Geburtstagspektakel nutzt ganzen Marienberger Markt als Bühne

Mit einiger Verspätung ist am Sonnabend ein Teil der Feierlichkeiten zum 500. Gründungsjubiläum der Bergstadt nachgeholt worden. Dazu kam sogar ein Gast aus Amerika.

Ein Zeitreisender hat es schwer. Vor allem, wenn der Amerikaner - Axel Poike vorn auf der Bühne - auf die etwas zickigen Kammerfrauen einer Prinzessin trifft.
So eine Zeitreise in die Welt vor 500 Jahren kann auch schmerzvoll sein. Den Zeitreisenden im Theaterstück werden buchstäblich die Löffel langgezogen.
Ausgestattet mit Schürze, Rock und Haube - die Kostüme der Schauspielerinnen sind an Klamotten des einfachen Volkes im Jahre 1521 angelehnt.
Las Fuegas zeigten zwischendurch ihr Spiel mit dem Feuer.
Schmiedearbeiten übernehmen heute oft Maschinen. Damals musste Man(n) noch selbst ran.
Auch Wäschewaschen war damals nur von Hand möglich.

Für Sie berichtet: Kjell Riedel

Tausende Besucher sind am Sonnabend ins Zentrum von Marienberg geströmt. Zunächst zum historischen Markttreiben mit Händlern, Spielleuten, Handwerkern und Ritter-Schaukämpfen. Am Abend verwandelte sich der riesige Marktplatz dann in ein großes Theater für "Ein Geburtsspektakel" der besonderen Art.

Das war das Stück aus Anlass des 500. Stadtgründungsjubiläums gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Zuschauer bekamen nämlich nicht etwa 500 Jahre Stadtgeschichte serviert, sondern verschiedene Szenen aus der Zeit davor sowie kurz danach. Und in diesen hüpfte auch noch ein Amerikaner munter von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen, der sich in der Zeit vertan hatte. So boten einige Profis sowie viele Laiendarsteller aus Marienberg und Umgebung allerlei interessante historische Fakten dar, gewürzt mit aktuellen Bezügen. Als Spielfläche nutzten sie dabei quasi den kompletten Markt. Gab es doch neben der zentralen Bühne in der Mitte vier weitere Bühnen an den Ecken des Platzes.

Zwischen den einzelnen Szenen erklang mittelalterliche Musik und Artisten zeigten mit Schwert und Feuer ihr Können. Für den emotionalen Abschluss sorgte schließlich Sängerin Annie Barthel aus Geyer im Duett mit dem aus Schlettau stammenden Musiker, Komponisten und Produzenten Arnold "Murmel" Fritzsch und einer Fassung des Volkslieds "Wu de Wälder haamlich rauschen" von Anton Günther.

Axel Poike, Autor des Spektakels, Regisseur und als Amerikaner auch Hauptakteur, war am Ende sehr zufrieden. "Die Zusammenarbeit mit der Baldauf-Villa, mit den Darstellern - gerade mit den vielen Laien - hat Spaß gemacht. Und ich hoffe und glaube, den hatten die Zuschauer auch", sagte der aus Sachsen stammende Berliner und fügte an: "Wir wollten ja nicht 500 Jahre Geschichte erzählen und ebenso kein durchgängiges Theaterstück aufführen." Es sei um ein mittelalterlich anmutendes Spektakel gegangen, das mehr Abwechslung und damit größeren Unterhaltungswert bietet, erklärte der erfahrene Schauspieler.

In der Stärke dieser Idee lag aber zugleich auch ihre Schwäche. Fehlte doch manchem Zuschauer ein wenig der rote Faden. "Die Geschichte wird halt immer wieder unterbrochen", sagte Alexander Seerig aus Pobershau. Wie seine Frau Silke sah er indes auch, dass die Zwischenspiele das Ganze auflockerten. "Durch die vielen Bühnen wiederum sieht man manchmal schlecht, je nachdem, wo man als Zuschauer sitzt oder steht", so Silke Seerig. Gerade die Showeinlagen hätten ihrer Meinung nach besser alle auf der mittleren Bühne gezeigt werden sollen. Dass das Stück eher nichts für Mia (6) und Lennard (12) sein würde, war den Seerigs dagegen vorher klar. Die Kinder freuten sich dafür auf das Abschlussfeuerwerk. Insgesamt fiel das Fazit positiv aus. "Nachdem so lange nichts los war, ist es einfach schön", sagte Silke Seerig.

Angetan von dem, was sich in seiner Stadt abspielte, zeigte sich auch Oberbürgermeister André Heinrich. Er dankte im Kostüm des ersten Bürgermeisters der Stadt den Beteiligten - allen voran dem Team der Baldauf-Villa um Constanze Ulbricht - für das Herzblut, mit dem sie etwas Tolles und Außergewöhnliches geleistet hätten. Solches Lob hörten Mitwirkende wie Jana Hinkel aus Schmalzgrube, Davina Hinkel aus Ehrenfriedersdorf und Finja Hinkel aus Mildenau natürlich gern. "Es war aufregend, aber toll", sagte Finja Hinkel. Zwar hat die 21-Jährige schön öfter Theater gespielt, zum Beispiel im Erzhammer in Annaberg, es sei jedoch jedes Mal etwas Besonderes. "Wir hatten natürlich gehofft, dass viele Zuschauer kommen. Dass es nun so viele waren, ist schön", freute sich Mama Jana Hinkel. Und eine Botschaft des Zeitreisenden aus Amerika nahmen alle nach dem Feuerwerk mit heim: "Die Seuchen kommen und gehen, aber Marienberg bleibt bestehen."

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