Ferkeltaxis stehen in der Region vor einer ungewissen Zukunft

Der Eisenbahnstrecke zwischen Olbernhau und Neuhausen droht in Teilen die Stilllegung. Um den Betrieb auf Dauer aufrechterhalten zu können, sind hohe Investitionen nötig. Doch woher soll das Geld kommen?

Olbernhau/Neuhausen.

Es ist sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebt und lässt sich besonders zu festlichen Anlässen auf der Eisenbahnstrecke zwischen Olbernhau und Neuhausen antreffen: das Ferkeltaxi. So am Sonntag anlässlich des Königinnentreffens in Neuhausen. Jedoch stellt sich inzwischen die Frage, ob die Triebwagen künftig noch in der Region unterwegs sein können. Der Grund: Die Strecke muss saniert werden. Veranschlagte Gesamtkosten: etwa neun Millionen Euro.

In den vergangenen Tagen hat Heinz-Peter Haustein, Bürgermeister von Olbernhau, erneut für den Erhalt der neun Kilometer langen Trasse geworben. So traf er sich mit seinen Amtskollegen der umliegenden Orte wie Neuhausen, Heidersdorf, Deutschneudorf, Seiffen und Sayda. Gemeinsam wurde besprochen, wie sich die Sanierung finanzieren lassen könnte. Haustein will Fördermittel nutzen. Bei diesen sind jedoch oft Eigenmittel nötig.


Eine Möglichkeit: Partner gewinnen, etwa aus der hiesigen Wirtschaft. "Die Strecke könnte nicht nur von Ferkeltaxis genutzt werden, sondern zum Beispiel auch für Holztransporte", sagt Haustein. So ließen sich die Einnahmen erhöhen. Eigentliches Ziel sei es, den Personennahverkehr wiederzubeleben, wie er einst auf dem Abschnitt unterwegs war. Dafür brauche es seitens der Politik den Wille, die Schiene als Transportweg zu stärken, so Haustein. Er hofft angesichts von Forderungen nach einem besseren Klimaschutz auf ein Umdenken.

Trotz ungeklärter Punkte macht Haustein nun Nägel mit Köpfen. Am morgigen Mittwoch soll seine eigens gegründete Eisenbahngesellschaft offiziell neuer Pächter der Strecke werden. Der Termin hatte auf sich warten lassen, weil noch einige Genehmigungen ausstanden. Damit gibt die Erzgebirgsbahn ihre Zuständigkeit ab. Sie will aber weiterhin fachlich unterstützen. Für die Bahntochter entfallen Betriebskosten wie etwa für Grünschnitt, Winterdienst und regelmäßig anstehende Inspektionen. Auf rund 30.000 Euro hätten sich die Kosten im Jahr summiert, sagte Lutz Mehlhorn, Leiter der Erzgebirgsbahn: "Für uns ist die Strecke unrentabel. Wir hätten sie stillgelegt." Mehlhorn weiß um den Zustand der Trasse. So sind Schwellen defekt, es müssen Brücken stabilisiert werden, auch bei der Signaltechnik besteht Handlungsbedarf. Ohne erste Investitionen lasse sich der Abschnitt oberhalb von Oberneuschönberg bis nach Neuhausen nicht weiterbetreiben. Dies wäre in der Region praktisch das Aus für die Ferkeltaxis.

"Wir würden das sehr bedauern", meint Frank Illing von der Traditionsgemeinschaft Ferkeltaxi. Neuhausen sei für den Chemnitzer Verein ein schönes Ziel, etwa zweimal im Jahr wurde der Ort bislang angesteuert. "Wir sind in Deutschland auch auf anderen Strecken unterwegs und müssten die Fahrten verlagern", so Illing. 110 Gäste nutzten am Sonntag nochmals die Gelegenheit, mit dem Ferkeltaxi nach Neuhausen zu fahren. Sie waren teils sogar schon in Chemnitz zugestiegen.

Bei den Bürgermeistern der an die Bahntrasse angrenzenden Orte kommt das Engagement von Heinz-Peter Haustein gut an. Dass er die Strecke retten will, sei sehr zu begrüßen, findet Peter Haustein, Bürgermeister von Neuhausen. Schließlich biete die Trasse nicht nur hinsichtlich des Tourismus sowie der Wirtschaft Chancen, sondern auch in punkto Arbeitskräfte. So könnten Pendler die Bahn nutzen, meint Peter Haustein. Zugleich fragt er sich aber, woher angesichts der knappen Finanzen in den Kommunen die für eine Sanierung benötigten Eigenmittel kommen sollen.

Auch Andreas Börner, Bürgermeister von Heidersdorf, findet für Heinz-Peter Haustein anerkennende Worte. Er regte ein Gesamtkonzept an. Dieses müsse auch Radwege einbeziehen. "Das Projekt hat für uns eine große Bedeutung", betont Martin Wittig, Bürgermeister von Seiffen. Derzeit müssten Touristen per Bus, Taxi oder Hotelshuttle von Olbernhau nach Seiffen fahren. Ein Eisenbahnverkehr bis nach Neuhausen würde die Anreise vereinfachen.


"Das war heute wie eine Zeitreise, einfach toll"

Einer der Mitfahrer des zwischen Olbernhau und Neuhausen verkehrenden Ferkeltaxis ist am Sonntag Michael Kaltofen gewesen. "Das war für mich einfach ein Muss", sagte er. Kaltofen bezeichnet sich selbst als Eisenbahngogel, eine typisch erzgebirgische Bezeichnung für einen Eisenbahnliebhaber. "Ich bin früher viel mit dem Ferkeltaxi gefahren, nach Olbernhau und nach Karl-Marx-Stadt. Vor allem, als ich noch kein Moped hatte. Das war heute wie eine Zeitreise, einfach toll", schwärmte der 55-Jährige. Er hofft, dass die Fahrt doch noch nicht die letzte war und dass die Triebwagen wieder öfter auf der Trasse unterwegs sind. Gerade für den Tourismus seien sie sehr wichtig. "Im öffentlichen Personennahverkehr sehe ich hingegen keine Chance." (dit)

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