Erzkrimi: Weniger wäre mehr gewesen

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Ein Toter wird an der Binge Geyer gefunden, der Tatort ist das aber nicht. Story und Region werden wild zusammengemixt.

Erzgebirge.

Die nunmehr sechste Folge des Erzgebirgskrimis kommt als ein wilder Mix daher: Der junge Chef eines Start-up-Unternehmens in Chemnitz wird ermordet und gefrostet schließlich vom "Geyerberg" an der Binge in die Tiefe geworfen, um es wie einen Kletterunfall aussehen zu lassen. Das Gros des Falls spielt in Chemnitz, will über die innovativen Ideen aus der Region berichten, darf aber auch das Erzgebirge als Titel-Region nicht vernachlässigen. Also wird für die junge Försterin Saskia (Teresa Weißbach) noch eine Parallelstory entwickelt, die reichlich Verwirrung stiftet.

Am Ende ist es zu viel, was die Autoren Rainer Jahreis und Regisseur Marcus Ulbricht in diesem Fall alles miteinander verweben wollen. Sie reißen zu viele Handlungsebenen auf. Plötzlich werden familiäre Hintergründe der Kommissare offenbart, aber nicht wirklich erzählt. Es werden alte Sagen bemüht, aber auch diese nur skizziert. Und schließlich muss sich Försterin Saskia Bergelt mit Erlebnissen der Vergangenheit auseinandersetzen, die zu allem Elend noch im Drama einer missglückten Republikflucht gipfeln. Weniger ist manchmal mehr oder um im Bild eines Krimis zu bleiben: Die Dosis macht das Gift.

Dabei hätte allein die Geschichte um den Textilhersteller und dessen Enttäuschung, nur Handlanger in der Anfangsphase einer bahnbrechenden Entwicklung zu sein, gereicht, um die Region realistischer ins Geschehen einzubinden. Auch dass dieser Unternehmer beim kurzen Gang durch den Betrieb jede Mitarbeiterin anblafft, ist absolut untypisch für die Menschen hierzulande. Lokalkolorit hat diese Krimifolge wenig. Um das zu bieten, wird eine abenteuerliche Szenerie bemüht, in der eine verschollenen geglaubte Cousine mit mystischen Zeichen in der Scheune das schlechte Gewissen der jungen Försterin wecken will. Und die rennt aufgeschreckt durch ein Geräusch mit Nachthemd und Gummistiefeln ins Freie. Das zeigt ein Bild, das es so vielleicht in Bayern gibt, aber keineswegs erzgebirgstypisch ist.

Die wenigen Statisten, die gleich zu Beginn des Films Augenzeugen des Absturzes werden, durften nichts weiter sagen außer: "Oh, Gott!" Lediglich der letzte Satz des Films: "Manche Dinge verdrängt man halt so lange, bis man selber glaubt, dass es nie passiert ist", spricht Teresa Weißbach in dem Slang, der hierzulande üblich ist.

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