Erste Forstakademie Sachsens entsteht im Schloss Pfaffroda

Spätestens ab Ende 2019 sollen Seminare für Waldbesitzer und Jäger angeboten werden. Die adligen Besitzer sind sich sicher: Das Potenzial ist enorm. Doch zunächst müssen sie kräftig investierten.

Pfaffroda.

Der Kaufvertrag ist unterschrieben, der Kaufpreis in Höhe von 60.000 Euro bezahlt: Nun können Joachim und Alexander Diener von Schönberg ihren Traum vorantreiben. Die Adligen wollen im Pfaffrodaer Schloss eine private Forstakademie verwirklichen. Es wäre die erste ihrer Art in ganz Sachsen.

Bis zu 80 Teilnehmer sollen sich spätestens ab Ende 2019 in den historischen Mauern fortbilden können. In den Seminaren lernen sie, was moderne Forstwirtschaft ausmacht, wie sich Flächen nachhaltig und wirtschaftlich nutzen lassen. "Ideologiefrei", sagt Joachim Diener von Schönberg. So stehe nicht etwa ein Naturschutzverein hinter dem Angebot, wie es andernorts teils der Fall sei. Angesprochen werden sollen private Waldbesitzer, aber auch Mitarbeiter von Kommunen. Denn oft verfügen Städte und Gemeinden über entsprechende Flächen.

Rund 50 Übernachtungszimmer werden in den Räumen des einstigen Seniorenheimes entstehen, dazu Seminarräume und weitere, die für den Betrieb der Akademie benötigt werden. Joachim und Alexander Diener von Schönberg wollen sich außerdem Privaträume einrichten, denn das Schloss nutzen sie als zusätzlichen Wohnsitz. Derzeit leben sie in Bayern, wo sie als Unternehmer tätig sind. Damit kehrt die Familie in ihr einstiges Anwesen zurück. Nach der Enteignung und der Flucht im Jahr 1945 hatte sie sich in Bayern ein neues Leben aufbauen müssen. Ab 2011 konnten die Adligen bei Pfaffroda Ländereien erwerben. Sie sind mehr als 100 Hektar groß. Vom Forstbetrieb werden auch in Brandenburg und Thüringen Flächen bewirtschaftet.

Eine Summe im siebenstelligen Bereich wollen die Brüder investieren. Sie möchten Eigenmittel und Fördermittel nutzen. Das gesamte Schloss soll erneuert werden, ohne den Charme der alten Mauern zu verlieren. So soll die Optik wieder dem ursprünglichen Aussehen nahekommen. Als Beispiel nannte Joachim Diener von Schönberg die rote Einfassung der Fenster: "Sie hat es ursprünglich nicht gegeben, wie auf alten Bildern zu sehen ist." Das Dach muss auf Vordermann gebracht werden. Eine Innensanierung ist nötig. Erste Arbeiten haben begonnen. So gibt es in einem der Räume aufsteigende Nässe, die beseitigt wird.

Vorgesehen ist, dass für die Akademie ein Trägerverein gegründet wird. Details wollen Joachim sowie Alexander Diener von Schönberg erst später nennen. Die Einnahmen, die durch den Seminarbetrieb erzielt werden, kommen der neuen Stiftung zugute, die sich für den Erhalt des Schlosses einsetzt. "Wir schaffen rund ein Dutzend Arbeitsplätze", erklärt Joachim Diener von Schönberg. Es handelt sich insbesondere um Mitarbeiter, die für Übernachtungsgäste da sind und um Dozenten. Unter letzteren sind Fachkräfte, die Tschechisch sprechen. Schließlich soll die Akademie nicht nur viele Seminarteilnehmer aus den neuen Bundesländern anlocken - von denen sich ein großer Teil derzeit aus Mangel an Alternativen zum Beispiel in Bayern ausbilden lässt -, sondern auch aus dem Nachbarland. Der Bedarf sei groß, so Alexander Diener von Schönberg: "Allein in Sachsen gibt es rund 500.000 Waldbesitzer. Das ist ein enormes Potenzial."

Doch damit nicht genug. Die Brüder wollen für Jäger Fortbildungen anbieten. Auf ihrem Ausbildungsprogramm steht etwa das Zerlegen des Wildes und das Herstellen von Wurst. Allzu oft werde das Fleischern überlassen, findet Alexander Diener von Schönberg, obwohl das Handwerk selbst erledigt werden könne. Für die Adligen ist Wild eine Alternative zur Massenhaltung von Tieren wie Schweinen.

Über den Seminarbetrieb hinaus sind Hochzeitsfeiern geplant. Ein Standesamt könnte eingerichtet werden. Auch die benachbarte Kirche mit ihrer Silbermannorgel ließe sich sehr gut einbeziehen, sind sich die Brüder einig. So gibt es bereits eine ganze Reihe an Ideen, wie sich die rund 4500 Quadratmeter des Schlosses mit neuen Leben erfüllen lassen.


Weicht das Jugenddorfwerk?

Damit drogensüchtige Jugendliche wieder ein geordnetes Leben führen können, werden sie beim Projekt Schlossbrücke im Schloss Pfaffroda auf ihre Therapie vorbereitet sowie im Anschluss betreut. Träger ist das Christliche Jugenddorfwerk (CJD). Bislang sei kein Kontakt zur Vereinsleitung aufgenommen worden, so Joachim Diener von Schönberg. Dies solle allerdings demnächst geschehen. "Grundsätzlich befürworten wir, dass junge Menschen mit Hilfe des CJD eine zweite Chance im Leben erhalten", sagte er, gefragt nach der Zukunft der Einrichtung. Der Mietvertrag mit dem Verein laufe noch zwei Jahre, so von Schönberg. Solange werde sich nichts ändern. "Wie es danach weitergeht, muss man sehen."


Was wird aus dem Museum?

Die Sammlung zur Geschichte des Schlosses und der Familie von Schönberg wird in den historischen Mauern bleiben, sagen Joachim sowie Alexander Diener von Schönberg. Sie müsse aber in Zusammenarbeit mit dem Schlossverein, der sich sehr engagiere, neu präsentiert werden, finden die Brüder. Anders sieht es bei der ebenfalls im Museum untergebrachten Sammlung von Alltagsgegenständen aus Zeiten der DDR aus. Joachim Diener von Schönberg spricht sich dafür aus, dass für sie in Olbernhau ein ansprechendes Museum für Zeitgeschichte geschaffen wird. Die Sammlung sei einzigartig, sie umfasst unter anderem eine ganz besondere Ein-Mann-Sauna, so der Adlige.


Bleibt der Weihnachtsmarkt?

In der besinnlichen Jahreszeit wird es auch in Zukunft im Schloss Pfaffroda weihnachtlich zugehen, versichern Joachim und Alexander Diener von Schönberg. Sie wollen den Weihnachtsmarkt nicht nur erhalten, sondern auch mit zusätzlichen Angeboten erweitern. Den Brüdern schwebt vor, dass er zu einem Besuchermagnet wird. "Er muss die Menschen verzaubern", sagt Joachim Diener von Schönberg. Gemeinsam mit den Organisatoren soll über ein neues Konzept gesprochen werden. Wie dieses konkret aussieht, ist noch unklar. Bislang findet der Weihnachtsmarkt nur an einem Tag statt. Die beiden Adligen sprechen sich dafür aus, ihn über zwei Tage hinweg zu veranstalten.

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