Graffiti-Sprayer treiben in Olbernhau ihr Unwesen

Immer wieder tauchen im Stadtgebiet Schmierereien auf. Nun wurde eines der prominentesten Gebäude Ziel einer Verunzierung.

Olbernhau.

Für die einen ist es Kunst, für andere Schmiererei, die Ärger und Kosten verursacht. An Graffiti-Malerei scheiden sich noch heute die Geister. Fakt ist, dass es sich um eine Straftat handelt, wenn fremdes Eigentum besprüht wurde. Das ist jüngst an prominenter Stelle in Olbernhau geschehen: Ein Graffiti-Sprayer hatte sich das Rathaus ausgesucht.

Mit leuchtend grüner Farbe wurde alles besprüht, was sich entlang des Weges befand: Fallrohre und Fahrradständer am Rathaus, der Zaun des angrenzenden Gebäudes der Forstverwaltung und auch die Lindenbrücke blieben nicht verschont. Gesamtschaden: rund 1000 Euro. "Das ist sehr ärgerlich", sagt Hauptamtsleiter Benjamin Flor und ergänzt: "Jeder Fall wird von uns zur Anzeige gebracht."

Dabei ist das Rathaus nicht der einzige Ort in der Stadt, an denen sich Graffiti-Sprüher versucht haben. Seit Jahren tauchen immer wieder Schmierereien im Stadtgebiet auf. Zwölf Fälle von Sachbeschädigung an kommunalen Eigentum durch Graffiti mit einem Gesamtschaden von 4120 Euro hat die Stadtverwaltung in den zurückliegenden drei Jahren bei der Polizei gemeldet. Hinzu kommen die angezeigten Schmierereien an privatem Eigentum. So verzeichnete die Polizeidirektion Chemnitz im Stadtgebiet Olbernhau 2016 insgesamt 26 angezeigte Graffiti, 2017 waren es 14 und 2018 fünf. Nach dem mehrjährigen Rückgang ist laut Polizeisprecherin Doreen Göhler im laufenden Jahr allerdings wieder ein Anstieg zu erwarten.

Die Ermittlungen in diesem Bereich gestalten sich schwierig, da die Schmiererei meist erst entdeckt wird, wenn die Täter längst verschwunden sind. So konnte die Polizeidirektion Chemnitz in Olbernhau 2016 drei, 2017 zwei und 2018 keinen Fall aufklären. Hinzu kommen die Zahlen, die die zuständige Bundespolizei für die Bahnanlagen in Olbernhau nennt: 20 Fälle in den zurückliegenden drei Jahren. Davon wurden drei Fälle aufgeklärt. Der Gesamtschaden: rund 10.000 Euro. Die Anlagen der Bahn sind bei den Graffiti-Sprühern besonders beliebt, da deren Areale meist sehr weiträumig und daher unübersichtlich sind. Die vorbeifahrenden Personenzüge bringen zudem Publikum.

Doch welche Möglichkeiten hat eine Stadt, gegen das latente Problem mit den Schmierereien vorzugehen? Ratschläge kann der Experte Martin Steinigeweg geben. Er ist Vorstand im Interessenverband Anti-Graffiti und berät in dieser Funktion europaweit Städte, Immobilieneigner und Firmen über Möglichkeiten, die illegalen Schmierereien in den Griff zu bekommen. Er sagt: "Den Graffiti-Sprühern müssen die Leinwände genommen werden." Dabei verweist er zum einen auf konventionelle Methoden wie einen graffitiabweisenden Schutzlack, Zäune sowie Kameras. "Um Nachahmer abzuschrecken, sollten in jedem Fall die Graffiti schnell entfernt werden", so Steinigeweg.

Aber auch kleine Änderungen können laut Steinigeweg Graffiti-Sprüher abschrecken. Etwa eine grelle Beleuchtung oder die Verwendung mehrerer Farben. "Die Sprayer wollen maximale Effekte und Aufmerksamkeit, ein mehrfarbiger Untergrund entzieht diese Wirkung", erläutert der Graffiti-Experte. Vom Gebrauch von Schutzfolien rät Steinigeweg indes dringend ab. Denn diese erhöhen die Gefahr von Schimmelbefall am Mauerwerk. Da es sich bei den Graffitisprayern meist um Jugendliche handelt, rät er zudem, einen runden Tisch mit Vertretern von Stadtverwaltung, Jugendeinrichtungen und Vereinen einzurichten. Ein mögliches Ziel: sogenannte Legal Plains, also Flächen, auf denen legal gesprüht werden kann. "Diese müssten dann aber von fachkundigem Personal kontrolliert werden, das die Jugendlichen anleitet", sagt Martin Steinigeweg.

Einen Schritt in diese Richtung will die Stadt angehen. Legale Flächen zum Graffiti-Sprühen gibt es in Olbernhau noch nicht. Allerdings soll deren Einrichtung nun geprüft werden, sagt Hauptamtsleiter Benjamin Flor.

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