Großvermieter rüstet Altbauten mit Rauchmeldern aus

Nicht alle Mieter sind über die Initiative der Zschopauer Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH erfreut. Doch es gibt gute Gründe dafür.

Zschopau/Marienberg.

Fachleute wie Kreisbandmeister Lutz Lorenz plädieren längst dafür, Rauchwarnmelder auch in Altbauten zu installieren. Die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH (GGZ) Zschopau hat jetzt die Initiative ergriffen und als einer der ersten großen Vermieter im mittleren Erzgebirge damit begonnen, die Technik einzubauen. 100 Wohnungen auf der Bertolt-Brecht-Straße wurden bislang ausgerüstet, 100 weitere sollen dieses Jahr folgen.

Zwar ist Sachsen das einzige Bundesland, in dem die Einbaupflicht nur für Neubauten und bei Komplettsanierungen gilt. Die GGZ will jedoch vorbeugen. Zumal Geschäftsführerin Kerstin Rümmler einen Ansturm auf Fachfirmen befürchtet, sollten eines Tages doch noch Vermieter zum Einbau der Geräte in Bestandsbauten verpflichtet werden. Nicht zuletzt hat die GGZ-Chefin in ihrer 30-jährigen Berufslaufbahn etliche Wohnungsbrände miterlebt, von denen mancher nicht glimpflich ausging.

So geschehen Ende der 1990er-Jahre auf der Bertolt-Brecht-Straße. Eine Frau versuchte, sich mit einem Sprung aus dem vierten Stock zu retten, verfehlte aber das Sprungtuch. "Sie hatte sich beide Beine gebrochen", erinnert sich die GGZ-Geschäftsführerin. Ein im Kinderzimmer eingeschlossenes Kind konnte gerettet werden. Die Wohnung war ausgebrannt. Ursache: ein zu nahe an einem Nachtspeicherofen stehendes Sofa. Ein Elektriker hatte die Familie laut Rümmler noch zwei Wochen zuvor bei Wartungsarbeiten gewarnt, das Sofa, dem ein Bein fehlte, an den Ofen zu lehnen.

Wenige Jahre zuvor war ein Silvesterknaller in einen Wohnblock im August-Bebel-Gebiet geflogen. "Während die Familie vorm Haus feierte, brannte oben die Wohnung aus." Vor etwa 20 Jahren war in der Oststadt das Dach eines GGZ-Wohnhauses entflammt. Als Ursache kam wohl eine überlastete Stromleitung infrage. "In dem Gebäude flog häufig die Sicherung raus", erinnert sich Kerstin Rümmler. In Verbindung mit dem Anschluss einer elektrischen Heizung zur Warmwasserbereitung habe sich das Ganze entzündet. Mehrfach brannte es in den 1990er-Jahren im Straubeweg. "Jemand hatte mehrfach im Keller gezündelt. Die Straße trug deshalb den Beinamen Brandgasse. Keiner mochte dort hinziehen", so Rümmler. Auch aus dem altersgerechten Block oberhalb der Schwimmhalle qualmte es in der Vergangenheit hin und wieder. Topflappen auf der Herdplatte oder ein Plastiktopf im Backofen sind Ursachen, an die sich Kerstin Rümmler erinnert.

Manche Brände hätten mit Rauchwarnmeldern verhindert werden können, ist die GGZ-Chefin überzeugt. Selbst wenn gerade niemand in der Wohnung ist, würden Nachbarn das laute Piepsen der Melder hören können. "Vor allem geht es aber darum, dass keiner im Schlaf von einem Feuer überrascht wird."

Die Zustimmung unter den Mietern ist laut Rümmler verhalten: "Bedankt hat sich noch keiner." Einige würden fragen, warum die GGZ die Melder jetzt ohne Not einbaut. Ärgern könnten sich Bewohner, die selbst Vorsorge getroffen haben. In einem Faltblatt verweist das Wohnungsunternehmen auf die Rechtssprechung, wonach Mieter auch dann den Melder-Einbau dulden müssen, wenn sie schon selbst die Wohnung damit ausgestattet haben.

Auf die Betriebskosten werde der jährlich anfallende Betrag für Wartung und Kontrolle pro Gerät umgelegt. Den Melder erhalten Schlafräume, Wohnzimmer und Flure, nicht aber Küchen und Bäder. In einer Zweiraumwohnung können bis zu drei Geräte zusammenkommen, in größeren Wohnungen sind es entsprechend mehr.

Die Umrüstung wird sich über Jahre hinziehen. Rümmler: "Bei uns geschieht das mit dem turnusmäßigen Wechsel der Wasserzähler." Nach der Brecht-Straße in diesem Jahr will die GGZ 2019 den Bereich der Auenstraße in Angriff nehmen.

Vorerst keinen Grund zum Handeln sieht dagegen die Wohnungsgenossenschaft "Glück Auf" (WBG) in Marienberg. Auf die Zschopauer Initiative angesprochen, erklärt Annegret Baaske vom Vorstand: "Ja, ich habe von den Plänen gehört. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass mehr Produkte auf den Markt drängen." Die Tendenz gehe sogar dahin, dass die Meldesysteme günstiger würden. Im Fall des Falles rechnet sie also damit, Ware zu bekommen. Dass die WBG von einer plötzlichen Rauchmelderpflicht überrascht wird, hält Baaske für nicht wahrscheinlich: "Gesetze treten ja nicht von heute auf morgen in Kraft."

Viele Mieter hätten in den 1091 Wohnungen der Genossenschaft selbst Melder angebracht, berichtet der WBG-Vorstand. Und die Bewohner seien umsichtig. Der einzige Brand, von dem Baaske weiß, ereignete sich 2014 und war schwerwiegend. Damals wurde eine Frau schwer verletzt, nachdem ein trockener Weihnachtsbaum in Flammen aufgegangen war. "In dem Fall", so Baaske, "hätte wohl auch der Rauchmelder nichts genutzt."


Rauchvergiftung meist Todesursache bei Bränden

Seit 1. Januar 2016 müssen Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flure von neu gebauten Wohnungen mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Die zuvor vom Landtag beschlossene Änderung des Bauordnungsrechts trifft auch Bestandsbauten, wenn "wesentliche Änderungen" vorgenommen werden.

Der Messdienstleister Kalorimeta (Kalo) schätzt, dass in Sachsen pro Jahr Zehntausende Wohnräume mit Sensoren ausgerüstet werden müssen. Laut Kalo-Erhebung sind seit 2011 pro Jahr in Sachsen im Durchschnitt 6000 Wohnungen mit 29.000 Wohnräumen fertiggestellt worden.

Bundesweit sterben jedes Jahr etwa 500 Menschen nach Bränden, die Mehrheit in Privathaushalten, heißt es beim Deutschen Feuerwehrverband. Todesursache bei 95 Prozent aller Opfer: Rauchvergiftung. (are)

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