Glosse: "O bis O" trotz Klimawandels

Langsam scheint es wirklich brenzlig zu werden. Denn jetzt ist er auch bei uns im Erzgebirge angekommen. Doch viele Menschen ignorieren ihn einfach weiter. Stattdessen befolgen sie weiterhin die alte "O-bis-O-Regel" und zogen Anfang dieser Woche trotz Sonnenschein und Temperaturen von zum Teil über 25 Grad die Winterreifen auf. Gut, der steigende Meeresspiegel gibt nicht allen zwischen Waldkirchen und Kühnhaide zu denken. Aber hemdsärmelige Räderwechsel im Herbst?

Neben kalbenden Eisbergen zeugen seit Montag nun auch stramme Männerwaden vom Klimawandel. Zwar nur knapp hinter der Kreisgrenze, aber immerhin noch vor dem Ende der Erzgebirgsnordrandstufe. In einer Autowerkstatt im Augustusburger Ortsteil Grünberg montierte ein Mitarbeiter erstmals in seiner Berufslaufbahn in kurzen Hosen Winterräder auf die Fahrzeuge der Kunden. Rund um die Uhr. "Von Oktober bis Ostern bedeutet nun mal von Oktober bis Ostern", zeigte der Mann während einer kurzen Trinkpause Verständnis für die Fahrzeugführer, wrang den Schweiß aus seinem klitschnassen Stirnband und trug eine neue Schicht Sunblocker (Lichtschutzfaktor 50+) auf seine feuerroten Unterarme auf.

Um Klimawandel dürften sich seit Dienstagabend nun auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schlößchen Gedanken machen. Dank Breitbandausbau in dem Amtsberger Ortsteil bekommt die Truppe zwar schnelles Internet in ihre Fahrzeughalle. Sollten die Wetterwechsel eines Tages jedoch schneller sein als die Übertragungsgeschwindigkeit von Daten in einem Glasfaserkabel, könnte die Ortswehr ein Problem bekommen. Denn was ist, wenn der Winterdienst in einer Julinacht einen Schneehaufen in die Ausfahrt der Halle schiebt?

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