Holzkunst aus Fernost erhitzt die Gemüter

Das Unternehmen Saico will in der Olbernhauer Welterbestätte Saigerhütte einen Laden eröffnen und darin auch Waren aus China anbieten. Der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker sieht einen "riesigen Imageschaden".

Olbernhau.

Es sind drastische Worte, die der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller gewählt hat. Von einem "riesigen Imageschaden" für Olbernhau und die gesamte Montanregion ist die Rede. Es könne nicht angehen, dass schon bald in der Welterbestätte Saigerhütte "Billig-Kopien" erzgebirgischer Holzkunst verkauft werden. Mit dem Schreiben an das Rathaus reagierte der Verband auf Pläne der Stadt, die leerstehende Hüttenschule in der Saigerhütte an Saico zu vermieten. Das Olbernhauer Unternehmen will einen Laden eröffnen und darin nicht nur erzgebirgische Holzkunst, sondern auch Engel, Räuchermänner und Schwibbögen aus Fernost anbieten.

Inzwischen steht fest: Saico soll einen achtjährigen Mietvertrag bekommen. Darauf hat sich der Verwaltungsausschuss verständigt. Zunächst gelte es, mit Saico über die inhaltliche Ausgestaltung des Vertrages zu sprechen, so Hauptamtsleiterin Gabriele Lorenz. Ob eine Klausel enthalten ist, die wie vom Verband gefordert den Verkauf der in China hergestellten Holzkunst ausschließt, ist noch ungewiss.

Während der Sitzung des Verwaltungsausschusses hatte Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) über das Schreiben des Verbandes - es liegt "Freie Presse" vor - informiert. Zugleich erklärte er, dass es mit der Seiffener Drechslergenossenschaft Dregeno neben Saico einen weiteren Interessenten gab. Die Gespräche führten aber nicht zum Erfolg. Angesichts der Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes sei es besser, das Haus stehe nicht leer, ergänzte Gabriele Lorenz. Auf jährlich 20.000 Euro belaufen sich ihren Worten zufolge die Mieteinnahmen. Inklusive der Werterhaltung würden Olbernhau bei Ausschlagen des Mietvertrages mit Saico um die 30.000 Euro im Jahr verloren gehen. Das überzeugte die Mitglieder des Ausschusses. So sprach sich Markus Gorny (CDU) für das Ansinnen aus. Zugleich wurde der Verband etwa von Ausschussmitglied Tilo Göhlitzer (CDU) kritisiert, weil dieser keine gangbare Alternative aufzeige.

Frank Sajuns, Geschäftsführer von Saico, findet die Kritik des Verbandes überzogen. Er sieht keinen Imageschaden. Schließlich sei die Montanregion als Welterbe ausgezeichnet worden und nicht die hiesige Holzkunst. Sajuns will im Geschäft seine Produkte nicht vermengen, sondern klar zuordnen. Es gebe einen Bereich mit Holzkunst aus dem Erzgebirge sowie einen gesonderten Bereich mit internationalen Weihnachtsartikeln, erklärte er sein Konzept. Sie umfassen nicht nur Räuchermänner und Co, sondern etwa auch Christbaumkugeln sowie Sterne. "Es handelt sich nicht um Billig-Kopien", so Sajuns. Die in China hergestellten Holzkunst-Produkte hätten eigene Gestaltungen. "Nicht jeder kann sich Holzkunst aus dem Erzgebirge leisten." Auf Wunsch von großen Abnehmern habe er einst begonnen, entsprechende Waren zu vertreiben. Saico hatte zuvor lediglich eigene Holzkunst im Sortiment, die das Unternehmen nach wie vor im Erzgebirge produzieren lässt. Zu den Kunden der Saico-Firmengruppe gehören Versandhäuser, Baumärkte und Supermärkte. Auch im Teleshopping wird die Holzkunst offeriert. Sajuns hat aktuell etwa 20 Mitarbeiter. Erst kürzlich ließ er im Olbernhauer Gewerbegebiet am Heinrich-Heine-Weg eine Halle errichten. Zudem erwarb er zwei weitere Hallen und ein Bürogebäude. Im Zuge dessen soll der Standort an der Grünthaler Straße anderweitig genutzt werden und der dortige Laden umziehen.

Den Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller überzeugt all das nicht. Geschäftsführer Dieter Uhlmann bleibt bei seiner Kritik: "Die Touristen kommen nicht ins Erzgebirge, um Holzkunst aus Asien zu kaufen." Er bemängelt, dass der Mietvertrag mit acht Jahren zu lang bemessen sei. Aktuell könne niemand sagen, welche Entwicklung die Saigerhütte in den kommenden Jahren nehme und welche Flächen benötigt werden. Die Stadt hält dagegen: Ein kürzerer Mietvertrag lohne sich angesichts der nötigen Instandhaltungsarbeiten für Saico nicht. Uhlmann hofft, dass die Stadt noch einlenkt. Gleichwohl werde der Verband in der Angelegenheit über das Schreiben hinaus vorerst keine weiterern Schritte unternehmen, das Geschehen allerdings beobachten.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 5 Bewertungen
7Kommentare
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  • 1
    2
    Zeitungss
    06.10.2019

    Bisher Zweie haben es mit der Mogelei noch nicht begriffen, eine Erklärung hätte ich auch dafür, man wird sie nur nicht hören wollen.

  • 4
    4
    Zeitungss
    06.10.2019

    Man hat vom Handel gelernt. Dort wird genug Plunder unter deutschen Markennamen an den Mann gebracht. Ein Gerät mit chinesischen Markennamen wäre wohl der Ladenhüter, der Name AEG und dgl. bringt da schon eine Wertsteigerung. Mit anderen Worten, der Käufer wird ganz legal übern Eimer gehalten, den Staat interessiert es nicht, bei ihm klingelt schließlich auch die Kasse.
    In anderen Bereichen braucht der Kunde unbedingt eine Kennzeichnungspflicht, hier wird ganz offiziell gemogelt.

  • 22
    16
    872889
    05.10.2019

    Was soll der Aufschrei? Wer wirklich Erzgebirge möchte und deswegen auch dorthin fährt, wird wohl kaum Billigplunder aus Fernost kaufen. Also ruhig Blut und nicht noch so ordentlich kostenlose Werbung für den Laden machen. Zudem ist es sicherlich nicht der einzige Laden, der Containerware aus China anbietet. Ach ja, und noch was: Schauen wir nicht nur nach der Holzkunst, sondern auch nach allen möglichen anderen Waren des täglichen Lebens. Auch Herr Uhlmann wird da bestimmt einiges Made in China zuhause stehen haben.

  • 25
    9
    Lesemuffel
    05.10.2019

    Nun, wo man den Welterbetitel erhalten hat, will man wohl weltoffen asiatische Kunst präsentieren und verkaufen? "Tolle" Idee!

  • 31
    4
    fnor
    05.10.2019

    Die klare Trennung bekommen auch andere nicht hin. So habe ich beim Kauf im letzten Moment noch die Aufschrift "Bohemia Line" gesehen. Die Händler sehen es als Sortimentserweiterung, werden aber nie "Kein Erzgebirge" groß darauf schreiben, damit man es sofort erkennt. Wenn die China-Produkte keine Billig-Kopien sind, dann muss Herr Sajuns aber auch erklären, warum ich das teurere Echt Erzgebirge kaufen soll. Er sägt sich seine eigene Wertschöpfung ab. Vom Hersteller wird er so zum abhängigen Händler. Ich habe von noch keinem Bäcker gehört, der nebenbei noch Discounterbrötchen anbietet und diese mit hoher Qualität bewirbt.

  • 30
    9
    Urlaub2020
    05.10.2019

    Schon allein der Gedanke im Erzgebirge Holzkunst aus Asien anzubieten ist eine Frechheit. Aber manche Leute haben eben keinen Respekt. Schon mal was davon gehört.

  • 28
    10
    MalyKrtek
    05.10.2019

    Die Globalisierung macht wohl vor nichts halt. Dem Firmeninhaber geht's einzig um Umsatz, nichts anderes. Wer der Meinung ist, dass er sich originale erzgebirgische Volkskunst nicht leisten will oder kann, dem stehen im Netz mehr als genug Möglichkeiten offen. In hiesigen Geschäften haben Kopien dieser Art nichts zu suchen.



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