Für mehr Kontakt mit den Lieben: Tablets sollen helfen

Die Volkshochschule will denen helfen, die in Sachen Kommunikation abgeschnitten sind. Ein Projekt ist jetzt angelaufen, zehn Geräte wurden in Olbernhau übergeben.

Olbernhau.

Besonders in Senioren- und Pflegeheimen hat die Corona-Pandemie zu Beginn des Ausbruchs zur Vereinsamung älterer Menschen geführt. Lange Zeit blieb den Bewohnern ein Besuch ihrer nächsten Verwandten verwehrt. Inzwischen sind die Kontaktbeschränkungen zwar weitgehend gelockert. Doch gerade im Bereich der Altenpflege ist weiter Vorsicht geboten. Diesem Thema hat sich jetzt die Volkshochschule Erzgebirgskreis (VHS) gewidmet. Die Einrichtung beteiligt sich gemeinsam mit der Volkshochschule Leipziger Land an einem vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz geförderten Projekt.

"Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, denen zu helfen, die in Sachen Kommunikation abgeschnitten sind", sagt der Leiter der Volkshochschule Erzgebirgskreis, Jens Kaltofen. Innerhalb des Projektes übergaben Vertreter der Bildungseinrichtung leihweise zehn Tablets im Wert von rund 3000 Euro an das Seniorenzentrum der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge in Olbernhau. "Es wurde ein pädagogisches Konzept erstellt, das zum Ziel hat, den Bewohnern des Seniorenzentrums die selbstständige Handhabung der Computer zu ermöglichen. Mit deren Hilfe können sie Kontakt zu Angehörigen halten", erklärt Jens Kaltofen.

Erstellt hat das Konzept der Psychologe Peter Zehrt. "Die Geräte bieten ein hohes Potenzial an Kommunikationsmöglichkeiten, wie etwa Videotelefonie, können aber auch für Spiele oder für Internetanwendungen genutzt werden", erklärt der Dresdner, der das Projekt 16 Wochen lang begleiten wird. Zunächst weist er aber zehn Mitarbeiter des Seniorenzentrums in das Konzept ein, damit diese dann den Bewohnern den Umgang mit den Tablets nahe bringen können.

Zu ihnen gehört Corinna Schade. "Dienstlich nutzen wir schon Tablets, etwa zu Dokumentationszwecken. Daher sind wir mit dem Umgang vertraut", sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin. Nach ihren Erfahrungen stellt die Technik viele der Heimbewohner vor keine allzu großen Hürden. "Die Neugier ist da, und wenn die erste Scheu überwunden ist, freuen sich die Menschen, auf diesem Weg Kontakt mit ihren Lieben halten zu können", fügt sie an.

Laut dem Geschäftsführer der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge, Andreas Haustein, haben gerade die vergangenen Wochen gezeigt, wie wichtig die Nutzung moderner Medien sein kann. Viele der Heimbewohner hatten Sehnsucht nach ihren Familienangehörigen und konnten die Folgen der Kon- taktsperre nur schwer kompensieren.

Die Erfahrungen aus dem Projekt wird Peter Zehrt zusammenfassen und die Ergebnisse an das Sächsische Sozialministerium übermitteln. Aus den gewonnenen Erkenntnissen soll dann ein auf die Landkreise übertragbares Konzept entstehen, damit Menschen in Pflegeeinrichtungen Zugang zu digitaler Kommunikation ermöglicht wird.

Andreas Haustein kann sich beispielsweise vorstellen, nach Ende des Projektes einige Tablets anzuschaffen und diese Bewohnern bei Bedarf zur Verfügung zu stellen. "Digitale Kontakte können und sollen persönliche Begegnungen nicht ersetzen, sie sind aber eine Alternative", sagt der Geschäftsführer.

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