 Jahre aufgewachsen bin und gelebt habe. Sonst gibt es ab und zu noch Kontakt zu alten Schulkameraden. Der Großteil der weiteren Verwandtschaft wohnt in Chemnitz und Riesa. Meine Eltern und Geschwister aber wohnen schon seit vielen Jahren in Bayern. Ich werde aber meine Herkunft und Heimat nie vergessen und natürlich im- mer mal wieder dorthin zurückkehren.

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