Europa fördert knapp 2300 Projekte im Erzgebirge

Eine Datenbank im Internet gibt Auskunft, wer von dem Geld profitiert. Allein 340.000 Euro gehen an die Marienberger Firma Gebrüder Ficker Werkzeugbau für die Beteiligung an einem Forschungsprojekt.

Zschopau/Marienberg.

Was für den Freistaat gilt, trifft auch auf den Landkreis zu: "Sachsen profitiert in hohem Maße von der EU-Förderung. Dies war und ist ein entscheidender Baustein für die erfolgreiche Entwicklung des Freistaates", sagt Staatskanzleichef und Europaminister Oliver Schenk. Der CDU-Politiker verweist insbesondere auf Projekte, die mit Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden.

Wie viel Geld dabei wohin in Sachsen geflossen ist, ist jetzt im Internet abrufbar - der Freistaat hat vor wenigen Tagen eine Datenbank freigeschaltet, die über Details zu allen seit 2014 geförderten Vorhaben informiert. Der Erzgebirgskreis ist mit 2288 Projekten vertreten. Damit Verbunden sind Investitionen von rund 125 Millionen Euro. Die Fördergelder kamen und kommen beispielsweise der Verbundausbildung der Holzspielzeugmacherschule in Seiffen, dem Hochwasserschutz in Olbernhau oder zwei Zschopauer Schulen zugute, die jetzt mit Inklusionsassistenten arbeiten können. Aber auch Unternehmen wie der Scharfensteiner Museums- und Ausstellungsbauer Seiwo Technik.


In vielen Fällen dienen die EU-Mittel dazu, Produktionsbedingungen effizienter zu gestalten. Mehrere Unternehmen in der Region, darunter die Marienberger Firma Meyer Drehtechnik und die Olbernhauer Lawa Hefeknödelspezialitäten Gesellschaft, modernisieren mit den Mitteln ihre Beleuchtungs- oder Softwaretechnik. Aber die EU-Förderung beschränkt sich nicht nur auf die Produktion, sondern unterstützt auch Forschungsprojekte. 340.000 Euro erhielt das Marienberger Unternehmen Gebrüder Ficker Werkzeugbau GmbH, um zusammen mit den Firmen Frauenthal Automotive GmbH und der Widos GmbH sowie der TU Chemnitz neuartige Druckluftbehälter in der Faserkunststoff-Verbundbauweise für die Logistikbranche zu entwickeln. Diese sind leichter und billiger als ihr Pendant aus Metall.

freiepresse.de/euerz


Mauern halten Wasser fern

Besonders der Schutz vor Hochwasser wird durch die Europäische Union gefördert. Davon profitieren zahlreiche Orte der Region. Jüngstes Beispiel: Pockau. Dort werden an der Schwarzen Pockau rund 17,8 Millionen Euro investiert. Rund 14,2 Millionen Euro kommen von der EU aus dem Fonds für Regionale Entwicklung. Der Freistaat bringt sich mit 3,6 Millionen Euro ein. Unter anderem entstehen neue Hochwasserschutzmauern. Bestehende werden ertüchtigt. Die Arbeiten sollen 2023 vollständig beendet werden und Schutz vor einem Hochwasser bieten, wie es statistisch gesehen aller 100 Jahre auftritt. Die Mauern erstrecken sich über zwei Kilometer Länge bis zur Mündung in die Flöha. (faso)Foto: Kristian Hahn/Archiv


Große Figuren aus Holz

Auch kleine Unternehmen werden bezuschusst. So erhielt der Lengefelder Miniaturendrechsler Uwe Uhlig für seine Serie "Hühnerei und Hahn" annähernd 7200 Euro. Dies ermöglichte es ihm, ohne zu großes Risiko in Zusammenarbeit mit Partnern die Holzfiguren zu gestalten und herzustellen. "Ohne die Anschubhilfe wäre es nicht gegangen", sagt Uwe Uhlig. Seine Frau Petra Uhlig, die sich in die Firma einbringt, bestätigt dies. Beim Beantragen der Fördermittel habe es Unterstützung der Sächsischen Aufbaubank gegeben. Inzwischen sind die großen Figuren im Handel. Für den Drechsler sind sie etwas Besonderes. Schließlich stellt er in seiner Werkstatt sonst nur Miniaturen her. (geom)Foto: Kristian Hahn/Archiv


Firma erzeugt eigenen Strom

Schon mehrfach hat die Lawa Hefeknödelspezialitäten Gesellschaft mit Sitz in Olbernhau von EU-Fördermitteln profitiert. So konnten etwa Mikrogasturbinen realisiert werden (Auf dem Foto: Instandhaltungsmechaniker Toni Kunze). Sie erzeugen zum einen mit Hilfe von Erdgas Strom, wodurch die Stromkosten sinken, erklärt Geschäftsführer Ludwig Walter. Zum anderen entsteht Wärme, sodass im Winter keine weiteren Heizkosten anfallen. Im Sommer kann die Energie zur Kühlung genutzt werden. Förderung: 248.000 Euro. Zudem wurden in der Produktion mehrere Hundert Leuchtröhren durch energiesparende Technik ersetzt. "Wir sparen dadurch Kosten im fünfstelligen Bereich", so Walter. (geom)Foto: Kristian Hahn


Schwarzer Kunststoff soll sich schon bald recyceln lassen

Eine innovative Technologie wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut im Hilmersdorfer Unternehmen LSA Leischnig Schaltschrankbau Automatisierungstechnik entwickelt. Sie soll dazu beitragen, dass Ressourcen nicht verschwendet werden und die Umwelt geschont wird. "Gegenwärtig ist es nicht möglich, schwarzen Kunststoff beim Recycling zu trennen. Er kann nicht wiederverwertet werden und landet letztlich in der Müllverbrennungsanlage", sagt Geschäftsführer Steffen Leischnig (Foto). Mithilfe der Technologie sollen sich die verschiedenen Kunststoffarten auch trennen lassen, wenn sie den gleichen Farbton aufweisen, wie es bei Schwarz häufig der Fall ist. Der Kunststoff wird laut Leischnig mit einem Laserstrahl beschossen. Aus dem reflektierten Strahlen und dem damit einhergehenden Spektrum kann die Technik ermitteln, um welche Kunststoffart es sich handelt. Angesichts zunehmenden Mülls handelt es sich um eine Zukunftstechnologie. Die EU gab rund 300.000 Euro, davon ging ein Drittel an LSA, zwei Drittel gingen überwiegend an das Fraunhofer Institut. Die Hilmersdorfer Firma wurde schon mehrfach von der EU unterstützt. So entwickelte sie unter anderem Sondermaschinen für die Halbleiterindustrie. (geom)Foto: Kristian Hahn


Auf dem Weg ins Berufsleben

Die vielleicht letzte Chance, den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen, bietet die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau (Kez) Jugendlichen, die in ihrer beruflichen Entwicklung mehrfach gescheitert sind. Das am 1. März gestartete Jugendwerkstatt-Projekt wird aus dem ESF-Fonds mit knapp 293.000 Euro unterstützt. 13 Jugendliche stehen auf der Liste von Kez-Leiter Thomas Friedemann. Bis Mitte 2020 werden sie in Kez-Werkstätten tätig sein oder in der Küche beim Zubereiten von Mahlzeiten helfen. Hinzu kommt die soziale Komponente: Mitarbeiterinnen erledigen mit den Teilnehmern etwa Behör- dengänge. (mik)Foto: T. Fritzsch/Archiv

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