"Goldene Sonne" in Wolkenstein erstrahlt in neuem Glanz

Das ortsbildprägende Gebäude ist gerettet - dank eines Investors aus dem Ort. Er hat es aufwendig sanieren lassen. Nun soll an der Kreuzung auch noch das Spiegel-Problem angepackt werden.

Wolkenstein.

Petra Riedel steht gemeinsam mit ihrer Familie vor der "Goldenen Sonne" in Wolkenstein. "Das Gebäude ist kaum wiederzuerkennen", sagt die 75-Jährige. Dass es einmal so schön aussehen würde, habe sie sich kaum vorstellen können. Die Wolkensteinerin lebte viele Jahre lang in dem ortsbildprägenden Haus, das in den vergangenen Monaten nach vielen Eigentümerwechseln sowie einigen Wirrungen umfassend saniert wurde. Die feierliche Einweihung wollte sich die Rentnerin nicht entgehen lassen.

Eine Summe im oberen sechsstelligen Bereich wurde investiert. Drei Wohnungen entstanden. Sie alle haben schon längst neue Mieter gefunden, sodass der Bezug starten kann. Investor Jens Weigelt ist zufrieden. Die Sanierung sei weitgehend im Zeitplan geblieben. Größere Probleme habe es nicht gegeben. So wurde die "Goldene Sonne", sie befindet sich an der Kreuzung Freiberger Straße/Annaberger Straße, zunächst entkernt. Alte Decken, marode Wände und Türen mussten weichen. Anschließend bauten die Arbeiter neue Decken ein. Wände wurden errichtet. Jens Weigelt ließ zudem die Dachkonstruktion verstärken. Beim späteren Innenausbau blieb das Treppenhaus in seiner historischen Form erhalten. Weigelt: "Eine Auflage des Denkmalschutzes." Die Wohnungszuschnitte gestalteten sich entsprechend schwierig. Doch auch diese Herausforderung wurde gemeistert.

Dabei war der "Goldenen Sonne" viele Jahre eine ungewisse Zukunft beschieden. Da sich der Zustand des Gebäudes immer weiter verschlechterte, stand sogar zwischenzeitlich ein Abriss im Raum. Dazu kam es nicht, zur Erleichterung der Stadtverwaltung. Sonst hätte dauerhaft eine Lücke im Ortszentrum gedroht.

Weigelt betreibt mit seiner Familie einige Häuser weiter eine Pension. Für sie brauchte er Parkplätze. Da das an die "Goldene Sonne" angrenzende Haus in einem schlechten Zustand war, entschied er sich, es zu kaufen und durch einen Abriss Platz für Stellflächen zu schaffen. "Die ,Goldene Sonne' gehörte zum Flurstück", sagt der Investor. So ging sie mit in sein Eigentum über.

Zunächst war viel Geduld gefragt. Denn das Areal befand sich in Besitz eines Londoners. Er hatte einst die "Goldene Sonne" ersteigert, sich mit dem Gebäude aber offenbar übernommen. Die Kontaktaufnahme gestaltete sich schwierig, doch schließlich gelang mit Unterstützung der Stadt vor etwa acht Jahren der Eigentümerwechsel. Jens Weigelt beantragte Fördermittel. Mehr als 400.000 Euro schossen Bund, Freistaat und Kommune angesichts der teuren Sanierung zu.

Für Wolfram Liebing ist die Summe gut investiertes Geld. Der Wolkensteiner Bürgermeister betont, dass Jens Weigelt ein Glücksfall sei. Zwar wurden in der Stadt schon einige historische Gebäude auf Vordermann gebracht, bei vielen anderen besteht aber noch Handlungsbedarf. Mit einigen Eigentümern steht Liebing in Kontakt. Er hofft auf weitere Investitionen.

Zunächst ist die Stadtverwaltung noch an der "Goldenen Sonne" gefordert. An der Kreuzung befindet sich ein Verkehrsspiegel. Es werde geprüft, ihn versetzen zu lassen, sagt Liebing. Wenn Lastwagen auf die Annaberger Straße einbiegen, geht es auf der Kreuzung sehr knapp zu. Schon mehrfach wurde der Spiegel geschrammt. Zusätzliches Problem: Der Schriftzug "Goldene Sonne" befindet sich am vorderen Teil des Gebäudes, damit er von der Freiberger Straße aus sichtbar ist - ein Wunsch des Denkmalschutzes. Da sich genau dort der Spiegel befindet, sind die Buchstaben aber verdeckt.


"Goldene Sonne" wechselt immer wieder den Besitzer

Auf dem Gelände der "Goldenen Sonne" befand sich einst eine Garküche, wie Guntram Petzold von den Erzgebirgsfreunden Wolkenstein informiert. Im Jahr 1785 verkaufte die Stadt Wolkenstein das baufällige Gebäude an den Bäckermeister Karl Wilhelm Melzer. Dieser ließ auf dem Areal für 4000 Taler ein neues Gebäude errichten und übernahm die Konzession sowie den Namen seines bisherigen Gasthofes, der bis 1785 bestand.

In den folgenden Jahren wechselte das Gasthaus immer wieder den Besitzer - allein bis 1888 neun Mal. Diese Entwicklung setzte sich weiter fort. Während der Zeit des Uran-Bergbaus (1947 bis 1953) kamen in dem Hotel Bergarbeiter der SDAG Wismut unter. Später wurde es Betriebsferienheim des VEB Braunkohlekombinat Senftenberg sowie später der HO Senftenberg. Ab 1964 wurde die "Goldene Sonne" zur Betriebsküche.

1988 begann ein Umbau des Gebäudes, der jedoch misslang. Ähnlich erging es einem Investor im Jahr 1990. Auch er scheiterte mit seinem Sanierungsversuch. Wenig später ersteigerte ein Wuppertaler Verein das Haus. Er wollte Wohnungen einrichten. Allerdings musste der Verein Insolvenz anmelden. 2007 ersteigerte schließlich ein Londoner die "Goldene Sonne". Er ließ das Gebäude weiter verfallen. (geom)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Interessierte
    26.09.2019

    Das hat aber schon viel durchgemacht , das Haus , aber ´schön` ist es jetzt geworden , danke eines Investors aus dem Ort ….



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