Glosse : Digitale Aufrüstung

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt man. Wer hat das als Kind nicht tausendfach von gutmeinenden Eltern, Großeltern und Lehrern gehört? Auch wenn dieses Argument - insbesondere bei einem Sackvoll Hausaufgaben vor Augen - viele Schüler nie wirklich überzeugen konnte: Es ist etwas dran. Das geht den meisten Betroffenen nur eben immer erst nach der Penne auf. Nun hat der Freistaat über 14 Millionen Euro für hiesige Schulen lockergemacht - eine dicke Investition in das Leben sozusagen. Die hätte mancher gern schon etwas früher gesehen. Singen Eltern, Schüler, Lehrer und Direktoren nicht schon seit Jahren Klagelieder über marode Gebäude, fehlende Ausstattung, schlechte Infrastruktur? Naja, manches geht einem eben erst später auf, wie gesagt.

Leider wird die wohlgemeinte Finanzspritze aber bei weitem nicht ausreichen, denn digitale Aufrüstung ist gefragt: Just jammerte nämlich eine Partei herum, es äußerten sich Lehrer kritisch über sie - und will nun Schüler dazu motivieren, jene Pädagogen zu melden. Allerdings: Schüler haben doch schon genug mit sich selbst zu tun und verbringen ihre Freizeit lieber mit Instagram, Snapchat und Youtube, anstatt Beschwerdetexte in ein Kontaktformular zu tippen. Also wenn schon anschwärzen, dann richtig - mit Videokameras, Mikrofonen und vielleicht auch ein paar "Gastschülern", die den Unterricht live verfolgen. Dann wird das mit der Erziehung zum kritischen Denken und dem Lernen für's Leben zwar nicht mehr so gut klappen. Aber man hat gute Chancen, später mal als Spion zu arbeiten.

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