Für Schloss Pfaffroda sind noch drei Bewerber im Rennen

Das weitgehend leerstehende Gebäude soll für 60.000 Euro verkauft werden. Von einem Schnäppchen kann aber keine Rede sein. Der neue Eigentümer muss kräftig investieren: rund zwei Millionen Euro.

Pfaffroda.

Die Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge wollen das Schloss Pfaffroda verkaufen, nun rückt ein Vertragsabschluss näher. "Wir hatten ursprünglich vier Bewerber, von denen noch drei im Rennen sind", sagte Geschäftsführer Andreas Haustein auf Nachfrage. Gegen Ende März wollen sich die Gesellschafter - also Vertreter des Klinikums Chemnitz sowie des Klinikums Mittleres Erzgebirge - treffen und eine Entscheidung fällen.

In den vergangenen Wochen war das seit Monaten weitgehend leerstehende Objekt ausgeschrieben. 60.000 Euro soll das unter Denkmalschutz stehende Schloss kosten. Um ein Schnäppchen handelt es sich dabei angesichts des Investitionsbedarfs in Höhe von rund zwei Millionen Euro keineswegs. So ist unter anderem das Dach sanierungsbedürftig. Auch aus diesem Grund hatten sich die Sozialbetriebe 2015 dazu durchgerungen, das im Schloss untergebrachte Seniorenheim zu schließen.

Um wen es sich bei den Bewerbern handelt, ist nicht öffentlich bekannt. Andreas Haustein möchte der Entscheidung nicht vorgreifen und vorab keine Namen nennen. Einer der Bewerber sei abgesprungen, nachdem er sich das Gebäude angesehen hatte. "Uns ist nicht nur wichtig, dass investiert wird, auch das Konzept muss stimmig sein", sagte der Geschäftsführer. Bei den verbliebenen Bewerbern sei dies der Fall. "Sie kommen an sich alle in Frage."

Die Sozialbetriebe hätten aufgrund ihrer Gesellschafter einen kommunalen Hintergrund - das Klinikum Chemnitz ist in Besitz der Stadt Chemnitz, das Klinikum Mittleres Erzgebirge gehört über eine Krankenhausholding dem Landkreis. Dies gehe mit einer entsprechenden Verantwortung einher. Soll heißen: Für Haustein ist das Schloss keine reine Immobilie. Die Sozialbetriebe sind dennoch auf einen zügigen Verkauf angewiesen. Schließlich entstehen fortlaufend höhere Kosten, etwa im Zuge der Verkehrssicherungspflichten sowie der damit verbundenen Erhaltungsmaßnahmen.

Haustein ist zuversichtlich, dass der Verkauf gelingt. Er betonte, dass ihm an einem Fortbestand der im Schloss untergebrachten Einrichtungen gelegen ist. So befindet sich in den Gemäuern das Museum zur Geschichte des Ortes. Darüber hinaus ist das Christliche Jugenddorfwerk "Schlossbrücke" eingemietet. Acht Jugendliche mit Suchthintergrund werden derzeit auf Langzeittherapien vorbereitet. Regelmäßig findet im Schloss der Pfaffrodaer Weihnachtsmarkt statt.

"Wir wünschen uns, dass die Einrichtungen und Veranstaltungen erhalten bleiben", bekräftigte der Olbernhauer Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP). Er wolle sich gegenüber dem neuen Eigentümer dafür einsetzen. Simone Richter, Leiterin des Pfaffrodaer Standortes des Jugenddorfwerks, ist froh über die Unterstützung: "Wir wünschen uns, dass wir hier bleiben können und hoffen, dass sich dies mit dem Konzept des künftigen Eigentümers vereinbaren lässt." Sobald feststeht, wer den Zuschlag erhält, will sie auf ihn zugehen und das Gespräch suchen.


Ursprüngliches Gebäude fällt 30-jährigem Krieg zum Opfer

Das Schloss Pfaffroda weist eine wechselvolle Geschichte auf. Auf einem Felsvorsprung wurde zunächst ein festes Haus errichtet, heißt es dazu auf der Internetseite der einst eigenständigen Gemeinde Pfaffroda.

Erst 1352, als das Rittergeschlecht von Schönberg das Anwesen übernahm, wurde das Haus zu einer Burg ausgebaut. Dabei blieb es nicht. Im Jahr 1575 entstand im Zuge weiterer Arbeiten das Schloss.

Ein vorläufiges Aus brachte der 30-jährige Krieg mit sich. 1643 brannten das Schloss, die Kirche sowie große Teile des Ortes ab. Später begann der Wiederaufbau. Die heute noch vorhandenen Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Von 1879 bis 1936 lebte der Heimatforscher und Schriftsteller Alfons Diener von Schönberg, Sohn von Sara von Schönberg und dem Kammersänger Franz Diener, im Schloss.

Das Deutsche Rote Kreuz richtete 1945/46 im Schloss ein Flüchtlingslager ein. Ab 1947 wurde es als Feierabendheim/Seniorenheim genutzt.

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