Grundschule vorerst ohne eigene Leitung

Die Seiffener Bildungseinrichtung wird kommissarisch geführt. Eltern befürchten zudem, dass Unterricht ausfallen könnte und fordern Antworten vom Freistaat. Die gibt es zumindest nicht direkt.

Seiffen.

Das neue Schuljahr hat begonnen, und in Sachsen bleiben 230 Lehrerstellen unbesetzt. Dass es einen Mangel an Pädagogen gibt, ist Kultusminister Christian Piwarz bewusst, wie er kürzlich selbst erklärte. Antworten hat der CDU-Mann aber offenbar nicht zu bieten - zumindest nicht im Fall von Seiffen. Denn seit mehr als sechs Wochen warten Elternvertreter aus dem Spielzeugdorf auf eine Rückmeldung auf einen Brief, den sie an Piwarz' Ministerium und zugleich an das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) in Chemnitz geschickt haben. Darin machen sie auf schwierige Zustände in der Seiffener Grundschule aufmerksam.

Die Rede ist von fehlenden Lehrkräften und "erheblichen Ausfallstunden" - 315 seien es demnach im Jahr 2017 gewesen. Es sei nicht ersichtlich, wie sich die Zukunft des Lehrbetriebs gestalten soll, erklären die Unterzeichner weiter. Neben der Elternratsvorsitzenden Mandy Klemm und ihrem Stellvertreter Jan Reuther zählt auch Seiffens Bürgermeister Martin Wittig (CDU) dazu. Das Hauptanliegen: Die Verfasser wollen Antworten. Kann in diesem Schuljahr der Unterricht für die acht Klassen abgesichert werden? Und vor allem: Wie soll das geschehen?

Ein Lösungsvorschlag findet sich ebenfalls in dem Schreiben - allerdings eher eine Minimallösung: die Bewilligung eines Schulassistenten oder FSJ-Praktikanten für die Grundschule. Diese könnten zumindest Schüler betreuen, damit jene Schulaufgaben erledigen könnten, anstatt Stunden ausfallen lassen zu müssen. Selbst die Kommune sei bereit, die Kapazitäten der eigenen Hortnerinnen hochzuschrauben und diese als Betreuer einzusetzen. In dem Fall müssten jedoch die Kosten übernommen werden. Dann wäre zumindest die Betreuung gesichert - aber eben auch noch lange nicht der Fachunterricht.

Eine direkte Rückmeldung auf den Brief ist laut Reuther jedoch bisher weder vom Kultusministerium noch vom Lasub erfolgt. Es sei für ihn nicht zufriedenstellend, dass die personelle Situation an der Grundschule nicht offengelegt werde. Schon vergangenes Jahr konnte Unterricht nicht abgedeckt werden, waren Stunden ausgefallen, mussten Klassen zusammengelegt werden. Es sei nicht besser geworden, sagt Mandy Klemm zur Situation jetzt am Schuljahresanfang.

In den Fall hatte sich auch die Linken-Landtagsabgeordnete Cornelia Falken eingeschaltet und eine Kleine Anfrage im Sächsischen Landtag zu den Problemen an der Grundschule gestellt. Immerhin: Darauf antwortete Kultusminister Piwarz schließlich. Unter anderem heißt es, acht grundständig ausgebildete Lehrkräfte und zwei Seiteneinsteiger würden in diesem Schuljahr in Seiffen unterrichten, im Umfang von 219,6 Stunden pro Woche. Das hieße im Schnitt rund 5,5 Unterrichtsstunden pro Klasse pro Tag. Ob diese Rechnung mit dem Personal so aufgeht, stellen Falken und Reuther allerdings infrage.

Auf Anfrage von "Freie Presse" präzisiert das Lasub die Lehrerzahlen: Es seien sieben Stammlehrkräfte, zwei Gastlehrkräfte - zeitweilig abgeordnet von einer anderen Schule - und eine Vertretungslehrkraft ab diesem Schuljahr in Seiffen im Einsatz. Und die Behörde bestätigt eine weitere Änderung an der Seiffener Grundschule: Die langjährige Schulleiterin, Andrea Ihle, hat das Haus verlassen, offenbar auf eigenen Wunsch. Die Leitung in Seiffen übernimmt vorerst kommissarisch die Lauterbacher Grundschulleiterin Katharina Wittig. Die Landtagsabgeordnete Falken sieht das "problematisch". Es sei schwierig, wenn die Leitung nicht dauerhaft vor Ort sei. Spontane Treffen seien schwer möglich, ebenso gingen Informationen bei der Kommunikation zwischen Leitung, Lehrern und Eltern verloren. Und die Leiterin selbst habe schließlich auch die Doppelbelastung zu tragen.

Katharina Wittig aber nimmt sich der Herausforderung an und will jetzt den Blick für Seiffen nach vorn richten. Ihr ist an einem guten Miteinander von Eltern, Lehrern und Schulleitung gelegen. Kommende Woche will sie in einem Elternbrief über Personal und die vorläufige Unterrichtsgestaltung informieren und erklärt, jeder werde seine Arbeit so machen, dass die Kinder eine gute Schulzeit haben.


Kommentar: Zusammenhalten

Unmut und Skepsis von Eltern bei drohendem Unterrichtsausfall sind in Seiffen - wie überall im Freistaat - nachvollziehbar. Das Lehrermangel-Problem ist ein strukturelles, das auf höherer Ebene Lösungen erfordert. Und Transparenz. In Seiffen klingt aber neben allen Sorgen an, dass sich etwas tut. Trotz, oder wohl gerade wegen der widrigen Bedingungen entsteht Zusammenhalt. Viel gegenseitiges Lob ist zu hören von Eltern über Lehrer und auch die Kommune, die den Schulstandort stärken will. Das alles sah vor einer Weile noch ganz anders aus. Und: Die kommissarische Leiterin verspricht, für einen ordentlichen Ablauf zu sorgen und setzt auf gutes Miteinander. Wenn so zusammengehalten wird, ist das aller Ehren wert. Nun muss das Land seinen Teil tun und für bessere Bedingungen sorgen.

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