Immer ganz in Schwarz - als Schutz vor Ruß

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Schornsteinfeger Andreas Löbel.

DITTERSDORF.

Die vielen Stufen, die Andreas Löbel jeden Werktag steigt, mag er gar nicht mehr zählen. "Schornsteinfeger müssen hoch aufs Dach und runter in den Keller. Das ist bei den derzeitigen Temperaturen kein Zuckerschlecken", erklärt er und rechnet dann doch vor, dass es locker täglich 2000 Stufen oder ein 100 Stockwerke großes Hochhaus sind. Im September geht er in den Ruhestand. "Bei allen Mühen und Turbulenzen in all den Jahren - ich hätte mich für keinen schöneren Beruf entscheiden können."

Dass es in diesem Sommer mit der Hitze so zuschlägt - klar, darauf hätte der Ehrenfriedersdorfer, der in einer Dittersdorfer Firma arbeitet, gern verzichten können. Bis zu 60 Grad Celsius und darüber kann unter den Dächern das Thermometer steigen. "Dann ist Vorsicht im Kontakt mit allem geboten, was dunkel aussieht." Gemeint sind Bleche, Haltegriffe von Fenstern und Dachlugen, Eisenleitern und Steigbügel, die auf bis zu 100 Grad aufgewärmt werden und dicke Handschuhe erforderlich machen. "Und dunkel ist eben auch unsere 'Uniform'", so der Handwerker. Schwarz sei die Dienstkleidung, weil jede andere Farbe nach der Arbeit nicht mehr zu erkennen wäre. Der dicke, luftundurchlässige und somit warme Stoff hingegen habe nichts mit Schutz vor Verbrennungen zu tun. Das dichte Material schützt die Haut seines Trägers vor Ruß, den man jeden Feierabend abschrubben müsste. "Auf die Dauer würde unsere Haut dünn", sagt Andreas Löbel und lacht.

Sechs Monate im Jahr macht er Schwarzarbeit. So bezeichnen er und seine Kollegen die Kehrmonate immer noch gern. "Damit versuchen wir wegen der steigenden Außentemperaturen zum Ende der Heizperiode fertig zu sein", so der Glücksbringer. Doch in diesem Jahr sei da schon ordentlich was losgewesen in Sachen Sonnenschein. Anschließend werden Messwerte an Heizanlagen kontrolliert und dokumentiert. "Viele Häuslebauer haben sich aus Platzgründen für eine Heizzentrale unter dem Spitzdach entschlossen", berichtet der 63-Jährige von einem Trend, auf den er und seine Innungskollegen gern verzichten würden. "Im Sommer herrschen dort tropische Temperaturen." Außerdem müsse er bei jeder Kontrolllesung zusätzlich "den Leuten noch ordentlich einheizen". Denn um objektive Messwerte zu bekommen, muss die Anlage auch im Hochsommer auf 100 Prozent hochgefahren werden. "Die Eigentümer öffnen dann ein oder zwei Heizkörper und suchen schnell das Weite, bis ich mit der schweißtreibenden Arbeit fertig bin."

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