Grotesk? Eine Irrenanstalt als Schaltzentrale der Macht

Ihre Uraufführung haben sie 1962 erlebt: "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt. Doch aktuell ist das Stück bis heute. Am Sonntag steht die Premiere im heimischen Theater auf dem Spielplan.

Annaberg-Buchholz.

Sie ist heute so aktuell wie 1962 - die Frage nach der moralischen und politischen Verantwortung der wissenschaftlichen Forschung des Menschen. Und sie bietet viel Raum für das Spiel auf der Bühne - auch wenn der tatsächlich zur Verfügung stehende Raum eng begrenzt ist. Denn Friedrich Dürrenmatt hat für seine groteske Komödie "Die Physiker" klare Regievorgaben gemacht: "... die Einheit von Raum, Zeit und Handlung streng einzuhalten ..."

Eine Herausforderung nicht nur für Regisseurin Sabine Loew, sondern vor allem auch an Ausstatterin Cornelia Falkenhan. Während Sabine Loew also das Spiel der verschiedenen Genres aufgreift, die der Dramatiker in seiner Geschichte nutzt, greift Cornelia Falkenhan mit dem zur Verfügung stehenden Raum - in diesem Fall der Salon der etwas verlotterten Villa, die von ihrer geheimnisumwitterten Besitzerin zu einem privaten Sanatorium für geisteskranke Menschen umgewandelt wurde - dieses Spiel auf. Schafft mit anderen Mitteln, wie zum Beispiel Videoeinspielungen, Lichteffekten und Schattenspielen, verschiedene Handlungsebenen für die drei Hauptakteure: Nenad Žaniæ als Johann Wilhelm Möbius - ein für seine hochrationale Weltsicht bekannter Physiker. Nach der Entdeckung der Weltformel hat er sich freiwillig in die Irrenanstalt begeben, da ihm angeblich König Salomo erscheine. Dort trifft er Udo Prucha als Herbert Georg Beutler, der behauptet, Isaac Newton zu sein. Und Dennis Pfuhl als Ernst Heinrich Ernesti, der sich als Albert Einstein ausgibt.


Nicht nur drei langjährige Schauspieler, sondern auch drei grundverschiedene Charaktere - was die Arbeit für Sabine Loew umso spannender macht. War es doch für sie ebenso wie für Cornelia Falkenhan die erste Auftragsarbeit am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Sie liefern, wie sie selbst sagen, das "Grundgerüst" für die Inszenierung, erzählen in ihrem Konzept, wohin der Weg führen soll. Doch wie dieser letztlich aussieht, das entscheiden vor allem die Darsteller.

"Das szenische Spiel entwickelt sich erst mit ihnen", erläutert Sabine Loew ihre Herangehensweise. Und von der Zusammenarbeit im Haus sind die beiden Frauen, sonst in Frankfurt am Main zu Hause, sichtlich angetan. Und auch Annaberg-Buchholz als Zuhause auf Zeit beeindruckt sie - umso mehr jetzt in der Weihnachtszeit. So fällt es auch nicht schwer, die Verbindung von der Schweiz - wo das Stück eigentlich angesiedelt ist - zum Erzgebirge zu schaffen. Cornelia Falkenhan spricht von "einer Reminiszenz an die Menschen und das Handwerk" der Region.

Die Premierenvorstellung beginnt am Sonntag 19 Uhr.


Drei vermeintlich verwirrte Physiker, eine geheimnisumwitterte Ärztin und die Weltformel

Der angesehene Physiker Johann Wilhelm Möbius, mit der Entdeckung der "Weltformel" bekannt geworden, behauptet, regelmäßig Gespräche mit König Salomo zu führen. Freiwillig hat sich Möbius deshalb in ein privates Sanatorium für Geisteskranke begeben. Vor zwei Jahren haben sich dort noch zwei weitere Physiker als Patienten einweisen lassen: Herbert Georg Beutler, der vorgibt Isaac Newton zu sein, und Ernst Heinrich Ernesti, der sich offenbar für Albert Einstein hält. Die Anstalt wird von Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd geleitet - einer resoluten, geheimnisumwitterten Ärztin.

Genauso rätselhaft wie die Geschichten der drei angeblichen Wissenschaftler stellen sich die Ereignisse in der Irrenanstalt dar: Vor wenigen Tagen hat sich ein Mord ereignet. Es ist schon der zweite, den einer der Physiker an seiner Krankenschwester verübt hat. Und es wird nicht der letzte sein. Als die Polizei eintrifft, vernichtet Möbius seine Weltformel. Aber war es dafür nicht schon zu spät?

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