Eva-Verein ringt sich zu Auflösung durch

Viel Arbeit, wenige vom Jobcenter geförderte Arbeitskräfte: In Olbernhau endete für die Ehrenamtler ein Lebensprojekt. Doch einiges wird bleiben.

Olbernhau.

Die Regale sind längst ausgeräumt, das Schild über der Tür wurde abgenommen. Für den Hüttenladen in der Olbernhauer Saiger-hütte gibt es keine Zukunft mehr. Gleiches gilt für den Eva-Verein, der das Geschäft betrieb. Er befindet sich in der Auflösung.

Martina Springer sowie Sonja Klemm stehen in den leeren Räumen. Es fällt ihnen schwer, über die vergangenen Monate und die Entscheidung zu sprechen, die sie treffen mussten. Die Situation habe sich zugespitzt, sagt die Vorsitzende Martina Springer. Ursprünglich sollte in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen gefeiert werden. Doch nach Feiern ist den 35 Mitgliedern schon lange nicht mehr zumute.


61 Projekte realisierte der Verein. Mehr als 100 Menschen konnten zeitweise oder dauerhaft in Arbeit gebracht werden. Genau dies war das Hauptanliegen des Vereins. Zuletzt wurde das aber zunehmend schwierig, erklärt Stellvertreterin Sonja Klemm: "Wir finden kaum nach Arbeitskräfte." Dies sei in der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes begründet,über die sich beide grundsätzlich freuen. Zugleich gebe es aber mehr und mehr Bürokratie.

Als Beispiel nennt Sonja Klemm die Arbeitsgelegenheiten. Sie seien zeitlich begrenzt und lassen sich nicht beliebig oft wiederholen. Die Vorgaben des Jobcenters würden immer umfangreicher. Dies führe dazu, dass die geförderten Helfer immer wieder neu eingearbeitet werden müssen. Es gebe längst nicht mehr genügend Arbeitslose, die die Voraussetzungen dazu mitbringen. Zudem sei es sehr aufwendig, Projektanträge zu stellen.

Ein weiteres Problem: Die meisten Mitglieder sind schon älter. "Unsere Buchhalterin ist fast 80 Jahre, sie macht die Arbeit gern. Wir wissen nicht, wie lange sie das noch kann", sagt Sonja Klemm. Angesichts zahlreicher Aufgaben sei es nicht möglich, alles im Ehrenamt zu stemmen. Soll heißen: Ohne genügend geförderte Kräfte kann der Verein seine Arbeit nicht bewältigen.

Es sei viel erreicht worden, so Martina Springer. So sei einst das Gebäude, in dem Hüttenladen und Verein ihr Domizil hatten, von jungen Handwerkern saniert worden. Viele der Facharbeiter hätten danach anderweitig eine Arbeit gefunden. Auch Martina Springer fand durch den Verein eine neue Aufgabe. Sie ist inzwischen in Rente, war aber viele Jahre arbeitslos. In dieser Zeit half ihr das Ehrenamt. Der Verein sei nicht nur in Olbernhau bekannt gewesen. Dazu trugen etwa Klöppel- und Schnitzvorführungen bei, die auch bei Touristen beliebt waren. Zudem gab es grenzüberschreitende Projekte. Der Verein betreute auch die Minigolf-Anlage am Tennisplatz. Für sie sei eine Lösung gefunden, sagt Hauptamtsleiterin Gabriele Lorenz. Die Stadt betreibe die Anlage nun in Eigenregie.

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