Glosse : Gelbwesten im Erzgebirge

Wir hatten schon befürchtet, dass der Protest von Westen her irgendwann über die Landesgrenze schwappt - nun ist es wahr geworden: Die sogenannten Gelbwesten revoltieren nun auch bei uns. Ursprünglich haben diese in Frankreich mit Protesten gegen den selbstherrlichen Stil des dortigen Präsidenten Macron angefangen. Nun aber der Schock: In den vergangenen drei Tagen waren zahlreiche der Aktivisten im Erzgebirge zu sehen. Auf nahezu allen Straßen konnte man sie massenweise entdecken und ihre radikale Forderung vernehmen: Weg mit dem Schnee! Die meisten schlossen sich dem Protest spontan an: Sie waren in Lkw (einige auch mit Autos) auf den hiesigen Bundes- und Staatsstraßen unterwegs. Und irgendwann reichte es ihnen mit den ganzen Flocken und dem schneematschrutschigen Untergrund, auf dem sie kaum noch vorankamen. So hielten die Revoltierenden auf der Straße und stiegen aus. Sie streiften sich ihre knallig-neongelben Erkennungszeichen - die Verkehrswarnwesten - über und gingen die Straßen entlang, um ihrem Ärger über den Schnee Luft zu machen. Vielerorts standen die Gelbwesten zusammen und mauschelten, während Polizeifahrzeuge kreuzten und Beamte die Leute beobachteten und versuchten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Protestierenden waren sogar mit Schippen und Besen, mit Streugut und heißem Tee bewaffnet - offenbar bereit für den bevorstehenden Straßen-Schnee-Kampf. Manche griffen sogar zu psychologischer Kriegsführung im Stile von: Mach kaputt, was Dich kaputt macht. Weil sie in dem Schneechaos nicht vorankamen, stellten sie ihre Lkw einfach quer auf die Straßen oder in die Straßengräben, sodass schlussendlich überhaupt niemand mehr vorbeikam. Die Blockade wirkte. Ob B 174, B 101 oder selbst die kleinsten Ausweichstrecken, die ein Brummi-Navi anzuzeigen vermag: Überall wurde blockiert, selbst über Nacht. Nicht mal das winzigste Auto, geschweige denn Rettungsfahrzeuge und Zeitungsreporter, kamen vorbei und strandeten daher ebenfalls unterwegs. Manche schlossen sich daraufhin sogar selbst den Protestierenden an und skandierten lautstark die zentrale Forderung: Weg mit dem Schnee! Warten wir also ab. Die Gelbwesten versprachen, mit ihren Fahrzeugen standhaft zu bleiben - im wahrsten Sinne des Wortes. Bis der Schnee weg ist.

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