Immer mehr Kommunen verzichten auf Glyphosat

Einige Gemeinden setzen den umstrittenen Unkrautvernichter schon nicht mehr ein. In der Landwirtschaft wird das Herbizid indes weiter verwendet - mit einer ökologischen Begründung.

Zschopau/Marienberg.

Es ist eine hitzig geführte Debatte: Ist der Unkrautvernichter Glyphosat gesundheitsschädigend? Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesinstitut für Risikobewertung das Mittel als unbedenklich eingestuft haben, hält die Internationale Agentur für Krebsforschung das Herbizid für "wahrscheinlich krebserzeugend".

Lange Zeit war Glyphosat auch für die Kommunen im mittleren Erzgebirge das Mittel der Wahl bei der Unkrautbekämpfung. Allerdings ist seine Anwendung kostenintensiv und mit hohen Auflagen verbunden. Einsatzflächen bedürfen zunächst einer Genehmigung der Landesdirektion, entsprechendes Personal muss vorher geschult werden. In einigen Kommunen des mittleren Erzgebirges wird deshalb auf Glyphosat verzichtet, andere planen schon jetzt mit Alternativen. Zur privaten Anwendung sind glyphosathaltige Unkrautvernichter dagegen weiter frei erhältlich.

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In Marienberg werde Glyphosat nur noch eingeschränkt bei der Unkrautvernichtung an Straßen und Gehwegen eingesetzt, sagt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer. Kinderspielplätze und naturgeschützte Flächen seien generell davon ausgenommen. Zudem habe die Stadt geprüft, ob eine maschinelle Entfernung von Unkraut möglich sei. Jedoch hätte der Kauf von dazu nötigem Gerät aus Kostengründen zurückgestellt werden müssen, da andere Anschaffungen im Bauhof dringlicher waren, sagt Clausnitzer.

Bis 2017 wurde in Zschopau Glyphosat verwendet, allerdings stark verdünnt. Seit 2018 sei der Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Geschichte, sagt Stadtsprecher Uwe Gahut. Nachdem sich eine Schaumalternative als unwirksam erwiesen habe, werde nun im Bereich des Schlosses das Unkraut mit der Hand entfernt. In anderen Bereichen werde eine Kehrmaschine mit aufgesetzter Wildkrautbürste eingesetzt, erläutert Gahut. Allerdings gebe es keine Auflagen bei verpachteten Kommunalland.

Ähnlich verhält es sich in Wolkenstein. Seit mehreren Jahren verzichtet die Stadt auf Glyphosat, sagt Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos). Die Kosten für Beschaffung und Schulung seien irgendwann unverhältnismäßig gestiegen, deshalb würde das Unkraut nun mechanisch entfernt, so Liebing. Der Großteil des verpachteten Landes der Stadt befindet sich in geschützten Gebieten. Der Einsatz von Glyphosat ist laut Bürgermeister Liebing dort nicht möglich.

Auch in Olbernhau werde kein Glyphosat verwendet, sagt Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP). Die Unkrautbekämpfung sei teils Handarbeit, teils würde sie maschinell erledigt.

Noch setzt Seiffen Glyphosat ein, möchte aber künftig darauf verzichten. "Aktuell werden die Restbestände verbraucht", sagt Bürgermeister Martin Wittig (CDU). Der Kauf eines Heißdampfgerätes zur Unkrautvernichtung sei geprüft worden. Kosten in Höhe von etwa 80.000 Euro hätten dagegen gesprochen. Nun will Seiffen eine preiswertere Alternative für rund 15.000 Euro anschaffen - wenn möglich im Verbund mit weiteren Gemeinden.

In der Landwirtschaft ist Glyphosat dagegen weiter das Mittel der Wahl. Die meisten Landwirte verwenden es jährlich vor der Bestellung ihrer Felder, bestätigt Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge. Der Unkrautvernichter werde jedoch nur auf Ackerflächen ausgebracht. Rund 45 Prozent der landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche seien Grünland. Glyphosateinsatz komme dort nicht infrage.

Laut Bergelt sind die Landwirte zu einem Fachkundeausweis sowie Schulungen im Zweijahresrhythmus verpflichtet. Sie unterliegen zudem einer Aufzeichnungspflicht. Bergelt warnt davor, das Herbizid pauschal abzulehnen und führt ökologische Gründe für die Verwendung an: Einzige Alternative zu Glyphosat sei das Pflügen. Das zerstöre nicht nur den Lebensraum der Tiere im Erdreich. In Hanglagen drohe zugleich Bodenerosion. In Verbindung mit Starkregen steige so die Gefahr von Schlammlawinen.


Was ist Glyphosat?

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist weltweit das meistverkaufte Herbizid. Seit Mitte der 1970er-Jahre wird Glyphosat unter der Marke "Roundup" vom mittlerweile zum Bayer-Konzern gehörenden Unternehmen Monsanto vertrieben. Als sogenanntes Totalherbizit wird es im Acker-, Wein- und Obstbau, beim Anbau von Zierpflanzen, auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen sowie im Forst eingesetzt.

Die aktuelle EU-Zulassung wurde 2002 erteilt und 2015 verlängert. Mehrere Studien einer möglichen Gefährdung von Menschen, insbesondere Schwangeren, kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Der BUND und andere Interessengruppen fordern deshalb ein Verbot. (jwen)

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