Gleich drei Dinge auf einmal

Kostbarkeiten: Die Dörfer Grünhainichen, Borstendorf, Waldkirchen und Börnichen waren einst Hochburgen der Holzspielzeugproduktion. "Freie Presse" geht Erzeugnissen und Produzenten nach. Heute: die Arche Noah.

Grünhainichen.

Zu den einst von Kunden gefragten und noch heute bei Sammlern begehrten Artikeln aus dem Grünhainichener Spielzeugwinkel gehört das Modell der Arche Noah aus der früheren Firma Eduard Gläser. "Etwa ab 1850 wurden in dessen Betrieb Holzspielwaren der hochwertigeren Art gefertigt", berichtet der Grünhainichener Antikhändler Ralph Geisler. Neben der Arche Noah waren das beispielsweise Menagerien, Geburtstagsringe und Lichterengel.

Als beachtenswert gilt die Verarbeitung des biblischen Schiffsmodells. "Aus Stroh geflochtene Intarsien des hölzernen Bootsaufbaus lassen staunen: Die Verzierungen sind nicht aufgemalt." Allerdings habe Max Gläser, der Nachfahre von Eduard Gläser, aber gerade darin später Einsparpotenzial gesehen und die Intarsien weggelassen.

Ralph Geisler berichtet, dass die Kundschaft drei wesentliche Funktionen an dem Erzeugnis geschätzt hat: zum einen die unmittelbare Bestimmung als strapazierfähiges Spielzeug. Außerdem hatte die Arche einen Bildungseffekt: Die Kinder lernten die Namen der Tiere. "Je nach Geldbörse der Eltern gehörten 60 Paare und mehr dazu. Zudem wurde spielerisch ein Kapitel der Religionsgeschichte weitergegeben", so Geisler. Die Arche Noah könne als exemplarisches Beispiel für Lernspielzeug angesehen werden.

Ralph Geisler weiß von dem Kuriosum zu berichten, dass es derartige Spielzeugartikel auf dem heimischen Markt zunächst schwerer hatten, anerkannt zu werden. Der betuchte Sachse in den Großstädten habe eher hochmütig auf Erzeugnisse aus dem Erzgebirge herabgesehen. "Produkte aus der armen Region galten als weniger angesehen, nicht dem Käuferstatus entsprechend. Ihnen fehlte es noch an Renommee. Umso erstaunlicher war es, dass die Artikel dann dennoch ihre Käufer in Sachsen fanden." Und zwar über Nürnberg. Denn die Verleger hätten die Ware in die Spielzeughochburg im Frankenland, damals schon weltbekannt, geliefert. "Die von dort gehandelten Erzeugnisse galten für wohlhabendere Zeitgenossen dann als anerkannt."

Erstaunlicherweise habe sich im Laufe der Jahre diese Sicht geändert. "Jetzt wurden vor allem heimische Spielwaren gekauft, gerade erzgebirgische Dinge wurden geschätzt. Man half mit dem Kauf den hiesigen Herstellern. Dies erklärt auch den Fakt, dass in der Region beispielsweise Teddys weniger verbreitet waren und auch Blechspielzeug nicht die große Rolle gespielt hat, wie in anderen deutschen Landesteilen."

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