Freude über Rückkehrer am Pöhlberg

Der Landschaftspflegeverband Mittleres Erzgebirge hat einen Preis für die Wiederansiedlung des Kreuzdorns bekommen. Davon profitieren Vögel und ein Frühlingsbote.

Mildenau/Annaberg.

Bis er zum ersten Mal blüht, wird es noch einige Zeit dauern. "Aber er ist jetzt über den Berg", sagt Thomas Prantl, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Mittleres Erzgebirge mit Sitz in Mildenau. Mit er meint Prantl den Kreuzdorn - eine einheimische Gehölzart, die noch vor einigen Jahren im Pöhlberggebiet als verschollen gegolten habe. Doch den Landschaftspflegern ist es gelungen, sie wieder anzusiedeln und etwa 1000 junge Sträucher in die Erde zu bringen. Das Saatgut dafür haben sie selbst gewonnen, das Ganze war eine aufwändige Angelegenheit. Doch das Projekt wurde belohnt - mit einem 2. Preis in einem Wettbewerb der Stiftung Deutsche Landschaften.

Beim Kreuzdorn handelt es sich laut Thomas Prantl um einen Großstrauch, der im Herbst energiehaltige schwarze Früchte trägt. Während diese für Menschen giftig sind, seien sie Nahrung für Vögel und das Gehölz zugleich eine Nistmöglichkeit. "Der Kreuzdorn ist auch eine Futterpflanze für den Zitronenfalter. Dessen Raupen ernähren sich von ihm und vom Faulbaum", erklärt der Geschäftsführer.

Noch Ende der 1990er-Jahre sei Kreuzdorn im Pöhlberggebiet nachgewiesen worden, später wurde die Pflanze aber als verschollen eingeordnet. Das schließe allerdings nicht aus, dass es dort noch einige Exemplare gab - aber wenn, dann nur vereinzelt.

Das hat sich mit der Wiederansiedlung des Gewächses geändert. Alles begann vor einigen Jahren damit, dass der Landschaftspfleger rund 1,3 Kilogramm Kreuzdorn-Früchte im Vogtland pflücken konnte. "Das Erntegut wurde in eine Baumschule gebracht, die die Anzucht übernommen hat", erklärt Prantl. Drei Jahre später - 2015 - war es so weit: Die Pflanzware stand zur Verfügung, "richtig kräftige Sträucher". Im selben Jahr kam ein erster Teil davon in die Erde, ein weiterer folgte 2016. Ein Teil des Kreuzdorns wurde in bestehende Feldhecken am Pöhlberg eingepflanzt, das sei gut gelungen. Ein anderer kam bei Neupflanzungen von Hecken mit in den Boden - etwa in Schwarzbach, Crottendorf und Mildenau.

Mindestens 70 Prozent der Sträucher seien gut angewachsen, das freut Prantl und seine Mitstreiter. Denn die Heckenpflege im Gebiet des Altkreises Annaberg ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Generell gehe es um die Erhaltung der hiesigen Kulturlandschaft. "Wir haben noch eine hohe Dichte an Berg- und Nasswiesen und an Feldhecken", sagt der Geschäftsführer. Bis 2018, als der Landschaftspflegeverband Mittleres Erzgebirge sein 20-jähriges Bestehen feierte, seien von diesem 45 Kilometer Hecken neu angelegt worden. Aktuell beschäftigt er sechs feste Mitarbeiter, Saisonkräfte kommen hinzu.

Ein weiterer Bereich der Arbeit ist die Naturschutzqualifizierung für Landwirte. "Die Landschaftspflege funktioniert nur gemeinsam mit den Bauern", sagt Thomas Prantl. Daher würden die Landwirte zu den wichtigsten Partnern des Verbandes gehören. "Wir wollen erreichen, dass Naturschutzleistungen von Landwirten besser honoriert werden."

Dabei gehe es etwa darum, artenreiches Grünland zu erhalten und die Anlage von Hecken zu ermöglichen. Der Landschaftspflegeverband, dem unter anderem alle Kommunen des Altkreises Annaberg als Mitglied angehören, informiert Bauern ebenso über Fördermöglichkeiten und unterstützt sie bei der Antragstellung. Zudem arbeitet der Verband beispielsweise mit Haltern von Schafen und Ziegen zusammen - und solche werden weiter gesucht. Die Tiere würden sich sehr gut für die Nachbeweidung von Bergwiesen eignen.

Und wofür sollen die 2000 Euro Preisgeld der Stiftung Deutsche Landschaften ausgegeben werden? Eventuell wird dafür eine Drohne angeschafft, um die Landschaftspflegearbeit mit Bildern aus der Luft zu dokumentieren. Insgesamt hatte es für den bundesweiten Wettbewerb 26 Einsendungen gegeben. Die Stiftung will die Arbeit der mehr als 170 Landschaftspflegeverbände in Deutschland unterstützen. Das hiesige Projekt habe den 2. Preis auch deshalb erhalten, weil es sowohl einen wissenschaftlichen als auch einen praktischen Ansatz habe, zudem Naturzusammenhänge gut erkläre.

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