Halt in Hopfgarten: Gemeinde beteiligt sich trotz Restrisikos

Großolbersdorf will zehn Prozent zu den Gesamtkosten von 270.000 Euro für den Anschluss des Ortsteils an das Schienennetz beisteuern. Geht die Sache schief, sind 15.000 Euro in den Sand gesetzt.

Hopfgarten.

Dass in Gemeinderatssitzungen geklatscht wird, ist eher die Ausnahme. In Großolbersdorf war das jüngst der Fall. Dort spendeten Besucher der öffentlichen Sitzung einem Beschluss der Ratsmitglieder lautstark Beifall. Das Gros der zahlreichen Gäste kam aus Hopfgarten. Mit zehn Ja-Stimmen - bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen - hatten die Räte nach längerer Diskussion beschlossen, dass sich die Gemeinde trotz eines finanziellen Risikos an der Gemeinschaftsmaßnahme zum Neubau eines Haltepunktes der Erzgebirgsbahn in dem Ortsteil beteiligen wird. Die Freude der Hopfgartener darüber ist verständlich. Schließlich fahren seit mehr als 150 Jahren Züge durchs Zschopautal - ohne in Hopfgarten zu halten.

"Hopfgarten ist busmäßig quasi nicht erschlossen. Ein Haltepunkt wäre eine absolute Bereicherung für die Infrastruktur", sprach Großolbersdorfs Bürgermeister Uwe Günther der Abordnung aus dem 1998 eingemeindeten Ortsteil aus dem Herzen. Denn seit 1866, seit Inbetriebnahme der Bahnstrecke Flöha - Annaberg, endeten alle Anläufe, Hopfgarten ans Schienennetz anzubinden, meist aus finanziellen Gründen immer wieder auf dem Abstellgleis. Zuletzt 2014. Die Bewohner fühlen sich "abgehängt" - nicht nur vom öffentlichen Nahverkehr.

Nun starten Erzgebirgsbahn, Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und Gemeinde einen erneuten Versuch, zwischen Scharfenstein und Floßmühle einen Haltepunkt zu errichten. Für den Großteil der Kosten winken Fördermittel aus der Landeshauptstadt. Bahn und VMS wollen zusammen 15 Prozent der geschätzten Gesamtkosten von etwa 270.000 Euro beisteuern. Großolbersdorf müsste sich mit 10 Prozent beteiligen, mit rund 27.000 Euro. Vor ein paar Jahren, so der Bürgermeister, habe man noch "750.000 durch 3" und damit mit einem Gemeindeanteil von rund einer Viertelmillion Euro gerechnet.

"Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen", sagte Hans-Joachim Seidel. Das Mitglied des Hopfgartener Ortschaftsrates denkt dabei in erster Linie an Kinder und Jugendliche, die in Zschopau zur Schule gehen, und an ältere Leute aus dem 135 Einwohner zählenden Ortsteil. Einkaufen ohne Auto sei nahezu unmöglich.

Im Oktober hatte der Gemeinderat dem Vorhaben von Bahn und Verbund bereits grundsätzlich zugestimmt. Unterzeichnet worden sei aber noch nichts. Der Vertrag müsse erst präzisiert werden, so der Bürgermeister damals. Das bedeutete konkret: Die Großolbersdorfer wollten versuchen, die Vereinbarung dahingehend zu ändern, dass, falls es für den Bau des Haltepunktes doch keine Fördermittel geben sollte, für sie auch keine Planungskosten anfallen. Da Bahn und VMS laut Rathauschef Günther aber am 11. November mitgeteilt hätten, dass der Vertrag nicht geändert werde, lag das Papier in seiner ursprünglichen Form erneut zur Abstimmung.

Zwar betonten die Ratsmitglieder ausdrücklich, dass sie keinesfalls gegen einen Halt in Hopfgarten seien, aber eben im Fall der Fälle auch nicht auf ihren Anteil an den Planungskosten in höhe von voraussichtlich 30.000 Euro sitzen bleiben wollen. "Wir könnten für 27.000 Euro einen Haltepunkt bekommen oder schlimmsten Falls 15.000 Euro für die Planung in den Sand setzen. Eine Entscheidung muss her, noch in diesem Jahr", kennzeichnete Günther die Situation. Schließlich entschied der Rat mehrheitlich, das Gemeinschaftsprojekt so wie vereinbart in Angriff zu nehmen.

"Bei jedem Projekt besteht ein gewisses Restrisiko", sagte Lutz Mehlhorn. "Das gehen alle Vertragspartner ein, auch wir", so der Leiter der Erzgebirgsbahn weiter. Allerdings sei das Risiko in diesem Fall sehr gering. Er glaube, bei einer ordentlichen Planung werde es auch die in Aussicht gestellten Fördermittel geben: "Die politischen Zeichen stehen so gut wie nie. Diese Chance sollten wir unbedingt nutzen."

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