Hüter der Bergbautradition mit höchster Auszeichnung geehrt

Die Bergbrüderschaft und die Bergkapelle Pobershau sind für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet worden. Ein Vereins- mitglied hatte gleich zwei Gründe zum Feiern.

Marienberg.

Er dachte, er habe sich verlesen, sagte Ronald Uhlig. Die Stadtverwaltung hat den Vorsitzenden der Bergbrüderschaft Pobershau und seine Mitstreiter per Brief nicht nur zur Festveranstaltung der Stadt anlässlich des Tages der Deutschen Einheit eingeladen, sondern ihm auch mitgeteilt, dass der Verein gleich in doppelter Hinsicht die höchste Auszeichnung Marienbergs verliehen bekommt. Ungläubig habe er zur Kenntnis genommen, dass sowohl die Bergbrüderschaft als auch die dem Verein zugehörige Bergkapelle für ihr besonderes Engagement mit der Ehrenplakette in Weiß ausgezeichnet werden.

Am Donnerstagabend war es in der Stadthalle soweit. Mehr als 220 Gäste waren gekommen, um den Festakt mitzuerleben. Nach der musikalischen Eröffnung des Ephoralen Bläserkreises Marienberg und einleitenden Worten von Kämmerin Heike Dachselt zur historischen Bedeutung der politischen Wende erläuterte Oberbürgermeister André Heinrich, weshalb es die beiden Gemeinschaften verdient haben, als 44. und 45. Preisträger seit der ersten Verleihung 1993 in die Geschichte einzugehen. Insbesondere die Bergbrüderschaft und die Bergkapelle halten den viele Jahrhunderte alten Erzbergbau und seine Sitten und Bräuche in Ehren, betonte Heinrich.

In Pobershau gebe es Hinweise, dass es um 1540 bereits mehrere Knapp- beziehungsweise Brüderschaften gab. 1959 sicherten und bauten Freunde des Altbergbaus das Schaubergwerk wieder aus. Es war zugleich die Geburtsstunde des Pobershauer Bergfests.

Doch erst Jahre später - am 16. Juni 1972 - gründete sich die Bergbrüderschaft mit 27 Mitgliedern neu. Heute gehören dem Verein mehr als 80 Männer, Frauen und Kinder im Alter von 5 bis 90 Jahren an. Seit der Neugründung nahmen die Mitglieder an mehr als 500 Bergparaden und Umzügen teil. Zum Kern der Vereinsarbeit gehört auch die Altbergbauforschung. Als Beispiele nannte Heinrich die Wiederherstellung der Schachtkopfmauerung des Felberstollschachtes und des zerstörten Mundlochs des Tiefblühend-Glück-Stollns sowie die Rettung und Pflege des Grünen Grabens von 1974 bis 1988. "Eines der wohl größten Projekte war die Rettung des Huthauses zum Roten Mann", ergänzte der Oberbürgermeister in seiner Rede.

Die Anfänge der Bergkapelle sind wiederum 1958 zu finden. Damals probten acht Musikbegeisterte erstmals zusammen im Huthaus zum Molchner Stolln. Ein Jahr später folgte der erste Auftritt. 1974 schließlich wurde die Blaskapelle in die Bergbrüderschaft aufgenommen. Seitdem spielen die Musiker bei Bergparaden, Volksfesten und Tanzabenden. Jährlicher Höhepunkt: der Berggottesdienst in der Pobershauer Kirche. Weitere Besonderheit der Bergkapelle: der von Willy Löschner und Uwe Baldauf selbst komponierte Pobershauer Bergparademarsch.

"Für uns ist die Auszeichnung Ansporn, nicht locker zu lassen sowie die Jugend- und Vereinsarbeit weiter voranzutreiben", betonte Ronald Uhlig. Seine Stellvertreterin, Andrea Baldauf von der Blaskapelle, ergänzte: "Wir versprechen, auch in Zukunft Gästen und Zuhörern mit unserer Musik Freude zu bereiten und das bergmännische Musikgut weiter zu fördern." Ihr Ehemann René Baldauf - ebenfalls Vereinsmitglied - hatte am Donnerstag gleich zwei Gründe zum Feiern. Es war auch sein Geburtstag.

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