Familienvater gesteht vor Gericht schweren sexuellen Missbrauch

Drei Jahre soll der Mann hinter Gitter. Er rang sich im Laufe des Prozesses zu einer Aussage durch und räumte die an seiner Stieftochter begangenen Taten weitgehend ein. Zunächst wies er jedoch alle Schuld von sich.

Marienberg.

Erst als ihm klar wurde, welche Strafe droht, zeigte der Mann Emotionen. Er schaute nervös in den Gerichtssaal, wohl wissend, dass seine Taktik nicht aufgehen würde. Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, sexueller Missbrauch von Kindern in drei Fällen und Missbrauch von Schutzbefohlenen - so lauteten die Vorwürfe, wegen derer er sich am Donnerstag vor dem Marienberger Amtsgericht verantworten musste.

Nach mehr als sechs Stunden Verhandlung fiel das Urteil. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Mann in den Jahren 2015 und 2016 seine Stieftochter sexuell missbrauchte. Die Erzgebirgerin war während des Tatzeitraums zunächst 12 und dann 13 Jahre alt. Sie leidet noch heute massiv unter den Folgen. Um ihr eine Aussage zu ersparen, waren die Vorwürfe eingegrenzt worden. Das tatsächliche Ausmaß war deutlich höher. Er habe Woche für Woche mehrfach von dem Mädchen sexuelle Handlungen vornehmen lassen und die Geschädigte angefasst, hieß es während der Gerichtsverhandlung.

Der Mann versuchte zunächst, sich als Opfer darzustellen. Im Februar 2015 lebte er mit seiner Partnerin, der Stieftochter und gemeinsamen Kindern in einer Wohnung. Die Frau hatte das Mädchen aus einer anderen Beziehung mit in die Familie gebracht. Als seine Stieftochter einen Freund hatte, spitzten sich seinen Worten zufolge die Streitereien zu. Er habe den Jungen aus der Wohnung geworfen. Wenig später sei die Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs erfolgt. "Warum zeigte Ihre Stieftochter Sie an", wollte der Richter wissen. "Sie wollte mich loswerden", antwortete der Angeklagte. Und weiter rechtfertigte er sich: Seine Stieftochter habe die Sexualpraktiken in Videos gesehen und diese in ihre Aussage gegenüber der Polizei einfließen lassen, als sie 2017 Anzeige erstattete. Von den Vorwürfen habe er erst danach erfahren. "Ich war geschockt", sagte der Mann. Der Richter fragte nach: "Also war alles erstunken und erlogen?" Der Angeklagte: "Ja."

Ein anderes Bild vom Geschehenen zeichnete die Mutter des Mädchens. Sie habe nicht gewusst, wem sie glauben solle, als ihre Tochter sich offenbarte. Das sagte sie als Zeugin aus. Jedoch gab es Auffälligkeiten. Der Angeklagte habe an ihr ähnliche sexuelle Praktiken sowie gewaltvolle Handlungen vorgenommen, wie jene von ihrer Tochter beschriebenen. "Sie konnte das nicht wissen." Zudem gab es einen Tagebucheintrag, in dem das Kind sexuelle Handlungen andeutet. Warum die Anzeige so spät erfolgte, erkundigte sich der Richter. Ihre Tochter habe nicht gewollt, dass die Halbgeschwister ohne Vater aufwachsen müssen, so die Mutter.

Erst als das Gericht den Angeklagten nochmals mit den Vorwürfen konfrontierte und ihm verdeutlichte, welch empfindliche Strafe ihm drohe, rückte er von seinen ursprünglichen Schilderungen ab und gestand: Ja, es sei zu sexuellen Kontakten gekommen. Zwang habe es aber nicht gegeben. Seine Stieftochter sei neugierig gewesen. "Sie wollte das ausprobieren." Dies stand im Gegensatz zu dem, was das Mädchen im Vorfeld gegenüber dem beauftragten Gutachter aussagte. Gewalt sei sehr wohl ausgeübt worden. Der Experte schätzte die Geschädigte als glaubwürdig ein.

Das Gericht berücksichtigte sowohl das Teilgeständnis als auch die bestehenden Vorstrafen. Mit seinem Urteil folgte es weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage: drei Jahre Gefängnis, nicht zur Bewährung ausgesetzt. Es können noch Rechtsmittel eingelegt werden. "Ob wir in Berufung gehen, entscheiden wir in den kommenden Tagen", so der Verteidigter des Mannes.

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