Eltern legen sich für Ausweich ins Zeug

Die Seiffener Grundschüler können, solange ihre Bildungsstätte saniert wird, in Heidersdorf lernen. Den Familien fällt ein Stein vom Herzen.

Seiffen/Heidersdorf.

Für 139 Kinder aus Seiffen hat am Mittwoch der Unterricht begonnen. Was zunächst eher banal klingt, ist für die Familien in diesem Jahr keineswegs selbstverständlich. Noch vor wenigen Tagen wurde um eine Lösung gerungen. Weil in Seiffen die Schule saniert wird und die Bauarbeiten länger dauern, musste ein Ausweich her. Und dieser wurde in Heidersdorf gefunden - dank des Einsatzes von Gemeindeverwaltung, Bauhof, Feuerwehr, Eltern und Firmen. Gemeinsam wurden die Räume auf die Schnelle hergerichtet, sodass darin Unterricht stattfinden kann.

Längere Zeit hatte die Gemeinde Seiffen nach einem Behelf gesucht. Doch mehrere vorgeschlagene Varianten fanden beim Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) keine Zustimmung. Die scheinbar einzige Möglichkeit schien die Nutzung der alten Schule im Marienberger Ortsteil Gebirge zu sein. Bei den Eltern traf dieser Vorschlag auf wenig Zustimmung. Sie kritisierten die langen Fahrtwege.


Mit der Idee, die alte Schule in Heidersdorf als Ausweich zu nutzen, zeichnete sich schließlich doch noch eine Lösung ab. Dort fand bis 2001 regulärer Unterricht statt. Im Jahr 2016 verkaufte die Gemeinde das Gebäude an einen Privatmann. "Ich habe den Besitzer angerufen. Er war sofort einverstanden", erzählte Claudia Franke, die sich als Elternsprecherin mit ins Zeug legte.

Das Lasub begutachtete das Gebäude. Zwar stimmte die Behörde im Grundsatz zu. "Allerdings wurde eine Liste mit Auflagen erstellt. Etwa 30 Punkte mussten erfüllt sein, bevor eine Nutzung als Schule genehmigt werden konnte", so Claudia Franke. "Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Kindern den Weg nach Marienberg zu ersparen", erklärte Schulsprecher Jan Reuther. Die Eltern wurden aufgerufen, sich tatkräftig einzubringen.

Es sei eine "grandiose Aktion" der Beteiligten gewesen, wie Katharina Wittig, Referentin beim Lasub, lobte. Klassenräume seien gestrichen und mit Schulmobiliar ausgestattet worden. Neue Sanitäranlagen kamen ins Gebäude. Brandschutzauflagen wurden erfüllt. Elektro- und Heizungsanlage mussten ertüchtigt und der Außenbereich der Schule auf Vordermann gebracht werden. "Gardinen wurden gewaschen und das Gebäude gründlich gereinigt", so Katharina Wittig, die am Dienstagabend nach einer erneuten Begehung alle Auflagen erfüllt sah.

"In diesem Jahr haben die Eltern Zuckertüten verdient, denn das hier war ein Kraftakt", sagte Jens Walther, der den in Urlaub befindlichen Bürgermeister Martin Wittig vertritt. Es sei von morgens bis teilweise 23 Uhr gearbeitet worden, wobei stets viele Eltern dabei waren. Zur Dauer der Übergangslösung wollte er sich nicht festlegen. "Die Kinder sind in Heidersdorf gut untergebracht. Die Sanierung in der Seiffener Grundschule kann also jetzt gründlich fortgeführt werden."

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