Geistliches Musikstück feiert in Wolkensteiner Kirche Premiere

Die Motette "Der barmherzige Samariter" ist am Samstag zum ersten Mal erklungen. Chor, Komponist und Solist erhielten viel Applaus. Dabei war es eigentlich kein Konzert.

Wolkenstein.

So häufig kommt es in der Wolkensteiner St. Bartholomäuskirche nicht vor, genau genommen eigentlich gar nicht, dass ein geistliches Musikstück hier seine Uraufführung feiert. Am Samstag war es so weit. Innerhalb des Konzerts "Kyrie! - Barmherzigkeit", Musik zu einem zeitlosen Thema, erklang das Stück "Der barmherzige Samariter" für Violine und Chor von Sebastian Paul Rehnert zum allerersten Mal. Eingebettet in die Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-Moll von Johann Sebastian Bach, in der dieser seine tiefe Erschütterung über den plötzlichen Tod seiner Frau mittels einer Violine mit Disharmonien zum Ausdruck brachte, wurde das neue Werk eines modernen Lautmalers präsentiert.

Glänzend rübergebracht wurde das gesamte Programm von den Cantorianern unter der Leitung von Martin Sturm, einem Chor aus Chemnitz, der in der Vokalmusik der Renaissance und Moderne zu Hause ist. Eckehard Erben aus Chemnitz war der Solist, der sowohl im Bach-Stück wie auch im "Barmherzigen Samariter" seine Violine eindrucksvoll und eindrücklich spielte.

Dieses Jahr steht in der Kirchgemeinde ganz im Zeichen des Jubiläums anlässlich 200 Jahre Steinmüllerorgel. Ein Chorkonzert ohne Orgelklang passt da eigentlich gar nicht hinein. "Passt aber doch", sagt Kantor Dietmar Klemm und erläutert, dass das, was die mehr als 50 Zuhörer verfolgt haben, gar kein Konzert war. "Es war vielmehr ein Gottesdienst, wenn auch ein ganz besonderer", ordnet der Wolkensteiner den Auftritt ein. Die Cantorianer aus Chemnitz hatte er schon vor einer ganzen Weile verpflichtet. Dass sie mit einer Uraufführung im Gepäck auftauchen, war die Kirsche auf der Sahne.

Der Chor nennt sich nach einem fiktiven Orden aus dem Film "Vaya con Dios". Auch mit gregorianischer Musik glänzten die Chemnitzer, die von den Zuhörern stürmisch gefeiert wurden und auch eine erhoffte und erneut glänzend vorgetragene Zugabe darboten. Sebastian Paul Rehnert, der Komponist der Motette "Der barmherzige Samariter", ist erst 29 Jahre alt, lebt in Dresden, hat unter anderem Kontrabass studiert und arbeitet an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. Am Samstag kam gleich ein weiterer Auftrag für den jungen Komponisten hinzu. Violinist Eckehard Erben beauftragte ihn, "für eine private Feier ein kleines Stück von drei, vier Minuten Länge für zwei Bratschen, Kontrabass und Blockflöte" bis Oktober zu komponieren.


"Wenn ich etwas komponiere, höre ich die Musik in Gedanken vor meinem Ohr"

Sebastian Paul Rehnert ist Komponist der Motette "Der barmherzige Samariter". Mit dem gebürtigen Freiberger hat Dirk Trautmann gesprochen.

"Freie Presse": Sie haben gerade einen Auftrag angenommen. Ihre schnelle Zusage lässt vermuten, dass Sie nichts zu tun haben oder es Ihnen besonders leicht fällt.

Sebastian Paul Rehnert: (lacht) Zu tun habe ich genug, aber es fällt mir wirklich nicht schwer. Wenn ich etwas komponiere, höre ich in Gedanken die Musik vor meinem Ohr. Das fällt mir leicht.

Warum haben Sie für "Der barmherzige Samariter" die Violine als Soloinstrument gewählt?

Ich habe stilistisch die Violine gewählt, weil ich orientalisch angehauchte Klänge haben wollte. Im Bibeltext kommen ja auch die Städte Jerusalem und Jericho vor. Diese Klänge lassen sich mit der Violine sehr gut umsetzen.

Sie haben auch zum ersten Mal Ihr Stück gehört. Ist die Umsetzung gelungen?

Ich höre als Komponist natürlich das eine oder andere, das ich mir anders gedacht hatte. Aber das sind Nuancen. Insgesamt es ist gut gelungen.

Warum fand die Uraufführung in Wolkenstein statt und gibt es weitere Aufführungen?

Die Cantorianer waren für Wolkenstein gebucht und da hat es einfach sehr gut gepasst. Am 3. November in der Jakobikirche Chemnitz und am 4. November in der Stadtkirche Mittweida ist das ganze Programm noch einmal zu hören.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...