Junge Leute halten altes Spielzeug lebendig

Der Erzgebirgszweigverein Seiffen gehört zu den jüngsten seiner Art. Inzwischen verstärken auch Mädchen und Jungen aus Tschechien seine Reihen.

Seiffen.

Sie begeistern vor allem zur Weihnachtszeit Tausende Gäste des Spielzeugdorfes - die Mitglieder der Kindertrachtengruppe "Lebendiges Spielzeug". Die mehr als 70 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen unter Leitung von Katrin Ulbricht bilden einen Teil des Erzgebirgszweigvereins (EZV) Seiffen. "Als Engel und Bergmann, Wichtel, Weihnachtsmann oder Kurrendesänger verkörpern sie das Brauchtum der Erzgebirger, stellen Figuren dar, die bei uns hergestellt werden", sagt Anke Gläßer, die Chefin der Tourist-Information.

Inzwischen sind auch neun Mädchen und Jungen aus einem Kinderheim im tschechischen Jirkov in der Gruppe integriert. Sie haben in Seiffen ihr zweites Zuhause gefunden und kommen mit Begeisterung zu den Proben und Auftritten. Katrin Kempe ist Schriftführerin des EZV und gehört zu den Aktiven des sechsköpfigen Vorstandes: "Ich freue mich, dass wir vom Altersdurchschnitt her einer der jüngsten Erzgebirgszweigvereine der Region sind. Und mit mehr als 140 Mitstreitern dürften wir auch bei der Mitgliederzahl ganz weit vorn liegen", sagt die 48-Jährige, die seit zehn Jahren dem EZV angehört.


Während die Jüngeren vor allem in die Kostüme schlüpfen, kümmern sich die Erwachsenen alle zwei Jahre um das Johannisfeuer auf dem Schwartenberg, bereiten Hutzenabende vor, wecken im September den Weihnachtsmann und kümmern sich um Geschenke, die am vierten Advent verteilt werden. Stolz sind die 140 Mitglieder um den Vorsitzenden Axel Wiedemann immer noch darauf, dass sie 2014 beim MDR-Wintermärchen eine Eisenbahn mit drei Wagen und Lok aus Schnee gestalteten und so mithalfen, dass die Seiffener Sieger des Wintermärchens wurden.

"Die gute Zusammenarbeit mit Gemeinde und Kirchgemeinde ist für unsere Arbeit sehr wichtig. Und ohne die Unterstützung unserer Sponsoren könnten wir unseren großen Verein nicht am Leben erhalten", betont Vereinschef Wiedemann. Der 57-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, als Anfang der 1990er-Jahre der EZV die "Seiffener Weihnacht" initiierte. "Das war unter anderem ein Verdienst des langjährigen und verdienstvollen Vorsitzenden Günter Zielke. Der Seiffener hob den EZV 1991 wieder aus der Taufe und leitete ihn bis 2004 mit großem Engagement", erinnert Wiedemann.

Doch auch Wermutstropfen gibt es im Seiffener Verein. "Wir sind traurig darüber, dass unsere Wanderer in ein Alter gekommen sind, in dem sie keine Lust oder Kraft mehr haben. Genauso darüber, dass wir die Tradition des Klöppelns nicht mehr im Verein anbieten können. Daran werden wir aber verstärkt arbeiten", sagt Katrin Kempe.

Die Mitglieder der Berg-und Hüttenknappschaft des Ortes unter Leitung von Jörg Beyer sind zwar ein eigenständiger Verein, doch viele Knappen, Berg-Jungen und Hauer sind auch Mitglied im EZV. "Es gibt fast keinen Bergaufzug im Erzgebirge, bei dem sie nicht dabei sind", erzählt EZV-Chef Wiedemann: "Sie verkörpern die Traditionen und das Brauchtum unseres Ortes mit dem Silber- und Zinnabbau. Darauf sind wir stolz."

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