Holperpiste wird zur Gefahr - Bürger greifen zur Selbsthilfe

Seit Jahren ist die Straße zwischen Heidersdorf und Sayda eine Zumutung für Autofahrer. Unbekannte haben eigenmächtig auf die Schäden an der Fahrbahn aufmerksam gemacht.

Sayda/Heidersdorf.

Für Jens Heidenreich hätte der tägliche Arbeitsweg ein noch schlimmeres Ende nehmen können als ohnehin: Mit dem Firmenwagen war der Seiffener kürzlich von Sayda kommend nach Heidersdorf unterwegs. Die Fahrbahn der Staatsstraße 212 im Mortelgrund ist eine von zahlreichen Schlaglöchern durchzogene Holperpiste. "Eigentlich kann man die gesamte Strecke nur noch Slalom fahren", kritisiert Heidenreich. Doch am Unglückstag zwang ihn Gegenverkehr zu einem Ausweichmanöver. Trotz angemessener Geschwindigkeit und sofortiger Vollbremsung holperte sein Auto durch ein besonders großes Schlagloch. Die ärgerliche Bilanz an diesem Tag: zwei geplatzte Reifen auf der linken Seite des Wagens und eine kaputte Felge.

Der Zustand der Staatsstraße ist auch für Anlieger ein Ärgernis. Vor einiger Zeit haben Unbekannte mit Signalfarbe die größten Schlaglöcher in der Fahrbahn markiert und zahlreiche große Ausrufezeichen auf die Straße gesprüht. An mehreren Bäumen wurden zudem Radkappen mit Kabelbindern angebracht. Auch diese Radkappen wurden mit leuchtend orangener Signalfarbe besprüht und sollen Autofahrer auf die Schäden in der Straße aufmerksam machen.

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Doch mit diesen eigenmächtigen Aktionen bewegen sich die Unbekannten an der Grenze des Legalen, warnt die Polizei. Grundsätzlich sei es richtig, auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen, sagt Doreen Göhler, Sprecherin der Chemnitzer Polizeidirektion. Allerdings sind nicht alle Mittel zulässig. Sollten Hindernisse auf der Fahrbahn aufgebracht worden sein, müsse geprüft werden, ob sich der Verursacher wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr strafbar macht. Schmierereien könnten Ermittlungen wegen Sachbeschädigung zur Folge haben. Allerdings sei die Aktion im Mortelgrund auch kein Einzelfall. "Dazu kommt es immer wieder, vor allem nachdem der Winter seine Spuren auf den Straßen hinterlassen hat", so Doren Göhler. Eine Lösung sei es, die Schäden der Kommune zu melden, auf deren Flur die Straße verläuft. Diese können dann offizielle Warnschilder aufstellen lassen. Im Fall der Staatsstraße hat die Stadt Sayda das veranlasst. Mehrere Warndreiecke, so etwa kurz vor dem Ortsausgang in Sayda und nochmals kurz vor den Häusern im Mortelgrund, weisen auf die Schäden hin. Auch die Schäden in der Fahrbahndecke sind unterdessen ausgebessert worden.

Die kaputte Straße zwischen Sayda und Heidersdorf ist auch dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) bekannt. Aktuell wird die Brücke über den Mortelbach erneuert. Trotzdem ließ die für Staatsstraße zuständige Behörde eine Anfrage über mögliche Sanierungsarbeiten mehrere Tage unbeantwortet. Allerdings möchte sich das Lasuv in den kommenden Tagen zum Zustand der Straße äußern, stellte Sprecherin Isabel Siebert in Aussicht.

Zahlreiche Kommunen kritisierten zuletzt ausbleibende Förderbescheide sowie eine lange Bearbeitungszeit von Anträgen zur Sanierung von Kreis- und Staatsstraßen. Zwar hatte das sächsischen Wirtschaftsministerium die Mittel zum Erhalt der Staatsstraßen im Vorjahr von rund 54 Millionen auf jährlich 66,5 Millionen Euro aufgestockt, dennoch werden ausbleibende Sanierungen meist mit fehlenden Mitteln begründet.

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