Hitler-Imitator ein Fall für den Staatsschutz

Biker in Uniform und mit Wehrmachtsmaschinen hat es beim Treffen im Schloss Augustusburg schon gegeben. Aber der Auftritt eines Mannes soll nun Konsequenzen haben.

Augustusburg.

Nicht die 1800 Biker und auch nicht die vielen Tausend Besucher des Wintertreffens in Augustusburg haben Montag die Schlagzeilen bestimmt. Es war ein Video, das am Sonntagabend in den sozialen Netzwerken auftauchte und das zeigt, wie ein Oldtimer-Gespann, eine BMW aus Wehrmachtszeiten, unterhalb der Schlossmauer neben einem Streifenwagen der Polizei einparkt. Gefahren wird die Maschine von einem Mann mit Stahlhelm. Im Seitenwagen sitzt ein Mann, der Adolf Hitler ähnlich sieht. Zuschauer filmen die Szene, lachen, scherzen und finden es: "Hammer!"

Beamte des Dezernats Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei prüfen die strafrechtliche Relevanz dieses Auftritts, sagte am Montag Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Er bestätigte, dass der Mann mit Hitlerbärtchen und dem strammen Seitenscheitel bereits mehrfach öffentlich aufgetreten sei. Der Fall werde geprüft. Eine grundlegende Einordnung des Sachverhalts sei derzeit nicht möglich.

Biker mit Wehrmachtsmaschinen und Uniformen sind beim Wintertreffen in Augustusburg keine Seltenheit. Schon 2009 waren sich die Schlossbetriebe als Veranstalter des Treffens und die damalige Bürgermeisterin von Augustusburg angesichts einer zunehmenden Anzahl von Uniformträgern einig, dass man reagieren und einer solchen Entwicklung Einhalt gebieten müsse. Allerdings ist das kompliziert. Das Tragen von Wehrmachtsuniformen ist grundsätzlich nicht verboten. Und Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen wie zum Beispiel Hakenkreuze oder SS-Runen hat man in der Vergangenheit und hat man auch am Wochenende nicht feststellen können. Es lägen keine diesbezüglichen Strafanzeigen vor, heißt es von der Polizei. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Ingrid Burghart, sagte am Montag, dass eine strafrechtliche Bewertung des Vorfalls noch ausstehe.

In die Kritik geraten ist aber auch die Polizei: Denn als das Hitler-Gespann provokativ neben dem Polizeifahrzeug einparkt, zückt der Beamte sein Mobiltelefon und macht ein Foto. Er muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen. Denn die Szenerie mit dem Hitler-Imitator im Beiwagen stelle durchaus eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar, so Polizeisprecher Andrzej Rydzik: "Wir hätten vom Kollegen erwartet, dass er dies ohne Wenn und Aber unterbindet. Dahingehend gibt es keine zwei Meinungen."

Augustusburgs Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) sagte, auch ihm seien am Sonnabend mehrere Teilnehmer des Treffens in Uniform aufgefallen. "Das hat mir nicht gefallen, aber es gab leider keine rechtliche Handhabe dagegen." Einzig der Veranstalter, also die Schlossbetriebe, hätten die Möglichkeit gehabt, ihr Hausrecht durchzusetzen und die betreffenden Teilnehmer des Geländes zu verweisen.

Äußerst empört reagierte Lutz Demuth, der Vorsitzende des Motorsportclubs Görlitz. Der Club war zu Unrecht mit dem Wintertreffen in Verbindung gebracht worden. "Wir distanzieren uns davon. Wir haben keine solchen Teilnehmer in den Reihen unserer Sportler. Für uns sind sie ein Fall für die Polizei." Für die Görlitzer war Schloss Augustusburg schon am Freitag Endstation der 18. Winterzielfahrt, bei der auch ausländische Fahrer starten.

Den Mitarbeitern der Schlossbetriebe, Veranstalter des Wintertreffens, sei das Gespann nach aktuellem Recherchestand nicht aufgefallen. Wie er am Sicherheitspersonal an der Einfahrt vorbeikam, sei im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar. "Die Schlossbetriebe distanzieren sich aufs Schärfste", wird Geschäftsführerin Patrizia Meyn in einer Mitteilung zitiert. Fürs Wintertreffen 2021 würde man Vorkehrungen treffen, um eine Wiederholung auszuschließen.

Solche Aktionen bereits im Vorfeld zu unterbinden - eine echte Chance dafür sieht Ex-Schlosschef Werner Sieber jedoch nicht: "Seit 1990 hatten wir mehrfach Mitteilungen zu prüfen, dass sich Personen im Veranstaltungsgelände befunden haben, die unerlaubte Symbole zur Schau getragen hätten. Bei Überprüfung stellte sich heraus, dass dem nicht so war." Anderseits müssen die Veranstalter aufpassen, nicht in die negativen Schlagzeilen zu geraten. Denn die Anzahl der "echten" Biker, also die mit Zelt, sei inzwischen rückläufig. Zunehmen würden die Beschwerden über die Reglementierung durch Security. Das sei für das Wintertreffen vor der Jubiläumsauflage nicht förderlich.


Kommentar: Geschmackloser Auftritt

Der Auftritt des Hitler-Imitators beim Wintertreffen der Motorradfahrer in Augustusburg ist geschmacklos und ekelhaft. Leider ist es aber in Deutschland nicht strafbar, auszusehen wie Adolf Hitler. Auch wenn man damit kalkuliert provoziert. Traurig und beschämend ist die Reaktion der umher stehenden Besucher auf dem Video, das seit Sonntagabend für Aufsehen sorgt. Da wird gefilmt, gelacht und Anerkennung gezollt. Keiner da, der sich traut, diesem irren Gespenst zu sagen: Hau ab!

Hätte der Polizist im Streifenwagen handeln müssen? Rechtlich hatte er keine Handhabe. Ob er privat oder dienstlich fotografiert hat, weiß keiner. Der Beamte hätte sich zumindest das wohlwollende Lächeln verkneifen müssen.

Es gab beim Wintertreffen noch mehr Typen, die mit Nazi-Uniformen umher stolzierten. Und es gab Besucher, die das nicht gut finden. Die Schlossbetriebe als Veranstalter des Wintertreffens wären gut beraten, diese Gespenster vom Hof zu jagen, ihnen Hausverbot zu erteilen und damit zu sagen: Wir wollen euch hier nicht haben! Die Polizei hätte dann zumindest die Möglichkeit, ein Hausverbot durchzusetzen.

1Kommentare
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  • 8
    2
    saxon1965
    14.01.2020

    Für mein Dafürhalten macht man hier aus einer "Mücke einen Elefanten". Dadurch erhält diese Aktion genau dass, was sie bezweckte: Publicity!
    Sicher kann man die Figur, die zweifelsohne Adolf Hitler darstellen sollte, geschmacklos finden. Letztlich ist es aber nicht verboten auszusehen, wie Adolf H., Goebbels, Kaiser Nero, Stalin oder andere Menschenverachter und manche müssen sogar mit deren Namen leben.
    Hitler ist eben auch eine historische Figur, die für einen zeitlichen Abschnitt unserer Geschichte steht. Auf Augustusburg war sie Beiwerk zu einem Fahrzeug aus dieser Epoche.
    Ich will hier nicht verharmlosen, was in dieser Zeit an Menschen verachtenden Dingen passiert ist und auch nicht die Millionen von Toten. Aber eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sehe ich nicht.



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